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Hohe Mieten treffen Ärmere hart

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Gießen (pm/so). Bezahlbares Wohnen im Landkreis Gießen - das hat Landrätin Anita Schneider seit einigen Jahren ganz oben auf der Agenda - und hat mit der »Gesellschaft für Sozialen Wohnungsbau und Strukturförderung« ein darauf abzielendes Förderungs- und Steuerungsinstrument geschaffen. Die Gesellschaft arbeitet erfolgreich: Bald eine Million Euro Fördermittel für bezahlbaren Wohnraum werden Jahr für Jahr zur Verfügung gestellt, Eine neue Studie untermauert die Notwendigkeit, auf diesem Feld weiter aktiv zu sein.

Das Pestel-Institut (Hannover) hat die Entwicklung der Mieten im Kreis Gießen und damit die Situation der Geringverdiener am Wohnungsmarkt jetzt analysiert und den Kreis Gießen auf den »Wohn-Prüfstand« für Haushalte mit niedrigem Einkommen gestellt. Der Befund: Zu hohe Mieten treffen Haushalte mit niedrigem Einkommen besonders hart. Vor allem Beschäftigte, die zum Mindestlohn arbeiten, über Alleinerziehende bis hin zu Rentnern, die ihre kleine Rente mit einem Minijob aufbessern.

Die Analyse des Pestel-Instituts kommt für den Landkreis Gießen zum Schluss: Die Mieten seien für einfache Wohnungen 5,5-mal so stark wie die Lebenshaltungskosten gestiegen. Die vom Job-Center übernommenen Mieten für Single-Haushalte seien innerhalb von gut sechs Jahren (März 2014 bis August 2020) um 35,9 Prozent gestiegen, während die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum nur um 6,5 Prozent zulegten. »Bei den Mieten wird oft rausgeholt, was rauszuholen ist. Dabei bauten Vermieter, so die Pestel-Studie, auf die Job-Center‹ als ›zuverlässige Zahlstelle‹. Diese übernehmen die Kosten für Wohnungen ›einfachen Standards‹. Auf genau diese Wohnungen seien aber nicht nur Hartz-IV-Empfänger angewiesen, sondern eben auch die vielen anderen Haushalte mit niedrigen Einkommen«, sagt der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther. »Das Angebot an günstigen Wohnungen sei rar. Gerade Neuvermietungen nutzten viele Vermieter, um Maximal-Mieten zu erzielen«. Um eine bessere Orientierung bei Wohnungsangeboten zu bekommen, bewirbt er ein Gütesiegel: »MEINFAIRMIETER« prüfe als Wohnungsmarkt-Label die soziale Verantwortung von Vermietern. Günther hat die Gründung des Gütesiegels mit initiiert.

Das Siegel sei ein »Sozial-Kompass für den Wohnungsmarkt«: Fast ein Viertel der Beschäftigten arbeitet nach Angaben des Pestel-Instituts bundesweit im Niedriglohnsektor.

»Der Staat agiert inzwischen mangels eigener Wohnungen als Mietentreiber, weil er Mieten akzeptieren muss, bei denen viele Vermieter offensichtlich die Schmerzgrenze ausreizen«, so Matthias Günther.

Auch hinter der Wohnungsmarkt-Analyse für den Landkreis Gießen steht für »Pestel« das Gütesiegel »MEINFAIRMIETER«, das vom Pestel-Institut mit initiiert wurde. Faire Vermieter, ob öffentlich, genossenschaftlich oder privat, müssten für die Wohnungssuchenden erkennbar sein. Ein Schwerpunkt der Arbeit des Gütesiegels sei das Schaffen von Markttransparenz. Günther: »Natürlich werden wir wohnungspolitische Forderungen wie etwa die dringend notwendige Stärkung des Sozialwohnungsbestandes und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau insgesamt im Fokus haben«. Nach Angaben des Pestel-Instituts fehlten Ende 2019 im Landkreis Gießen gut 3100 Wohnungen. FOTO: PM

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