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Daniel Seipp begutachtet Wintergerste, die unter starkem Regen gelitten hat.

Höchste Zeit für gutes Erntewetter

  • Thomas Brückner
    VonThomas Brückner
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Nach drei Trockenjahren zeigt sich 2021 den Bauern wohlgesonnen: Gleichmäßige Niederschläge lassen eine gute Ernte erwarten. Doch auch in der Landwirtschaft gilt es, genauer hinzuschauen. Der starke Regen der letzten Wochen hat der Wintergerste, eine der Hauptkulturen der Region, arg zugesetzt, einige Bestände regelrecht plattgemacht. Ein erster Ausblick auf die Ernte 2021.

Daniel Seipp, Sprecher der Junglandwirte und Vorstand im Kreisbauernverband Gießen/Lahn-Dill, breitet einige Ähren auf seiner Handfläche aus. Er zeigt auf kleine weiße Punkte, die aus den Körnern lugen. »Die haben bereits gekeimt, sind nur noch als Futter für die Schweinemast zu gebrauchen.« Nicht aber für den edlen Zweck, für den die stärkehaltigere Sommergerste ausgesät wurde: zum Bierbrauen.

Die großen Regenmengen der letzten Wochen, einige Tage ging sogar ein heftiger Starkregen nieder, haben tiefe Eindrücke im Gießener Land hinterlassen. Buchstäblich. Bei manchen Gerstenfeldern liegt bis zu einem Drittel der Fläche am Boden. Vor allem die hierzulande dominierende Wintergerste - in der Regel für Viehfutter angebaut - ist betroffen.

Auch in Muschenheim, wo Seipp einen Hof mit rund 100 Hektar bewirtschaftet. Beim Ortstermin in der Feldflur zeigt er auf eine dieser Flächen, die den Landwirten Kummer bereiten: Bei den teils heftigen Niederschlägen Ende Juni, Anfang Juli hat das schon mürbe Stroh die Last der bereits voll ausgebildeten, schweren Ähren nicht mehr tragen können. Und selbst wenn die auf die feuchte Erde geworfenen Körner noch nicht gekeimt haben sollten, der Mähdrescher könne sie nicht mehr erfassen. Der staatlich geprüfte Betriebswirt für Agrarwirtschaft: »Wenn die überreifen Bestände lange in der Feldflur stehen, kommt es zu erhöhten Verlusten.«

Auf dass es nicht noch ärger kommt, ist es für die Wintergerste also »höchste Zeit«, erklärt Seipp. Es brauche jetzt dringend einige warme Tage, am besten mit Wind. Auf dass die Böden und die Frucht abtrocknen, mithin lagerfähiges, weil nicht zu feuchtes Korn gedroschen werden kann.

Zumal die Qualität der Gerste diese Jahr »nur« suboptimal ausfällt. Vermutlich durch die einwöchige Hitzephase im Juni sei die Frucht vorzeitig abgereift, habe nicht mehr ganz so viel Stärke eingelagert. In jedem Fall aber kann 2021 einige Wochen später gedroschen werden.

Was bereits erste Folgen für die bäuerliche Lieferkette gezeigt hat: »Bei manchen Schweinehaltern, die Wintergerste verfüttern, sind schon die Lager leer.« Den Muschenheimer tangieren diese Schwierigkeiten nur peripher, hat er in dieser Saison keine Wintergerste angebaut. Was die anderen hierzulande verbreiteten Kulturen angeht - in erster Linie Winterweizen, Sommergerste, Hafer und Hülsenfrüchte -, so zeigt sich der Junglandwirt noch »relativ entspannt«. »Da haben wir noch etwas Zeit, die Bestände sind noch recht grün, stehen noch voll im Saft.«

Ihnen haben somit die Niederschläge nicht geschadet, im Gegenteil, sie konnten sogar noch davon profitieren.«

Insgesamt, so Daniel Seipp rückblickend aufs erste Halbjahr 2021, habe es der Wettergott gut mit den Bauern der Region gemeint. Schon gar in Erinnerung an die jüngere Vergangenheit. Die recht gleichmäßige Verteilung der Niederschläge habe für eine gute Entwicklung der Kulturen gesorgt. »Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden. Auch, was an Futter vom Grünland kam«, zieht der 34-Jährige eine erste Bilanz.

»Unheimlich schwer« tut er sich am Ende mit der Prognose beim Raps, ebenfalls stark verbreitet im Landkreis. Auch der hat Seipp zufolge unter dem langen Regen gelitten, wie der Pilzbefall der Stängel zeige. Bei der hierzulande dominierenden Ölpflanze rechnet er eher mit einer durchschnittlichen Ernte.

In etwa zwei Wochen dürfte es auch für den Junglandwirtesprecher mit der »relativen Entspanntheit« vorbei sein. Mit der Weizenernte beginnt dann auch für ihn die arbeitsreichste Zeit im Jahr.

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