Thomas Schmitt, Geschäftsführer des Sporthotels Grünberg, präsentiert im "abgespeckten" Restaurant die für den Neustart erstellte Hygienebroschüre. FOTO: TB
+
Thomas Schmitt, Geschäftsführer des Sporthotels Grünberg, präsentiert im "abgespeckten" Restaurant die für den Neustart erstellte Hygienebroschüre. FOTO: TB

Ende des Lockdowns

Hotelier: Mit verhaltenem Optimismus in den Restart

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
    schließen

Am Freitag endet der Lockdown, kehren Hotels in einen wenn auch eingeschränkten Regelbetrieb zurück. Doch die Ungewissheit, wann die Geschäfte wieder florieren, bleibt. Ein Blick hinter die Kulissen der Sportschule Grünberg

Die Broschüre, die Thomas Schmitt, Geschäftsführer der Sportschule Grünberg, in den Händen hält, ist 18 Seiten stark. Darin haarklein aufgelistet all die Hygieneregeln, die nur einem Zweck dienen: Schutz vor dem nur wenige Millionstel Millimeter kleinen Virus, vor SARS-CoV-2.

Die Angestellten des Vier-Sterne-Hotels haben noch etwas Zeit, erst am Montag - drei Tage später als in Hessen erlaubt - nimmt das Haus wieder den "eingeschränkten Regelbetrieb" auf. Spätestens dann jedoch müssen die 18 Seiten, sämtliche Regeln, basierend auf den Verordnungen des Landes für Hotels und Restaurants, in Fleisch und Blut übergegangen sein.

Eine Auswahl: Ein "Wegeleitsystem" im Hotel sowie separate Ein- und Ausgänge im Restaurant sollen verhindern, dass sich Gäste zu nah kommen. Desinfektionsflaschen und -vernebler sind ausreichend bereitzustellen. Im Speiseraum - namentliche Reservierungen sind Pflicht - ist der Mindestabstand von 1,50 Meter einzuhalten; die Zahl der Plätze hat sich damit von 120 auf 42 reduziert. Jegliche Tischdeko ist tabu, an die Stelle von Glasbehältern treten hier Papiertütchen mit Salz und Pfeffer. Schließlich: Der Wellness-Bereich muss geschlossen bleiben.

Zwangspause sinnvoll genutzt

"Wir haben schon etwas Pech gehabt", übt sich der Chef der bundesweit bekannten Sportschule des Hessischen Fußballverbandes (HFV) in Understatement. Wohltuend, angesichts manch missglückter Vergleiche mit anderen Krisen. Aber klar, auch dieser Betrieb mit einem 80-Betten-Hotel, Restaurant, 15 Konferenzräumen, dem Sportschultrakt mit 28 Zimmern, meist gebucht für Trainingscamps junger Fußballtalente, musste herbe Verluste verkraften. "90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr", schätzt der Geschäftsführer. Kein Wunder, denn seit dem 18. März stand das Hotel einzig für Geschäftsreisende offen, waren im Schnitt nur 20 der 45 Zimmer belegt. Aufgrund der Pandemie-Beschränkungen gab es somit keine einzige Übernachtung eines "touristischen Gastes" oder von Teilnehmern an Aus- und Fortbildungen. Letztere sind ein starkes Standbein des Hotels, die Belegungsquote der Konferenzräume beträgt stolze 80 Prozent.

Nicht zu vergessen: Untersagt waren ebenfalls Trainingscamps und andere sportliche Veranstaltungen, die normalerweise im Frühjahr anlaufen. Trotz alledem: Die Grünberger profitieren vom Renommee bei den Unternehmen der Region: "Die Geschäftsreisenden haben uns über Wasser gehalten", sagt Schmitt. Den Shutdown habe man im Übrigen sinnvoll zu nutzen gewusst. Für Renovierungen, die Erweiterung des Wintergartens oder den Umstieg auf LED.

Nach dem Abbau der Überstunden allerdings musste man doch für 30 der 50 Angestellten, mit Ausnahme der acht Azubis, Kurzarbeit anmelden. Gar zu hundert Prozent. "Es ist schwer, damit auszukommen", weiß der gelernte Koch und Hotelkaufmann. Wenigstens stockt der HFV die 60 beziehungsweise 67 Prozent auf rund 80 Prozent des Nettogehalts auf. Ende Mai will die Chefetage schauen, ob nach den ersten beiden weitere Kollegen aus der Kurzarbeit geholt werden können.

Bereits wieder erste Anmeldungen von Profikickern

Denn trotz aller Einschränkungen registriert die Sportschule Anzeichen der Besserung. Dass es kleineren Häuser ungleich schwererfallen werde, die Krise zu überstehen, weiß auch Schmitt. Der aber konnte wieder einen ersten, wenn auch leichten Anstieg der Zimmerbuchungen registrieren. Am 25. Mai findet zudem die erste Tagung im Haus statt und für den Sommer gibt es auch wieder Buchungen von Profifußballern. Anzeichen der Erholung. Nur: Bis wann die "sportlichen Buchungen" insgesamt wieder das alte Niveau erreicht haben, bleibt offen. Nicht nur, weil große Events wie der "Tag des Frauenfußballs" abgesagt werden mussten. Auch sei es verständlich, dass Eltern ihre Kinder nicht zu Trainingscamps schickten. Bis also die gewohnten Belegungsquoten von 70 Prozent im Hotel und sogar 80 Prozent bei den Konferenzräumen erreicht werden, wird es noch dauern. Schmitt übt sich in verhaltenem Optimismus: "Ich hoffe, wir haben in einem Jahr wieder das gewohnte turbulente Geschäft."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare