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Die Rübenrodemaschine "Tiger 5" bei der Ernte. Noch bis Mitte November ziehen die Maschinen ihre Bahnen auf den mittelhessischen Feldern. (Archivfoto: pad)

Zuckerrübenernte

Bessere Zuckerrübenernte im Landkreis Gießen als 2018 erwartet

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Auf den Feldern im Landkreis Gießen hat die Zuckerrübenernte begonnen. Nach dem miesen Vorjahr sind die Landwirte nun optimistisch.

Besonders nachts ist es ein spektakulärer Anblick: zahlreiche Scheinwerfer leuchten in alle Richtungen. Von Weitem sieht es aus, als wäre da ein Ufo auf dem Feld gelandet. Spätestens bei Tagesanbruch wird klar: das ist kein unbekanntes Flugobjekt, sondern die "Rure Roiwe Robb Maschin". Die Zuckerrübenernte auf den mittelhessischen Feldern ist zur Zeit in vollem Gange.

"Ropa Tiger" reißen Rüben aus

Offiziell heißt die Maschine "Ropa Tiger 6". Mit 768 Pferdestärken erntet sie die Zuckerrüben. Für die Rübenrodegemeinschaft Wohnbach sind gleich mehrere Tiger 6 und auch ein Tiger 5 im Einsatz. Rund 115 Landwirte von Hungen über Langgöns bis Gründau gehören der Rübenrodegemeinschaft an. Vereint lassen sich die teuren Erntemaschinen wirtschaftlicher nutzen und die Rüben besser vermarkten. Das wussten bereits die Landwirte, die sich 1989 zusammenschlossen. "Das ist jetzt unsere 30. Kampagne", sagt Landwirt Christian Seibert aus Hungen.

Noch vor einem halben Jahrhundert war Rübenernte Knochenarbeit. Die Wurzeln mussten aus dem Boden gezogen, die Blätter abgehackt und dann die Rübe auf den Anhänger geworfen werden. Was früher viele Hände brauchte, erledigt heute ein Mann im Cockpit des Roders. Die Ähnlichkeiten zu einem Flugzeug sind durchaus da. Wie ein Airbus wird auch der Roder mit einer Hand per Joystick gesteuert. Ein Computer erfasst, wie viele Rüben gerade geerntet werden, erklärt Seibert. So kann die Menge später den Feldbesitzern exakt zugeordnet werden.

26 Tonnen Ladefläche

Bevor die Zuckerrübe aus der Erde kommt, trifft sie der Blattschlegler, der die Blätter abtrennt. Dann löst der Nachköpfer den Kopf der Rübe ab. Jener bleibt ebenso wie die Blätter auf dem Acker liegen, wird zu Gründung. In V-Form bewegen sich anschließend Rodescharen auf die Rübe zu, ziehen sie so aus dem Boden. Nun geht es durch den Roder hindurch zu den Siebsternen. Diese bestehen aus dünnen Drahtstangen. Auf ihnen verliert die Rübe anhaftende Erde.

Rund 26 Tonnen finden im Tiger 6 Platz. "Das ist die Ernte von rund 3000 Quadratmetern", sagt Seibert. Im vergangenen Jahr hatten die Landwirte wie Seibert mit der extremen Trockenheit und Unwettern zu kämpfen. Lediglich 95 000 Tonnen erntete die Rübenrodegemeinschaft Wohnbach damals, 30 000 Tonnen weniger als zu Hochzeiten. In diesem Jahr, so prognostiziert Seibert, liegen die Ernteergebnisse nur leicht unter dem Durchschnitt. Die Pflanze habe durch ihre lange Wachstumszeit noch von den feuchten Tagen im Spätsommer profitieren können.

Bei den Landwirten ist die Zuckerrübe eine beliebte Frucht: "Die Rübe kann viel aus dem Boden ziehen", sagt Seibert. Zum Beispiel kann sie die natürlichen Stickstoffvorräte im Boden anzapfen und mineralisieren, sich diese zusammen mit Wärme und Wasser erschließen. "Da braucht man nur die Hälfte des Düngers im Vergleich zu früher."

Zuckerrübe braucht wenig Dünger

Während in der Wachstumszeit Regen für die Rübe gut ist, stört er nun bei der Ernte: Sind die Felder zu nass, sinken die Maschinen ein. Bei Starkregen bleiben die Maschinen darum stehen. Ist es trocken, können sie sogar rund um die Uhr laufen.

Der Rübenroder kippt die Zuckerrüben am Feldrand auf einem Haufen ab: die sogenannte Miete. Eine zweite Maschine - die Maus - liest diese später auf und füllt sie auf einen bereitstehenden Lkw.

Während die Ende September geernteten Rüben sehr schnell abtransportiert werden, bleiben sie ab Ende Oktober durchaus auch ein paar Wochen in der Miete. "Bei hohen Temperaturen darf die Rübe nicht zu lange liegen. Sonst wird sie gummiartig", erklärt Seibert.

Je kühler es draußen wird, desto länger dürfen die Rüben in der Miete liegen. Dass nicht alle Rüben sofort in die Zuckerfabrik gefahren werden, hat Kapazitätsgründe. Von Ende September bis Mitte Januar wird in den Raffinerien in Offstein und Wabern rund um die Uhr aus den Zuckerrüben Zucker extrahiert. Die Rübenernte selbst ist bereits früher beendet: Immer Mitte November ist das "Roiwe robbe aus".

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