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Wer aus Hungens Osten mal schnell mit dem Rad nach Hof Grass fahren will, hat schlechte Karten. Eine sichere Querung der Bundesstraße ist erst am Kreisverkehr Höhe Friedberger Straße möglich. Das würde die Kommunalpolitik gerne ändern. (Archivfoto: pad)

Bleibt der Osten abgehängt?

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Hungen (ti). Einen durchgängigen Radweg entlang der B 457 inklusive Querungsmöglichkeit der Bundesstraße zwischen Langd und Hof Grass - das wünschen sich die Menschen im Hungener Osten. Sie müssen derzeit den Umweg über die Kernstadt in Kauf nehmen, wenn sie mit dem Drahtesel auf sicherem Weg Limesinformationszentrum, Spielplatz, Restaurant oder aber das Seegebiet ansteuern möchten. Radler aus Langd, Rodheim und Rabertshausen rufen deshalb am 25. Mai zu einer Demonstration auf. Neu ist das Thema nicht. Schon als 2013 die Entwässerung auf dem Straßenteilstück umgebaut und die Fahrbahn erneuert wurde, war der Lückenschluss im Gespräch. Vor einem guten Jahr hatten ihn Freie Wähler und Grüne mit zwei Anträgen im Stadtparlament erneut in die Diskussion gebracht. Seit dem beschäftigt sich ein Arbeitskreis mit den Radrouten der Schäferstadt.

Wengorsch: Luxusdiskussion

Im Bauausschuss am Montagabend stand ein Sachstandsbericht aus diesem Gremium ebenso auf der Tagesordnung wie das seitens des Landkreises in Auftrag gegebenen Radverkehrskonzept, zu dem die Kommunen derzeit gehört werden. In beiden Fällen drehte sich die Diskussion fast ausschließlich um die besagte Lücke im Netz.

Und die wird bestehen bleiben, wenn das Kreis-Konzept so umgesetzt wird, wie es derzeit vorliegt. In ihrer Stellungnahme soll die Verwaltung - so das einstimmige Votum des Bauausschusses, der dem Papier ansonsten entsprach - deshalb darum bitten, dass die Planer noch einmal einen Blick auf das Hungener Wegenetz werfen und dabei den Fokus auf eine mögliche Querung der Bundesstraße zwecks Ostanbindung richten. Außerdem wünschen sie sich eine bessere Wegeführung in die Wetterau.

Was Ersteres angeht, hat Bürgermeister Rainer Wengorsch wenig Hoffnung auf Erfolg. Denn die zuständige Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil lehnt eine "ungesicherte Querung" der Bundesstraße, beispielsweise durch einen Fahrbahnteiler, zwischen Langd und Hof Grass aus Sicherheitsgründen ab. Zu groß sei das Verkehrsaufkommen, zu hoch die dort gefahrenen Geschwindigkeiten, heißt es in einem Schreiben der Straßenverkehrsbehörde vom April, aus dem der Rathauschef vorlas. Der Bau einer Ampel an dieser Stelle ist unwahrscheinlich, weil sich in nicht allzu großer Entfernung bereits eine befindet, die zu Querungszwecken umgerüstet werden könnte - auf Höhe der Niddaer Straße. Und genau diese Stelle wird von Hessen Mobil favorisiert.

Für die Radfahrer aus Langd, Rodheim und Rabertshausen, die weiterhin über den Ziegelhüttenweg Richtung Hungen und von dort nach Hof Grass oder Inheiden fahren müssten, würde das aber nur eine geringfügige Streckenverkürzung bedeuten. Seinem Ärger darüber machte vor allem der Ausschussvorsitzende Hartmut Gall (FW) Luft. "Ohne, dass Langd weiterhin bergauf und bergab fährt, kommen wir nicht nach Hof Grass." Mit Blick auf die seiner Ansicht nach in der Vergangenheit verpassten Chancen, kritisierte er, dass "wir uns permanent einschränken sollen". Großen Wert auf eine bessere Ostanbindung legte auch Gunter Schmidt (SPD).

Für den Bürgermeister eine reine "Luxusdiskussion". Ziel des Kreis-Konzeptes sei die Schaffung einer Netzverbindung der zentralen Orte über alltagstaugliche Wege, nicht die Erreichbarkeit touristischer Ziele. Anders sehe es aus, wenn auf Hof Grass ein großer Arbeitgeber ansässig wäre.

Letztlich geht es natürlich auch ums liebe Geld. Denn der Landkreis verfolgt mit seinem Konzept unter anderem das Ziel, besser und schneller an Landesfördermittel zu kommen. Wenn aber Träger wie Hessen Mobil nicht mitziehen, wird das schwierig.

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