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Das Hofgut-Theater und der Heiratsantrag

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So eine Zugabe hat die Theaterwelt wahrscheinlich noch nicht erlebt. Ausgerechnet das heimelige Hofguttheater am Appenborn in Rabenau-Odenhausen machte jetzt den Anfang. Was sich dort am Sonntagabend um 19.45 Uhr abspielte, stand eigentlich nicht auf dem Spielplan. Es ging um bekannte und weniger bekannte Arien aus verschiedenen Opern, außerdem Geschichten und Anekdoten aus dem Backstage-Bereich.

Doch dann erklomm Norbert Reinhardt (2. v. l.) schnellen Schritts jene Bretter, die die Welt bedeuten, und setzte dieser Bedeutung noch eins drauf. Es wurde, dem Theater völlig angemessen, gleichsam hochdramatisch, als Reinhardt in die vordere Reihe blickte und mit sicherer Stimme den Ausspruch "willst Du mich heiraten" tat. Solches war kein Zitat aus einer Oper, sondern ein Heiratsantrag. Die Angebetete, Odenhausens Ortsvorsteherin Tina Halbersma (2. v. r.), hauchte "Ja". Das Publikum applaudierte erleichtert. Harald Pfeiffer ließ die Korken knallen, Hermann Wilhelmi klimperte den Hochzeitsmarsch aus Mendelssohns Sommernachtstraum und Sopranistin Anne Abel (l.) schmetterte eine allerletzte Arie.

Übrigens wird just an diesem Samstag um 11 Uhr aus Halbersma Reinhardt. Das Paar heiratet nämlich im Hofguttheater, wo die Gemeinde Rabenau im Bedarfsfall ein Standesamtszimmer unterhält.

Ansonsten hatte Abel an jenem Theaterabend jede Menge Sangesarbeit in verschiedenen Sprachen: "Kommt ein schlanker Bursch" aus "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber, "Last Rose" aus "Martha" von Friedrich von Flotow, "Ombra mai fù" aus "Xerxes" von Georg Friedrich Händel und manches mehr.

Die Schülerinnen der Ballettschule Arabesque, Luisa und Julia Erdmann, tanzten eine verkürzte Engel-Version aus Humperdincks "Hänsel und Gretel". Harald Pfeiffer (r., Stadttheater Gießen) gab den Geschichtenerzähler: So erfuhr man etwa, wie es einst zur Entdeckung der italienischen Opernlegende Enrico Caruso kam. (vh/Foto: vh)

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