Landwirte klagen

Bauernverbandschef Paul: "Immer mehr aggressive und rücksichtslose Menschen"

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Die Stimmung gegenüber der Landwirtschaft habe sich verändert, beklagt Manfred Paul. Für ihn und seine Kollegen werde es schwieriger. Eine Vision für den Kreis Gießen hat er aber auch.

Manfred Paul ist ein geselliger Mensch. Fährt der Ortsvorsteher von Hungen-Villigen durchs Dorf grüßt und winkt er jedem, der ihm begegnet. Seit mehr als 50 Jahren lebt und arbeitet er auf einem Aussiedlerhof etwas abseits vom Ort. Der Kontakt zum Dorf ist geblieben. Paul war Feuerwehrchef, sitzt für die CDU im Stadtparlament, ist Vorsitzender des Bauernverbandes Gießen/Wetzlar/Dill.

Vom Vater bekam er einst den Tipp, sich zu engagieren, weil er Landwirt ist. "Das ist heute mehr denn je für Landwirte wichtig", sagt der 66-Jährige. "Landwirtschaft ist auf dem Weg, als Thema auf dem Land wegzubrechen." Deshalb mischt er mit, motiviert Jüngere, sich einzubringen. Das funktioniere nicht immer.

Paul: "Die Stimmung hat sich in den vergangenen Jahren verändert"

Das ist wohl auch ein Grund, warum er noch etwas Zeit drangehängt hat und weiter Vorsitzender des Bauernverbandes ist. "Die Stimmung gegenüber der Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren verändert, jeder meint es besser zu wissen, wie wir arbeiten sollen", sagt Paul. "Dabei haben wir den Beruf von der Pike auf gelernt."

Deshalb wird er auch nicht müde zu erklären, wie das ist mit der Landwirtschaft. So stand er etwa in der Erdbeerzeit täglich an seinem Acker, verkaufte die Früchte und informierte darüber, dass seine Erdbeeren gedeihen, weil er die Pflanzen vor Pilzkrankheiten schützt.

"Minimaler Pflanzenschutz ist nötig, wir halten uns an alle Auflagen, dokumentieren das ganz genau", erklärt er. Das Wissen, wie Pflanzen angebaut werden, gehe in der Bevölkerung zurück, sagt Paul.

Traum von einem Schulungszentrum

Deshalb möchte er aufklären, sein Traum: Auf einem Bauernhof im Kreis ein Schulungszentrum für Schüler und Lehrer aufzubauen. Die Gespräche dazu laufen. Vielleicht könne es so gelingen, mehr Verständnis füreinander zu entwickeln.

Dazu gehöre auch, sagt Paul, dass Menschen, die über Feldwege joggen oder ihre Hunde ausführten, wieder den Respekt aufbringen und den Weg freimachen, wenn ein Traktor unterwegs ist: "Leider begegnen wir immer mehr aggressiven und rücksichtslosen Menschen im Feld."

Einst waren es 45 Betriebe im Umfeld

"Die Zeiten haben sich geändert", sagt Paul noch. Als er vor 50 Jahre seine Ausbildung begann, gab es noch 45 Betriebe im Umfeld, kaum einer davon ist noch dabei. Auch sein Betrieb hat sich verändert: Kühe und Schweine leben längst nicht mehr auf dem Hof. Der Ackerbau sowie die Erdbeeren sichern das Einkommen.

Sohn Christian bewirtschaftet mit ihm gemeinsam den Hof, er hat noch einen Beruf außerhalb der Landwirtschaft, arbeitet am Frankfurter Flughafen als Lebensmittelkontrolleur.

Infokasten

Das ist das Betrieb Paul in Hungen-Villingen

Manfred und Christian Paul bewirtschaften fast 200 Hektar Land rund um Villingen. Sie erzeugen Weizen, Gerste, Raps, Mais für die Biogasanlage in Wölfersheim-Berstadt. Dazu haben sie ein Erdbeerfeld, auf dem sich die Kundschaft in der Erdbeersaison die Früchte selbst pflücken kann.

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