Der Flughafen von Ísafjörður.
+
Der Flughafen von Ísafjörður.

Die Anbindung abgelegener Orte und das isländische Vorbild

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
    schließen

Der öffentliche Nahverkehr im Landkreis Gießen sorgte in den letzten Wochen für zahlreiche Diskussionen: In Pohlheim kritisierten Stadtverordnete, dass eine Änderung der Wege der Linienbusse abgelehnt werde, als ob diese in Stein gemeißelt seien. Der Lindenstruther Ortsbeirat monierte in seiner jüngsten Sitzung, dass in den Ferien der Bus nach Grünberg wegfalle, ansonsten überfüllt sei. Und auch sonst sei die Busanbindung mau.

In Nonnenroth, Rabertshausen, Rodheim, Steinheim und Langd gibt es indes am Wochenende überhaupt keine Möglichkeit, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen: Es fährt weder ein Bus noch ein Anruflinientaxi. Und auf die Reaktivierung der Horlofftalbahn und Lumdatalbahn als Verbesserung für den Nahverkehr wird man wohl auch noch ein paar Jahre warten dürfen.

Da dürfte sich mancher Einwohner in diesen Dörfern wünschen, er würde nicht im Landkreis Gießen, sondern in Island leben: Denn dort macht man sich nicht nur über eine bessere Busverbindung, sondern sogar Flugverbindungen für abgelegene Orte Gedanken. Wie die "Icelandreview" nun meldet, hat der isländische Verkehrsminister Sigurður Ingi Jóhannsson das Projekt "Luftbrücke" ins Leben gerufen. Damit sollen Serviceleistungen in der Hauptstadt für Landbewohner besser erreichbar werden - zu Deutsch: einkaufen, Theater, Konzerte.

Konkret fördert der Staat 40 Prozent der Kosten eines gebuchten Fluges - beispielsweise vom Flughafen in Ísafjörður (Foto) nach Reykjavik und wieder zurück. Isländer aus den Westfjorden sowie dem Norden und dem Osten des Landes dürfen sich so pro Jahr sechs Flüge fördern lassen. Schätzungen gehen davon aus, dass die Initiative das Land mit zirka 360 000 Einwohnern rund 3,6 Millionen Euro kosten wird. Und das, obwohl das Land derzeit hart von der Krise im Tourismus getroffen wird.

Nicht falsch verstehen: Es fordert keiner die Reaktivierung des Flugplatzes Ettingshausen, um aus dem Ostkreis nach Gießen zu fliegen. Da würden die Sicherheitskontrollen vor dem Flug vermutlich länger als die Reise selbst dauern.

Aber es ist doch erstaunlich, dass ein Land mit einer mit dem Landkreis Gießen vergleichbaren Einwohnerzahl, jedoch wesentlich weiteren Distanzen zwischen den einzelnen Siedlungen, die Einwohner abgelegener Städte und Dörfer ins Flugzeug setzt, während in Mittelhessen teils nicht einmal ein Anruflinientaxi möglich ist. pad/FOTO: LWDE

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare