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Häufig klettert Bennett mehrmals am Tag eine Mauer nahe des Wohnhauses hinauf, um den Zug vorbeifahren zu sehen. FOTOS: PM/SRS

Bennetts Liebe zur Bahn

Wie ein fünf Jahre alter Junge aus Hungen für Züge schwärmt

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Der fünf Jahre alte Bennett liebt Züge. So sehr, dass der Hungener jeden Tag hinter dem Wohnhaus seiner Familie eine Mauer hinaufklettert, um die Bahn vorbeifahren zu sehen. Wenn er die Hand hebt, winkt der Lokführer mittlerweile lächelnd zurück. 

Jeden Morgen um kurz nach acht rennt Bennett los, kaum hat er das Haus verlassen. Gleich geht es in den Kindergarten. Vorher aber eilt der fünf Jahre alte Hungener über einen Parkplatz, klettert eine Mauer hinauf und bleibt an einem Zaun stehen. Kurz darauf setzt ein Rattern ein, die Hessische Landesbahn zwischen Gießen und Gelnhausen fährt vorbei. Der Junge hebt seine Hand, der Lokführer winkt lächelnd zurück. Wie jeden Morgen. Züge sind Bennetts große Leidenschaft, seit er anderthalb Jahre alt ist. Kürzlich hat ihm ein Polizeibeamter gesagt: "Na, du willst doch später bestimmt Polizist werden." Bennett schüttelte nur den Kopf. "Nö", sagte er. "Lokführer."

Mutter: "Bennett hat uns dazu verleitet, dass wir heute öfter die Bahn nehmen"

Den genauen Grund für die Leidenschaft kann sich auch die Mutter nicht genau erklären. "Bennett hat mal Fußball gespielt", erzählt Desiree Chapman. "Er hat im Chor gesungen." Doch Feuer habe er dabei nicht so recht gefangen. 

In einer Rangierlok darf Bennett das Rad berühren, das die Geschwindigkeit regelt.

Seine Begeisterung für Züge hat zweifellos etwas damit zu tun, dass die Familie nahe der Bahngleise wohnt. Auch die Regelmäßigkeit der vorbeifahrenden Züge spielt sicher eine Rolle. Außerdem dürfte der Gedanke, dass die Bahngleise den heimischen Wohnort mit der weiten Welt verbinden, bei Bennett die Begeisterung mit entfacht haben. Vor kurzem ist die Familie in den Urlaub in die Türkei geflogen. Bennett zuliebe sind sie zum Flughafen mit dem ICE gefahren, für den Sohn war es ein Fest. "Bennett hat uns dazu verleitet, dass wir heute öfter die Bahn nehmen", sagt die Mutter.

"Wir spazieren bevorzugt an Bahnübergängen ohne Schranke. Weil die Züge da hupen müssen"

Die Eltern haben das Hobby ihres Sohnes von Anfang an unterstützt. Sie spaziere mit Bennett bevorzugt in der Nähe von Bahnübergängen ohne Schranken, sagt die Mutter. "Weil dann die Züge hupen müssen. Das gefällt meinem Sohn sehr."

Anfangs ist die Mutter immer noch mitgerannt, wenn Bennett den Zug an ihrem Haus vorbeifahren sehen wollte, sie hob ihren Sohn dann die Mauer hoch. Waren sie zu spät, ist er bisweilen in Tränen ausgebrochen. Mittlerweile klettert er allein auf die Mauer.

Bennetts Leidenschaft für Züge hat für die Eltern einen günstigen Vorteil: Um den Sohn ins Bett zu bringen, benötigen sie keine Überzeugungskünste. Auch am heutigen Abend wird Bennett um 19 Uhr allmählich in den Schlafanzug schlüpfen. Um 19.17 Uhr liegt er jeden Abend im Bett. Dann nämlich fährt die Hessische Landesbahn vorbei – oder wie die Mutter sagt: "Sein Gute-Nacht-Zug".

Rundgang bei der HLB

Der Boden in Bennetts Kinderzimmer ist mit Gleisen bedeckt. Eine Märklin fährt durch den Raum. Eine kleine Holzeisenbahn, ein altes Geschenk der Eltern, hat Bennett mittlerweile seinem zwei Jahre alten Bruder geschenkt. Das Zimmer ist mintgrün gestrichen. "Sei immer du selbst", steht auf der Wand geschrieben. "Außer, du kannst ein Superheld sein. Dann sei ein Superheld." Bennett hält einen Zug aus Pappe in den Händen, selbst gebastelt. Er trägt eine gelb leuchtende Sicherheitsweste und feste Schuhe. Vor wenigen Tagen hat er das alles geschenkt bekommen, als er die Schienenwerkstatt der Hessischen Landesbahn (HLB) in Butzbach besucht hat. 

Die HLB hatte die Besichtigung organisiert, nachdem die Eltern in einem Brief die Leidenschaft ihres Sohns geschildert hatten. Bennett ist durch Züge gelaufen, stand auf dem Dach einer Bahn, in einer Rangierlok durfte er während der Fahrt das Steuerrad berühren, das die Geschwindigkeit regelt. Die Technik wurde ihm erklärt. Bennett strich währenddessen über die Sitze. "So schön weich", sagte er.

Zweimal hat er in der Rangierlok das Zugsignal auslösen dürfen. Die Mutter stand währenddessen draußen. "Das hat mir die Ohren weggeblasen", sagte sie danach. Ein paar Tage später hat Bennett den Kopf seiner Mutter überprüft. "Ich habe nur nachgeschaut", sagte er. "Die Ohren sind noch da."

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