Lupid - das sind Sänger Tobias Hundt (r.) und seine Bandkollegen Patrick Serafin (l,) und Markus Straßheim (M.). Ihr jüngstes Album ist vor knapp drei Wochen erschienen. FOTO: LEA BRÄUER
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Lupid - das sind Sänger Tobias Hundt (r.) und seine Bandkollegen Patrick Serafin (l,) und Markus Straßheim (M.). Ihr jüngstes Album ist vor knapp drei Wochen erschienen. FOTO: LEA BRÄUER

Musik

Hüttenberger Band veröffentlicht neues Album

  • vonLena Karber
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Die Hüttenberger Band Lupid hat jüngst ihr zweites Album veröffentlicht - diesmal in Eigenregie. Herausgekommen ist, wie Singer-Songwriter Tobias Hundt sagt, eine Art "Tagebuch-Poesie.

Erst nach ein paar Sekunden Musik setzt der Text ein. "Ich weiß, jeder Tag mit mir ist wie ein Drahtseilakt. Du bist das Gleichgewicht, das ich nicht hab’" singt Tobias Hundt. Es sind äußerst persönliche Worte, die der Sänger der Hüttenberger Band Lupid anstimmt. Die aktuelle Single "Drahtseilakt" habe für ihn eine besondere Bedeutung, sagt er. "Der Song schließt gewissermaßen diese ganze Tagebuchzeit ab."

Gleichzeitig ist "Drahtseilakt" aber auch Namensgeber für das kürzlich erschienene zweite Album der Band. Es ist das erste, das Lupid in Eigenregie produziert hat.

Die Geschichte von Lupid begann eigentlich einst als Soloprojekt von Hundt, das jedoch "schon immer irgendwie als Band funktioniert hat", wie er sagt. Nachdem er 2008 seine Handball-Karriere beim Zweitligisten TV Hüttenberg für die Musik beendet hatte, nahm das einstige Hobby jedoch immer mehr Raum ein. Als später zwei Bandmitglieder absprangen, entschieden sich die restlichen für einen Neuanfang. Sänger Hundt, Patrick Serafin (Keys) und Markus Straßheim (Drums) zogen sich ein paar Tage in einen alten Bahnhof zurück, um sich über grundsätzliche Fragen klarzuwerden: In welche Richtung soll es gehen? Wie will man klingen? Als sie herauskamen, waren sie Lupid.

Dann ging es Schlag auf Schlag: 2016, etwa ein Jahr nach der Gründung, unterschrieb die Band einen Vertrag bei Universal Records. 2017 veröffentlichte sie ihr Debütalbum "Am Ende des Tages". Bereits 2018 aber erfolgte die Trennung vom Plattenlabel. Einvernehmlich, wie Hundt betont. "Es war eine schöne Zeit, von der wir mega profitiert haben." Man habe jedoch gemerkt, dass die Vorstellungen auseinandergingen.

Ihr zweites Album produzierte die Band deshalb in Eigenregie - und mit großer Freude. "Wir sind sehr, sehr glücklich, gerade alles selbst machen zu können", sagt Hundt. An die Produktion des jüngsten Albums sei die Band mit einer anderen Denkweise und Erwartungshaltung herangegangen.

Es ging ihnen vor allem darum, bestimmte Geschichten zu erzählen. Diese Geschichten stammen aus Hundts Leben, genauer: aus einem Tagebuch. "95 Prozent der Texte sind tatsächlich Tagebucheinträge, die in einer Krisenzeit entstanden sind, einer Beziehungskrise, die zur Persönlichkeitskrise wurde", erzählt er. "In dieser Zeit habe ich zum ersten Mal exzessiv Tagebuch geschrieben und bin immer mit diesen Gedanken in die Songwriting-Sessions gegangen." So seien die Einträge zu Songs geworden. "Man kann das Album vielleicht ein bisschen als Tagebuch-Poesie bezeichnen", sagt Hundt.

Dass das Album am Tag seiner Veröffentlichung - dem 24. April - bis auf Platz 15 der iTunes-Album-Charts und in der Kategorie Album Pop sogar auf Platz 3 kletterte, ist für Lupid Grund zur Freude. Doch ebenso wichtig ist laut Hundt auch das positive Feedback, das die Band aktuell von vielen Seiten bekommt. "Wenn man es schafft, dass sich die Leute mit den Songs identifizieren, weil man Gefühle so artikuliert, wie sie es vielleicht in diesem Moment nicht selbst gekonnt hätten oder wenn man es schafft, durch einen Song einen anderen Blick auf das Leben zu eröffnen, ist das eines der schönsten Komplimente", sagt er und zögert kurz. "Irgendwie fühlt sich das gerade sehr gut an."

Dass das Coronavirus dafür gesorgt hat, dass die für Mai geplante "Drahtseilakt"-Tour und die Auftritte bei mehreren Sommer-Open-Airs ausfallen müssen, ist für die Band allerdings keine ganz einfache Situation. "Es ist unabsehbar, wie es Ende des Jahres aussieht, denn selbst wenn im Sommer Lockerungen kommen, weiß man ja nicht, ob es eine zweite Welle gibt", sagt Hundt. Da man vieles selbst mache und ein großer Aufwand dahinter stecke, könne man aktuell auch keine Ersatztermine anbieten oder eine neue Tour planen. "Wir müssen erst einmal abwarten."

Dass das neue Album ausgerechnet inmitten der Corona-Pandemie erschienen ist, empfindet die Band aber nicht als Nachteil. Die meisten Leute würden neue Musik ohnehin erst einmal über die Streaming-Portale kennenlernen, und dazu hätten sie Zuhause nun viel Zeit. Außerdem sei die Nachfrage auf Social Media gerade extrem hoch, wodurch man gut über das Album kommunizieren könne. Dazu gehören auch Livestream-Konzerte.

"Wir lieben einfach das Live-Spielen und wollen das auf jeden Fall weitermachen", sagt Hundt. Zu dritt sei es auch gut möglich, den Corona-Regeln gerecht zu werden. "Die Leute wollen im Moment guten Input und beschäftigt werden", sagt er. "In den vergangenen Wochen haben sie es total aufgesogen, wenn man Content geliefert hat."

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