Auf Streife am Seeufer: Andreas Walter (r.) und Michael Hofmann (l.) vom Hungener Ordnungsamt mit Bürgermeister Rainer Wengorsch.
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Auf Streife am Seeufer: Andreas Walter (r.) und Michael Hofmann (l.) vom Hungener Ordnungsamt mit Bürgermeister Rainer Wengorsch.

Covid-19 und Corona

Nach Ansturm auf Badeseen im Kreis Gießen: Kontrollen sollen bleiben

Da es für Badeseen im Gegensatz zu Schwimmbädern lange Zeit keine Zugangsbeschränkungen gab, sorgte dies für einen Besucheransturm. Nun wird auch dort kontrolliert.

Ein braungebrannter Mann in Badehose rennt über den Strand. Das Wasser spritzt unter seinen Füßen. Als es tiefer wird, hechtet er in das kühle Nasse. Fast schon ein wenig sehnsuchtsvoll beobachten Hungens Bürgermeister Rainer Wengorsch und die Männer vom Ordnungsamt die Szenerie. Über eine kleine Abkühlung würden sie sich jetzt auch freuen. Doch es hilft nichts, sie sind im Dienst. Mit langen Hosen bekleidet stehen sie am Inheidener Seeufer, zumindest die Hemden sind kurzärmelig.

Es ist der angekündigte Kontrollgang, den Wengorsch und die Ordnungsamtsmänner an diesem Dienstagnachmittag bestreiten. Zu kritisieren haben sie nichts, die Badegäste halten sich an die Abstände. »Das sieht sehr gut aus«, sagt Wengorsch und nickt.

Ansturm auf Badeseen im Kreis Gießen: Besucher bringen Boote mit

Nachdem an den vergangenen Wochenenden immer mehr Besucher zum See kamen, sich dadurch die corona-bedingten Abstände nicht mehr einhalten ließen und Inheiden als auch Trais-Horloff praktisch zugeparkt wurden, reglementiert die Stadt Hungen seit Samstag den Zugang.

Das Ordnungsamt und ein Sicherheitsdienst kontrollieren nun die Besucherzahlen und überwachen, dass die Abstände auf den Liegewiesen den Vorgaben entsprechen. Am Wochenende wurden sie dabei von Verwaltungsmitarbeitern unterstützt.

Dabei zeigte sich, dass die zunächst berechnete Kapazität von 3000 Besuchern zu hoch gegriffen war. »Die Leute bringen nicht nur Decken, sondern auch Luftmatratzen und Boote mit«, sagt Ordnungsbeamter Andreas Walter. »Die brauchen dann mehr Platz.« Nun werde regelmäßig nachgeschaut, ob es auf den Liegewiesen zu dicht werde, und dann dementsprechend der Zugang geschlossen.

Ansturm auf Badeseen im Kreis Gießen: Verständnis für Wartezeiten

Obwohl dieser Punkt am vergangenen Samstag um 12.15 Uhr und am Sonntag bereits um 11 Uhr erreicht war, hätten die meisten Besucher Verständnis für die Zugangsbeschränkungen gehabt. »Es gab verärgerte Einzelfälle, aber keine körperlichen Auseinandersetzungen«, sagt Wengorsch. »Da hatten wir nach den Ereignissen vom Frankfurter Opernplatz Bedenken.«

Bei geschlossenen Zugängen dürfen neue Besucher erst wieder an den See, sobald genügend Badegäste gegangen sind. Die Stadt will an den Kontrollen festhalten. Eine Schließung des Sees - so wie beim Langener Waldsee - ist hingegen kein Thema.

An den Wochenenden, so erzählt die Security, ist der Ansturm zur Mittagszeit am größten, in den Abendstunden leert es sich dagegen schnell. Unter der Woche sei es, wie nicht anders zu erwarten, genau umgekehrt,

Und wie finden die Besuche die Kontrollen? »Wir haben nichts dagegen«, sagt ein Mann, der mit seiner Familie aus Roßbach nach Inheiden gekommen ist. »Wir haben uns danach gerichtet und waren am Samstagabend hier.« Auch die Anwohner im Seegebiet sehen die Kontrollen positiv, versorgten am Wochenende die Kontrolleure gar mit Getränken und Essen.

Ansturm auf Badeseen im Kreis Gießen: Parksituation in Dörfern entschärft

Ein positiver Nebeneffekt der angekündigten Kontrollen: Die Parksituation in den Dörfern sei an diesem Wochenende entspannter als sonst gewesen. »Es waren weniger Fahrzeuge als vorher« sagt Wengorsch. Sonst sei es keine Seltenheit, dass das Ordnungsamt allein an der Kreisstraße von Trais-Horloff nach Steinheim pro Wochenende bis zu 70 Falschparker verwarnen müsse.

Ansturm auf Badeseen im Kreis Gießen: Zufriedene Bilanz in Heuchelheim

Auch Heuchelheims Bürgermeister Lars Burkhard Steinz zieht nach dem Wochenende eine positive Bilanz. »Wir waren mit den Badegästen zufrieden«, sagt er.

In Heuchelheim setzte man sowohl auf Kontrollen in offizieller Uniform als auch in zivil. »Wenn sie mit dem Polizeiauto vorfahren, ist klar, dass der Abstand eingehalten wird«, sagt Steinz. Die Freiwillige Feuerwehr unterstützte, indem sie über Lautsprecherdurchsagen auf die Abstandsregeln hinwies.

Am Silbersee - offiziell kein Badegewässer, aber dennoch von Sonnenbräunesuchenden gut frequentiert - »wurden die Abstandsregeln eingehalten«, bilanziert Steinz. Auch am Südsee hätten sich die Besucher gut verteilt. Dort hat der Pächter der Wakeboard-Anlage Hausrecht, die Gemeinde unterstützt nur.

Ansturm auf Badeseen im Kreis Gießen: Viele Falschparker

Für Probleme sorgte lediglich ein Gruppe, die trotz Waldbrandgefahr im Wald ein Grillfeuer entzündet hatte. Sie wurde weggeschickt. Zudem musste das Ordnungsamt zahlreiche Knöllchen verteilen: Die Landesstraße zwischen Heuchelheim und Dutenhofen war beidseitig zugeparkt. »Das ist Grundwissen aus der Fahrschule, das man dort nicht stehen darf«, sagt Steinz. Die Gemeinde greife dort hart durch, seitdem es aufgrund von Sichtbehinderungen durch falsch geparkte Fahrzeuge zu einem tödlichen Unfall kam.

Ansturm auf Badeseen im Kreis Gießen: Am Wißmarer See läuft es

Auch am Wißmarer See gab es keine Vorkommnisse. »Bei uns lief alles normal«, sagt Campingplatzbetreiber Mike Will. Als die Grenze von 300 Badegästen erreicht war, habe der Sicherheitsdienst den Zugang geschlossen.

Ansturm auf Badeseen im Kreis Gießen: Probleme am Dutenhofener See

Ein Negativbeispiel, wie es nicht laufen muss, kommt aus dem Nachbarkreis: Als am Sonntagnachmittag der Platz am Dutenhofener See knapp wurde, wollten sich rund 20 Besucher am Zugang nicht abweisen lassen. Die Polizei wurde zur Hilfe gerufen. »Leider waren einige Personen etwas aggressiv und ungehalten«, sagt Pressesprecherin Sabine Richter. Die Beamten mussten mehrere Platzverweise aussprechen.

Die Betreiber hatten zuvor in den sozialen Medien die Zugangs- und Taschenkontrollen angekündigt. Damit wollte man Saufgelage und Shisha-Partys am Seeufer einen Riegel vorschieben.

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