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Was braucht die Innenstadt? Viele Parkplätze, damit die Leute ihre Besorgungen schnell erledigen können? Oder mehr Aufenthaltsqualität?

Bangen um die Existenz

  • Ursula Sommerlad
    VonUrsula Sommerlad
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Hungen (us). Eine ausgearbeitete Planung gibt es noch nicht. Bislang existieren lediglich Vorschläge und Entwürfe. Doch die Überlegung, Gießener- und Kaiserstraße im Rahmen des Stadtumbau-Programms zum verkehrsberuhigten Geschäftsbereich umzugestalten, beunruhigt den Hungener Gewerbeverein schon jetzt. Die Funktion als Haupt- und Geschäftsstraße müsse auch nach der anvisierten Umgestaltung erhalten bleiben, fordern HGV-Vorsitzender Carsten Butteron und sein Stellvertreter Andreas Paul.

Und das heißt für sie: kein Wegfall einer größeren Zahl von Parkplätzen und keine ganztägige Geschwindigkeitsreduzierung.

2000 Unterschriften

Die Interessenvertreter der Geschäftsleute sehen sich in diesem Anliegen von breiten Teilen der Bevölkerung unterstützt. Bei einer Befragung von Kunden, Besuchern und Patienten habe man mehr als 2000 Unterschriften gesammelt, berichtete Paul am Donnerstag in einer Pressekonferenz, zu der auch Vertreter von Magistrat, Stadtverordnetenversammlung und Ortsbeirat eingeladen waren.

Zentrale Elemente des Förderprogramms »Wachstum und nachhaltige Erneuerung«, in das Hungen 2018 aufgenommen wurde, sind die Bürgerbeteiligung und die »Lokale Partnerschaft«, kurz LoPa, ein Gremium, in dem öffentliche, private und zivilgesellschaftliche Akteure vertreten sind und dessen Stellungnahmen empfehlenden Charakter haben. Zur LoPa gehört auch der Gewerbeverein. Er hat nun in der letzten Phase seiner Mitarbeit an einem Konzept zur Neugestaltung von Gießener- und Kaiserstraße einen verschärften Interessenskonflikt ausgemacht. Vor allem Vertreter von Parteien und Institutionen bevorzugten ein Konzept, das neben einem ganztägigen Tempolimit auch den Wegfall von rund 70 Parkplätzen vorsehe, erläuterte Paul. Er und seine Mitstreiter sehen das mit Sorge. »Wir sind hier nicht der Seltersweg. Viele Geschäfte leben vom schnellen Kommen und Gehen.« Dafür brauche man Parkplätze direkt vor Ort. Der Hinweis, dass im Gegenzug ja in der Ladestraße entlang der Bahnlinie 60 neue Parkplätze entstehen sollen, überzeugt die Vertreter des Gewerbevereins nicht. Denn die seien auch als Stellplätze für die Pendler auf der zu reaktivierenden Horlofftalbahn vorgesehen. »Eine Milchmädchen-Rechnung«, kritisieren die Geschäftsleute. Sie erinnern sich noch mit Grausen an den zwei Jahre dauernden Umbau der Untertorstraße ab 2008. Etliche Läden seien damals auf der Strecke geblieben. Der Umbau von Gießener- und Kaiserstraße müsse zwingend besser koordiniert werden, forderte Butteron.

»Wir wollen nicht konträr arbeiten«, betonte Paul. »Wir wissen, dass wir Kompromisse eingehen müssen, um verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen.« Auf ein Tempolimit nach 20 Uhr und ein Durchfahrtsverbot für Lkw zum Beispiel könne man sich einlassen. Aber Tempo 20 mit einem paritätischen Miteinander aller Verkehrsteilnehmer könne man sich nicht vorstellen. »Wenn die Leute mit 20 durch die Stadt zuckeln müssen, fahren die gleich woanders hin«, befürchtet Butteron.

»Wir sind nicht gegen etwas«, betonte auch Andreas Paul. »Aber wir bangen um die Existenz von Geschäftsleuten. Es ist schwer genug in diesen Zeiten.« Begrüßt wird seitens des Gewerbevereins die Anregung für eine Bürgerversammlung. Sie kam in der letzten LoPa-Sitzung aus den Reihen des Stadtmarketings. Dort glaubt man, dass die Kaiserstraße mehr sein könnte als eine »Schnell-was-besorgen-und-weg-Straße«, wie Sabine Fellner von Feldegg es formulierte. Aber vielleicht muss das eine das andere nicht ausschließen. Wolfgang Macht von den Grünen ist zuversichtlich. »Wenn man in die Detailplanung geht, kann man noch vielen Interessen gerecht werden.«

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