Ein Absperrband wurde an einem Tatort vor einem Polizeiauto angebracht.
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Die Leiche des Erschossenen bleibt weiterhin verschwunden, obwohl es jetzt ein Geständnis gibt, wo sie sein soll.

Prozessbericht

„Mord ohne Leiche“: Wer hat das Opfer erschossen und im See versenkt?

  • vonConstantin Hoppe
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Im Prozess um den „Mord ohne Leiche“ im Landkreis Gießen will keiner der Täter geschossen haben. Ein Angeklagter gesteht jetzt aber, dass er die Leiche beseitigt hat.

Hungen – Am Montagmorgen waren alle Blicke im externen Sitzungssaal des Landgerichts Gießen am Stolzenmorgen auf die Bildschirme im Raum gerichtet: Es wurden die Aussagen des Angeklagten Robert S. abgespielt, die er während seiner polizeilichen Vernehmung nach seiner Verhaftung am 3. Juni 2020 getätigt hatte. Gemeinsam mit dem 44-jährigen Olaf C. soll Robert S. im November 2016 einen Freund entführt und in einer Hofreite bei Hungen ermordet haben. Die Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

„Mord ohne Leiche“ im Landkreis Gießen: Wurde Angeklagter nicht über seine Rechte belehrt?

Doch während der angeklagte Studienrat Olaf C. in den vergangenen Verhandlungstagen ausführlich über den Tattag und die Abläufe berichtete, schweigt der 40-jährige Robert S. bisher zu den Vorwürfen.

Deshalb sollte gestern seine polizeiliche Vernehmung vor Gericht eingeführt werden, doch sein Verteidiger legte Widerspruch ein. »Mein Mandant wurde vor der Vernehmung nicht ausreichend über seine Rechte belehrt und es wurde ihm ausgeredet, vor dieser einen Anwalt zu konsultieren«, nannte er den Grund. Auch sei durch den Vernehmungsraum bewusst ein angenehmes Umfeld geschaffen worden, das über den Ernst der Tatvorwürfe getäuscht habe. »Auch wurde meinem Mandanten nicht erklärt, dass er sich durch eine Einlassung nicht nur ent-, sondern auch belasten könne«, so der Verteidiger.

„Mord ohne Leiche“ im Landkreis Gießen: Gericht lehnt Widerspruch ab

Punkte, die Staatsanwalt Thomas Hauburger fraglich fand. Der Angeklagte sei viermal über seine Rechte aufgeklärt worden. Der Vernehmungsraum sei der einzige, der in Gießen zur Verfügung stehe, »da war keinerlei Täuschungsabsicht vorhanden«.

Das sah auch das Gericht so: Es gebe keinen Anhaltspunkt dafür, dass der Angeklagte die Belehrung nicht verstanden hätte, erklärte die Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze, sodass die polizeiliche Vernehmung als Beweismittel eingeführt werden konnte. In der Aufnahme zu sehen sind ein Mann und zwei Polizisten, die in einem wohnlich eingerichteten Raum sitzen. Es fängt ein Gespräch an, die Polizisten klären den Mann über seine Rechte auf, erklären ihm, dass er unter Mordverdacht ist, und fragen, ob er alles verstanden habe. Auch dass er keine Angaben machen muss, wird ihm gesagt. Doch er spricht und berichtet vom Tattag.

„Mord ohne Leiche“ im Landkreis Gießen: Wer hat geschossen?

Seine damaligen Einlassungen sind nahezu identisch mit den Angaben des anderen Angeklagten, nur mit vertauschten Rollen: Nicht er habe den gemeinsamen Freund erschossen, sondern Olaf C., warum, dass wisse er nicht.

In der Folge habe er die Leiche des Mannes in mehrere Teile zersägt. Weggeschafft habe er sie jedoch nicht. Ruhig berichtete er den Polizisten vom Kauf einer Säge im Baumarkt und wie er dann über eine Woche hinweg den Leichnam zerlegt habe, er nennt dabei auch Details.

Erst als sich nach einiger Zeit Staatsanwalt Hauburger einschaltet, gibt Robert S. in der Befragung zu, er habe die Leiche entsorgt: »Ich habe sie in mehrere Eimer einbetoniert, in mein Auto geladen und bin damit zum Starnberger See gefahren.« Dort angelangt, habe er die Eimer in ein Boot gepackt und in den See geworfen.

Mord im Landkreis Gießen: Leiche immer noch verschwunden

Trotz diverser Suchmaßnahmen konnte die Leiche bis heute nicht gefunden werden. Warum er nicht sofort zur Polizei gegangen sei, wird Robert S. gefragt. Seine Antwort vor einem Jahr: »Da liegt eine Leiche auf meinem Grundstück, wie sieht das denn aus? Ich wusste, ich stecke in der Scheiße.«

Doch nach eigenen Angaben verschaffte er sich eine »Lebensversicherung«, wie Robert S. in der Befragung beschreibt: »Olaf zog sich damals bei mir um. Er hatte einen kompletten Satz Ersatzkleidung dabei und ließ seine Kleidung bei der Leiche liegen«, sagt er.

Diese Kleidungsstücke lagerte der Angeklagte ein und machte bei der Durchsuchung seines Hauses die Polizei auf diese aufmerksam. Der Prozess wird fortgesetzt.

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