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Die Beschilderung am Bahnübergang am Ortseingang und Bahnhof Inheiden ist diese Woche verschwunden.

Andreaskreuze verschwunden

  • VonPatrick Dehnhardt
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Hungen/Wölfersheim (pad). 18 Jahre und sechs Monate ist es her, dass über den Bahnübergang in Inheiden der letzte Zug rollte: Seit dem 4. April 2003 ist der Schienenverkehr auf der Horlofftalbahn eingestellt.

Seitdem standen die Andreaskreuze und roten Blinklichter nutzlos herum. Lange Zeit durften sie jedoch nicht abgebaut werden. Immer wieder hieß es, dass sie stehen bleiben müssten, da die Strecke zwar stillgelegt, aber nicht entwidmet sei. Dies sorgte insbesondere bei ortsfremden Autofahrern für Irritationen, ebenso bei Fahrschülern.

Mittlerweile haben Jugendliche einen Führerschein, die niemals einen Zug auf dieser Bahnstrecke haben rollen sehen. Dennoch mussten sie in der Fahrstunde so tun, als ob da noch was fahren würde. Denn laut Straßenverkehrsordnung muss man sich einem Bahnübergang mit besonderer Vorsicht nähern, was bedeutet: Geschwindigkeit so sehr verringern, dass sich sicher überblicken lässt, ob kein Zug kommt. Da in Inheiden Häuser und Hecken die Sicht behindern, bedeutete dies quasi Schrittgeschwindigkeit. Den morgendlichen Blick in die Gießener Allgemeine, ob die Horlofftalbahn mittlerweile reaktiviert ist, dürften Prüfer und Fahrlehrer wohl kaum gelten lassen.

Doch nun entfällt dieser überflüssige Halt: Die Beschilderung wurde diese Woche abgebaut. Nachgefragt im Hungener Rathaus, warum dies jetzt geschah: Da der Bürgermeister im Urlaub ist, darf niemand eine Antwort geben - nicht einmal, ob die Stadt selbst oder gar Schrottdiebe am Werk waren.

Kameras zählen Fahrzeuge

Die Pressestelle der Deutschen Bahn bestätigte auf Nachfrage: »Die Stadt Hungen hat die Andreaskreuze und Lichtzeichenanlagen in Inheiden demontiert.« Die Erklärung kommt aus dem Wölfersheimer Rathaus. Zuletzt hatte es eine Streckenbegehung mit Verantwortlichen gegeben. Dabei wurde bekannt, dass sich die Bewertung von Bahnübergängen stillgelegter Strecken geändert habe. Mittlerweile sei es nicht nur legitim, die Andreaskreuze an der stillgelegten Strecke abzubauen - es werde sogar empfohlen. Der Bauhof werde demnächst daher auch auf Wölfersheimer Gebiet aktiv werden und die Signalanlagen demontieren.

Folgen für eine Reaktivierung hat die Demontage übrigens nicht. Da die Technik veraltet war, würden die Bahnübergänge sowieso mit modernen Signalanlagen ausgestattet.

Dass endlich wieder der erste Zug rollt, darauf wartet die Arbeitsgemeinschaft Horlofftalbahn seit langem. Schon vor zehn Jahren haben die Kommunen Wölfersheim und Hungen gemeinsam die Strecke gekauft, um sie vor einem Abbau zu bewahren. Derzeit scheint es so, als ob 2026 der erste Zug fahrplanmäßig die Strecken befahren könnte. »Noch viel zu lange hin«, sagt Stephan Kannwischer, Sprecher der AG Horlofftal. Vor drei Jahren hieß es noch, 2022 erfolge die erneute Premiere. Kannwischer vermutet, dass der RMV die Inbetriebnahme immer weiter herauszögert, um Kosten für den Betrieb zu sparen.

Derzeit werden zudem verschiedene Gutachten erstellt. Zum einen läuft eine Artenschutzuntersuchung, welche Reptilien sich rund um den Bahndamm angesiedelt haben. Außerdem standen bis Mitte dieser Woche an den alten Bahnübergängen über die Bundesstraße 489 am Inheidener Ortseingang und zwischen Wölfersheim und Berstadt Kameras, die die Zahl der vorbeifahrenden Fahrzeuge erfassten. Und auch eine mögliche Haselmausbesiedlung wird geprüft. Gleichzeitig laufen die Grundvermessungen der Strecke, sagt AG-Sprecher Kannwischer.

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