Klaus-Peter Karpf hat bereits vor Monaten Trennwände und Bodenmarkierungen in seinem Salon angebracht. Öffnen darf er dennoch nicht. 		FOTO: PAD
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Klaus-Peter Karpf hat bereits vor Monaten Trennwände und Bodenmarkierungen in seinem Salon angebracht. Öffnen darf er dennoch nicht. FOTO: PAD

Beim Friseur brennt noch Licht

  • vonPatrick Dehnhardt
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Seit Mitte Dezember dürfen die Friseure nicht mehr arbeiten. Dennoch brannte in vielen Salons Freitagnacht das Licht. Die Innung will so darauf aufmerksam machen, dass bald bei vielen Betrieben endgültig die Lichter ausgehen, wenn sie nicht wieder öffnen dürfen.

Das Licht brennt noch beim »Friseur am Obertor«, doch gearbeitet wird hier nicht: Friseur Klaus-Peter Karpf aus Hungen nimmt an der Aktion »Wir lassen das Licht an« teil, zu der der Landesverband der Friseurinnung aufgerufen hat. Seit dem 16. Dezember dürfen die Friseure nicht mehr arbeiten. Die wiederholte Verlängerung des Lockdowns zerrt an den Nerven und zehrt an den Finanzreserven.

»Der Staat lässt uns ziemlich hängen«, sagt Karpf, der sechs Salons führt und insgesamt 16 Mitarbeiter beschäftigt. Wobei »beschäftigen« im Moment der falsche Begriff ist, denn gearbeitet werden darf ja nicht.

Karpf hat Kurzarbeit beantragt. Viele Stunden hat er dafür am Computer gesessen. »Das könnte man einfacher machen. Dass das so kompliziert ist, hat doch Kalkül. Wir sind Handwerker und keine Büromenschen« Der Staat übernimmt die Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers, entlastet diesen damit. Doch der Friseur legt aus den Rücklagen drauf. »Bei manchen Familien hat schon einer seit Monaten Kurzarbeit, wenn jetzt zwei Gehälter so gekürzt würden, würde es mit Hauskredit oder Miete nicht mehr funktionieren«, sagt Karpf. »Aber auch die Reserve ist irgendwann zu Ende.«

Beim Thema Überbrückungshilfe für die Zeit der Schließung winkt Karpf ab. »Die für Dezember kann erst ab März beantragt werden.« Und dann dauere es noch einige Zeit, bis Geld fließe.

Zudem wird der Hungener keinen Cent Dezemberhilfe sehen: Als feststand, dass es in den harten Lockdown geht, hatten die Mitarbeiter alle Kunden mit Termin vor Weihnachten angerufen und versucht, mit ihnen noch vor dem 16. Dezember einen Ersatztermin zu vereinbaren.

Unter Einhaltung aller Hygiene- und Lüftungsregeln wurde an diesen Tagen von früh morgens bis kurz vor die Ausgangssperre hin gewaschen, geschnitten und geföhnt. Dies hat allerdings dazu geführt, dass der Salon so viele Einnahmen hatte, dass der Umsatzeinbruch im Vergleich zu Dezember 2019 haarscharf unter 30 Prozent lag. Anspruch auf Dezemberhilfen hat jedoch nur, der diesen Wert überschreitet.

Björn Hendrischke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Gießen, sagte, dass der wochenlange Lockdown für die Friseurbetriebe teilweise existenzbedrohende Ausmaße annimmt. »Manche Inhaber müssen ihr Erspartes antasten, andere sind auf die Unterstützung der Familie angewiesen.« Dabei habe die Branche zuvor alle nur erdenklichen Maßnahmen ergriffen, um den Besuch im Salon sicher zu machen. »Die Berufsgenossenschaft hat die höchsten Standards gesetzt, die es gibt«, sagt Hendrischke.

Karpf sagt, dass 2020 deutschlandweit nur fünf Infektions-Ereignisse durch Friseursalons ausgelöst wurden. »Da kann die Fußball-Bundesliga nur von träumen.« Er hat im Salon bereits vor Monaten Trennwände eingebaut. Es gibt ein Lüftungs-Management, Kunden müssen vor Terminen draußen warten und bekommen vor dem Schnitt die Haare gewaschen. »Die Konzepte funktionieren, das hat sich acht Monate lang gezeigt.«

Zumal würden die Friseure gerade in Sachen Hygiene einen Auftrag erfüllen. »Es gibt Ältere, die sich nur beim Friseur die Haare waschen lassen, weil sie das selbst nicht mehr können«, sagt Karpf. Wenn jetzt die Farben rauswachsen und die Haare lang werden, würden sich viele unwohl und ungepflegt fühlen - vor allen Dingen dann, wenn sie den Fernseher einschalten: »Die Politiker und Profi-Fußballer sind frisch frisiert. Das ist nicht Zuhause mit der Küchenschere abgefräst.«

Selbst nach einem Ende des Lockdowns würden die finanziellen Einbußen bleiben. Das verlorene Geschäft könne nicht wieder aufgeholt werden,, befürchtet der Coiffeur aus Hungen. Zwar sei in den ersten sechs Wochen mit einem größeren Andrang zu rechnen. »Wir können den Leuten aber nicht zweimal die Haare schneiden.« Helfen kann da nur, wenn man bald - selbst unter strengen Auflagen - wieder öffnen darf.

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