Die Bürgerinitiative bezweifelt, ob ein klassisches Hallenbad für junge Familien attraktiv ist. Ein Neubau mit Kinderbecken und weiteren Attraktionen würde aus ihrer Sicht jedoch für höhere Kosten sorgen. 		ARCHIVFOTO: PAD
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Die Bürgerinitiative bezweifelt, ob ein klassisches Hallenbad für junge Familien attraktiv ist. Ein Neubau mit Kinderbecken und weiteren Attraktionen würde aus ihrer Sicht jedoch für höhere Kosten sorgen. ARCHIVFOTO: PAD

Enorme Folgekosten

Bau des Hüttenberger Hallenbades könnte teuer werden

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Die Bürgerinitiative rechnet mit Kosten von 22 Millionen Euro in den nächsten 40 Jahren, sollte in Hüttenberg ein neues Hallenbad gebaut werden. Sie fragt: kann die Gemeinde sich das leisten?

Hüttenberg – »Eine Gemeinde geht nicht pleite. Aber als Privatperson wäre Hüttenberg pleite«, sagt Christian Jung. Zusammen mit Markus Droß und weiteren Mitstreitern hat er ein Bürgerbegehren zum geplanten Hallenbadneubau inititiert, dafür Unterschriften gesammelt. Sie erwarten, dass der Neubau und die Folgekosten die Kommune mit 22 Millionen Euro belasten werden. Am 1. November werden die Hüttenberger über die Zukunft des Projekts abstimmen.

»Wir sind nicht gegen das Schwimmbad«, sagt Jung. Er bezweifelt jedoch, dass sich Hüttenberg den Unterhalt langfristig halten kann. In den vergangenen Jahren sei die Grundsteuer B (auf bebaute Grundstücke) auf 800 Hebesatzpunkte gestiegen.

Hüttenberg ist stark belastet

Nach der Abschaffung der Straßenbeiträge müsste die Gemeinde anstehende Straßensanierungen aus allgemeinen Steuermitteln bezahlen. Dann stehe als nächste große Investition das Feuerwehrhaus Rechtenbach als Pflichtaufgabe der Kommune auf dem Plan. Von den steigenden Kosten für die Kinderbetreuung ganz abgesehen. Bereits vor Covid-19 sei die Finanzlage schlecht gewesen, nun die Steuereinnahmen massiv eingebrochen. »Wenn das alles so kommt, gehen wir auf eine Grundsteuer von 1000 Punkten zu«, sagt Jung.

Im vergangenen November entschied sich die Gemeindevertretung Hüttenberg mehrheitlich für den Hallenbad-Neubau. Die Bürger nach ihrer Meinung dazu zu fragen, wurde mehrheitlich abgelehnt. Ein SPD-Gemeindevertreter hatte erklärt, dass diese ein Bürgerbegehren einreichen könnten, wenn sie mit der Entscheidung unzufrieden wären. Jung und Droß waren unzufrieden und folgten dieser Empfehlung. Sie schienen nicht allein zu sein: 1481 Unterschriften kamen für das Bürgerbegehren zusammen. Ein deutliches Votum dafür, dass die Hüttenberger mitentscheiden wollen.

Neben den direkten Baukosten von zirka acht bis zehn Millionen Euro sehen Jung und Droß kritisch, dass die Folgekosten nicht genügend beachtet würden. Sie gehen bei ihrer Beispielrechnung von Baukosten von acht Millionen Euro brutto aus, haben den angekündigten Zuschuss des Trägervereins und die Förderung über das hessische SWIM-Programm bereits einkalkuliert. Hüttenberg müsse somit einen Kredit von 5,4 Millionen Euro aufnehmen.

Trotz der niedrigen Zinsen müsste die Kommune in den kommenden 40 Jahren jeweils 255 000 Euro jährlich für Zinsen und Tilgung ausgeben. Pro Jahr müssten im Schnitt zudem 120 000 Euro für die Instandhaltung veranschlagt werden. Dazu müsse die Gemeinde jährlich 143 000 Euro für das Bad abschreiben. »Und dann kommen noch die Personalkosten dazu«, sagt Droß. Dies zusammengerechnet, würde das neue Bad die Gemeinde in den nächsten 40 Jahren rund 22 Millionen Euro kosten.

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens verweisen auf einen Bericht des Hessischen Rechnungshofes. Dieser habe festgestellt, dass es in Hessen mehr Schwimmbäder als im Bundesdurchschnitt gebe. Der Neubau von Schwimmbädern solle daher auf Kreisebene abgestimmt, geplant und gemeinsam finanziert werden. Nach derzeitigem Stand müsse die Gemeinde Hüttenberg jedoch die Unterhaltungskosten alleine stemmen. »Langgöns und Linden haben kein Interesse, sich zu beteiligen.«

Neues Schwimmbad in Hüttenberg: Zweifel an Zukunft des Trägervereins

Auch der Kreis habe abgewunken. Der Hallenbadträgerverein führe die Bedeutung des Bades für den Schwimmunterricht an. Dass dieser auf den Stundenplan gehöre, stehe außer Frage, sagt Droß. Wenn dafür ein Hallenbad in Hüttenberg notwendig ist, müsse jedoch der Lahn-Dill-Kreis auch den entsprechenden Anteil an den Bau- und Unterhaltungskosten übernehmen. Dieser habe sich jedoch stattdessen im Europabad Wetzlar eingemietet.

Zudem sehen beide die Zukunft des Trägervereins mit Skepsis. Dieser habe zwar einen jährlichen Beitrag zu den Kosten des Schwimmbades angekündigt. Wenn jedoch der Schwimmbadbesuch nicht mehr an eine Mitgliedschaft gekoppelt ist, dürfte diese für viele uninteressant werden. »Ich gehe davon aus, dass der Verein langfristig Mitglieder verlieren wird«, sagt Droß. »Und wer engagiert sich in ein paar Jahren im Vorstand, wenn das Schwimmbad steht?«

Hüttenberg: Pläne für Bad »nicht attraktiv«

Ein weiterer Kritikpunkt der Bürgerinitiative ist das Aussehen des geplanten Bades. Einfach ein Schwimmbecken mit einer paar Sprungblöcken zu bauen sei nicht zeitgemäß. »Wenn man ein Bad mit vier bis fünf Bahnen, aber ohne Baby- und Kinderschwimmbecken baut, ist das für junge Familien nicht attraktiv«, sagt Droß. Schon in der Vergangenheit hätten die Jugendlichen an diesem Schwimmbad nur wenig Interesse gehabt. »Wenn man es attraktiv machen und wenig Geld ausgeben will - das ist die Quadratur des Kreises«, sagt Droß.

Die Bürgerinitiative hofft nun auf eine hohe Teilnehmerzahl beim Bürgerentscheid am 1. November. Egal ob die Bürger für oder gegen das Hallenbad stimmen werden, wollen sie das Ergebnis akzeptieren. »Man soll sich weiterhin vernünftig unterhalten können«, sagt Jung. Droß fügt hinzu: »Die Leute sollen entscheiden, ob sie das, was auf sie zukommt, auch wollen. Irgendeiner muss die Zeche zahlen.«

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