Bernd Ulrich blickt auf 70 Lebensjahre zurück. 		FOTO: DPA
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Bernd Ulrich blickt auf 70 Lebensjahre zurück. FOTO: DPA

»Die Amigos«

»Die Amigos«: Bernd Ulrich hatte nur einen Wunsch zum Geburtstag

  • vonPatrick Dehnhardt
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In Hungen feierte Bernd Ulrich seinen 70. Geburtstag. An diesem Tag blickte er auf ein ungewöhnliches Leben zurück: Vor 14 Jahren starteten er und sein Bruder Karl-Heinz als Musiker für Die Amigos so richtig durch.

Bei Kaffee und Kuchen zusammen mit der Familie und seinem Bruder Karl-Heinz feiert »Amigo« Bernd Ulrich seinen 70. Geburtstag. In einem normalen Jahr hätte er diesen Tag groß gefeiert, vielleicht auch auf der Konzertbühne gestanden. Doch in Zeiten von Covid-19 rückt der Ehrentag in den Hintergrund: »Ich halte mich da an alle Anordnungen. Wir leben in einer Zeit, wo mein Geburtstag nicht wichtig ist.«

Normalerweise sind die Brüder pro Jahr 252 Tage unterwegs. Für 2020 waren über 100 Konzerte in ganz Europa geplant und großteils schon ausverkauft. Doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. »Das ging von hundert auf Null, da nutzen sich die Bremsbacken ab«, kommentiert Bernd Ulrich.

Die Amigos: Jugendjahre »waren ganz schön vollgepackt«

Statt auf der Bühne verbrachte er auf einmal viel Zeit im Garten. »Ich kenne jetzt alle Blumennamen auswendig.« Zudem nutzen die Brüder die Zwangspause, um kreativ zu sein: »Home Office« heißt in diesem Fall aber Tonstudio. »Ich habe ein paar Lieder für das neue Album meiner Tochter Daniela Alfinito geschrieben«, sagt Bernd Ulrich und freut sich schon auf die Veröffentlichung im Januar. Zusammen mit seinem Bruder Karl-Heinz bereitet er zudem das nächste »Amigos«-Album vor, das im Sommer erscheinen soll.

An den Winterabenden in Villingen blieb Zeit, um Rückblick zu halten. »Ich habe zuletzt mein Leben in Zehn-Jahres-Schritten beurteilt.« Auf eine unbeschwerte Kindheit folgte die Jugend mit Schulabschluss, Musik, Bundeswehr, Fußball, Tennis - »die Jahre waren ganz schön voll gepackt«. Und zudem wurden vor 50 Jahren die »Amigos« gegründet.

Die Amigos: Musikalischer Durchbruch 2006

Der Fußball begleitete ihn auch in seinem dritten Jahrzehnt, ebenso die Musik. In den 40ern habe er sich dann schon gedacht »Oh je, jetzt wirst du schon alt«. Die »Amigos« spielten auf Kirmessen und Festen, »wir waren hier im Umkreis bekannt«. Dass sich noch einmal der Traum von der großen Musikerkarriere erfüllen würde, hatte er schon nicht mehr erwartet: »Du hast gedacht, du hast für die Rente vorgesorgt, was soll jetzt noch kommen?«

Doch da kam noch was: Nach dem Sieg bei »Achims Hitparade« 2006 standen plötzlich die Plattenfirmen Schlange. Die Brüder sollten 82 Tage auf Tour gehen. Bernd und Karl-Heinz Ulrich standen plötzlich vor der Entscheidung zwischen Musikerkarriere und Beruf. »Mein Boss hat mich für verrückt erklärt«, erinnert sich Bernd Ulrich. Die Entscheidung trafen beide nicht allein. »Wir haben in der Familie darüber geredet und unsere Frauen haben zugestimmt.«

Bernd Ulrich von den Amigos: Nur ein Geburtstagswunsch

Der Mut wurde belohnt. »Es hat sich gelohnt, und wir haben noch immer einen Riesenspaß.« Gleichzeitig sei es ein Stück harte Arbeit gewesen. »Wir sind dankbar für diese Zeit.«

Zu seinem Geburtstag ist Bernd Ulrich dankbar, dass es ihm und der Familie gut geht. In dieser Situation will er auch Vorbild sein - auch an seinem Geburtstag: »Ich kann nicht verstehen, warum sich so viele Idioten nicht an die Regeln halten, ihren Geburtstag mit vielen Leuten feiern. Es gibt Menschen und Branchen, die leiden und am Boden zerstört sind.« Sorgen macht er sich etwa um die Konzertcrew. Fast täglich telefoniert er mit den Technikern, erkundigt sich nach deren Lage. Sein Geburtstagswunsch ist daher klar: Dass die Pandemie bald vorüber ist.

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