+

Hoffnung für Naturkindergarten

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
    schließen

Teilerfolg für den Elternverein, der sich infolge der Versetzung einer Erzieherin durch das Oberhessische Diakoniezentrum (OD) gegründet hat, um in Freienseen einen Naturkindergarten zu schaffen: Die am Montag tagenden Fachausschüsse des Stadtparlaments sind dem Magistrat nicht darin gefolgt, den vom Verein beantragten Zuschuss von 47 000 Euro in diesem und von 35 000 Euro in den Folgejahren zu verweigern.

Beschlossen wurde vielmehr ein Runder Tisch, um eine für alle tragbare Lösung zu suchen. Daran Platz nehmen Vertreter des Magistrats, der Fraktionen, des OD als Kita-Träger und des Elternvereins. Auf dass eine Eröffnung im August möglich bliebe, soll das Gremium zeitnah einen Vorschlag erarbeiten und das Stadtparlament bereits am 23. Juni darüber befinden.

Eingangs der Sitzung in der Sport- und Kulturhalle (Foto) hatten Meike Engeln und Matthias Meyer die Argumente des Vereins dargelegt: So würden mit dem Naturkindergarten 25 attraktive Betreuungsplätze für Ü3-Kinder geschaffen und es gebe schon 20 Voranmeldungen, elf aus Freienseen.

Auflösung der OD-Waldgruppe?

"Für ganz Laubach ein Standortvorteil", meinte der Ex-Frankfurter Meyer mit Hinweis auf den Trend zu Waldgruppen und zur Arbeit im Homeoffice. Dank des Elternengagements käme ein Platz der Stadt auch günstiger als in einer Kita der Diakonie.

Beantragt wird neuerdings ein um 10 000 auf 45 000 Euro erhöhter Zuschuss (Resultat eines Mehrbedarfs an Personal, auf den der Fachdienst beim Kreis aufmerksam gemacht hatte, die Red.). Ein Nein der Stadt, so die Eltern, hieße soziale Ausgrenzung wegen höherer Gebühren, kein Tarifgehalt und Ausweitung des Einzugsgebiets.

In der Diskussion standen sich zunächst die Pro- und Contra-Positionen unversöhnlich gegenüber. Bürgermeister Klug erneuerte die Befürchtung, bei einer dritten Kita in Freienseen stünde die Waldgruppe des OD auf der Kippe, wäre vielleicht auch die Hausgruppe nicht ausgelastet - entstünden damit erhöhte Kosten. Weiter: Das Vorhaben diene nicht der Deckung des Bedarfs, ein Zuschuss wäre somit eine freiwillige Leistung und ein Verstoß gegen die Etat- genehmigung der Aufsichts-behörde. Aktuell fehle es nun vor allem an U3-Plätzen, der Bedarf sei in Gonterskirchen mit 44 Plätzen am höchsten.

Gemäß Magistratsvorlage sollte ein Zuschuss versagt, die Verwaltung aber beauftragt werden, bis September ein Konzept für die "bedarfsgerechte Schaffung von Betreuungsplätzen" zu erstellen. An dessen Umsetzung hätte sich der Elternverein beteiligen sollen - sofern er einen "Deckungsbeitrag" leistete, was Standort, Altersstruktur und pädagogischen Ansatz betrifft.

Zu spät käme dies, mahnte Michael Köhler (Grüne) mit Blick auf den 1. August und war sich mit Ulf Häbel (FW) einig darin, den Bedarf nicht als "statistische Größe" zu sehen: "Es geht um Kinder." Letzterer schlug vor, ein Konzept bis zum Plenum am 23. Juni zu erstellen und so zu klären, unter welchen Bedingungen der Naturkindergarten machbar sei.

FBBL: Gefordert ist jetzt Gonterskirchen

Björn Erik Ruppel (CDU) brachte die geringeren Kosten für die Stadt bei einer Vereinsträgerschaft ins Spiel, auch sei der jetzt geforderte Container für die OD-Waldgruppe nicht so preiswert. Das Problem aber sei nun mal der Bedarf in Gonterskirchen: "Wie wäre es mit einem Wechsel des Vereins dorthin?" Die Kooperation mit der Grundschule Freienseen sei nun mal ein Grundpfeiler des Konzepts, es brauche die räumliche Nähe, bat Engeln um Verständnis für "mangelnde Flexibilität". Und: "Wer weiß, ob es in Gonterskirchen ein Interesse gibt?" Vielleicht aber schaffe ja die Diakonie dort ein Angebot.

OD-Geschäftsführer Bernd Klein hatte klargestellt, es sei Sache der Stadt zu entscheiden, wo eine Kita geschaffen werde. Damit auch, ob die Waldgruppe des "Stifts" abgegeben werde. Worauf Klug nun deren Verlagerung weg aus Freienseen ins Gespräch brachte, was Köhler wie auch Dirk Hofmann (FBLL) als Möglichkeit sah.

Letzterer sah jetzt Gonterskirchen gefordert, aktiv zu werden. Zumal: "Das wäre eine Lösung, bei der sie auch nicht neidisch über den Berg schauen müssten." Heißt: Aus einem Dorf ohne Kita in eines mit gleich dreien. tb/Foto: tb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare