Statt zum Gruppenfoto kommen die Schüler einzeln auf die Bühne. FOTO: CON
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Statt zum Gruppenfoto kommen die Schüler einzeln auf die Bühne. FOTO: CON

Abschied im Schichtbetrieb

  • vonConstantin Hoppe
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Hungen(con). Der Tag der letzten Zeugnisübergabe - eine Kreuzung, von der viele Wege in eine unklare Zukunft führen. Auch für Abiturienten ist es ein besonderer Moment. Doch große Feiern bleiben dieses Jahr überall aus - die Infektionsschutzauflagen im Zuge der Corona-Pandemie schieben ihnen einen Riegel vor.

Ein kleiner, ungewohnter Rahmen wartete auch in Hungen auf die diesjährigen Abiturienten: Statt in der Stadthalle, in der auch Eltern, Geschwister und Freunde ihren Platz gefunden hätten, traf man sich in die Schulaula, mit Sitzgruppen von maximal drei Stühlen. Statt Livemusik gab es Klänge vom Band, statt klassenübergreifender Feier Einlass nach Klassen und kein abschließendes Foto mit allen Mitstreitern - ein "Abi-Abschied im Schichtbetrieb", wie es Schulleiterin Alexandra Kuret nannte.

Der Infektionsschutz wirkte sich auch die Vorbereitungen und die Dauer der Zeugnisübergabe aus, die sich ab 10 Uhr bis über den gesamten Nachmittag erstreckte. Jeder Schüler sollte die Beachtung bekommen, die er verdiente. Zwischen den einzelnen Klassen wurde die Schulaula jeweils gesäubert.

Pläne haben sich geändert

"Welcome to fabulous Abi Vegas" - das diesjährige Abiturmotto kündet von der Sehnsucht der 67 Hungener Abiturienten, die Welt zu entdecken. Doch die Pläne für die nächsten Monate haben sich bei vielen geändert: "Viele von euch wollten jetzt, nach eurem Schulende, die Welt bereisen, fremde Länder, Kulturen und Sprachen kennenlernen", sagte Kuret in ihrer Laudatio auf den diesjährigen Jahrgang. "Doch daraus wird leider vorerst nichts - aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben."

Danach wurden die Schüler paarweise auf die Bühne gebeten, wo sie ihre Zeugnisse von Schulleitung, Oberstufenleiterin und dem jeweiligen Tutor in Empfang nehmen können - ohne den sonst üblichen Handschlag. Dafür wurden reichlich Fotos gemacht, die den Abgängern zugeschickt werden sollen - denn auch das Klassenfoto zum Abschied fällt in diesem Jahr aus.

Oberstufenleiterin Edith Ißleib hatte sich aber etwas anderes ausgedacht und Fotos der ehemaligen Schüler aus ihrem ersten Jahr an der Hungener Gesamtschule herausgesucht. So waren einige Lacher vorprogrammiert, wenn den Schülern klar wurde, wie sie sich über die letzten Jahre verändert haben. Aus den Fünftklässlern sind mittlerweile junge Erwachsene geworden.

Aber es gibt auch so manches, das sich bei den Schulabgängern wohl nie ändern wird: "Gestern kam dann das Erwachen, als wir uns die Jahrgangsliste angeschaut haben", berichtete Oberstufenleiterin Ißleib. "Denn von den 67 Abiturienten haben erst 30 ihre Bücher abgegeben - also, wer heute noch kein Originalzeugnis bekommt, der weiß jetzt, warum." Vielleicht suchen manche Abgänger auch nur eine Möglichkeit, um noch einmal an ihre Schule zurückzukommen.

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