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Hochwasserschutz im Fokus

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Tagelang stand das Seegebiet Inheiden/Trais-Horloff Anfang des Jahres unter Wasser. Tagelang versuchten die Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerkes mit Pumpen, den Fluten Herr zu werden. Seit Jahrzehnten ist die Stadt Hungen immer wieder mit dem Thema Hochwasser konfrontiert. Probleme macht aber nicht nur das regelmäßig überflutete Seegebiet. Auch die Kernstadt ist nach Ansicht von Experten gefährdet.

Schutzmaßnahmen sind daher in der politischen Diskussion immer wieder Thema. Schon vor Jahren hatte die Kommune beispielsweise den Bau eines Regenrückhaltebeckens zwischen Hungen und Villingen in den Blick genommen. Die Planungen eines solchen sind mittlerweile sehr konkret. Wenn es nach Bürgermeister Rainer Wengorsch geht, könnte das Bauwerk bereits in gut zwei Jahren fertig sein.

Entstehen soll es laut Henning Heinze (Ingenieurbüro Zick-Hessler, Wettenberg), der im Bau- und Planungsausschuss am Montagabend den aktuellen Sachstand erläuterte, entgegen der ursprünglichen Planungen etwas weiter flussabwärts und zwar an der engsten Stelle der Aue, auf Höhe des Hofes Schaal (siehe Foto). Dafür allerdings muss das Bett der Horloff in diesem Bereich auf einer Länge von rund 100 Metern um etwa 10 bis 15 Meter verlegt werden.

Vorgesehen ist ein 4,70 Meter hoher und 190 Meter breiter Staudamm, der maximal sieben Kubikmeter Horloff-Wasser pro Sekunde durchlässt. Wird es mehr, beginnt eine automatische Drosselung und das zusätzliche Wasser wird aufgefangen. In einem sogenannten »grünen Becken«, der Horloffaue. 917 000 Kubikmeter würde der Stauraum fassen. Genug, um die Kernstadt vor einem 100-jährigen Hochwasser zu schützen.

Bau in 2023

Da sich die Dämpfungswirkung des Beckens weit ins Unterwasser bemerkbar macht, würden neben der Kernstadt auch Trais-Horloff, Inheiden sowie das dort ansässige Wasserwerk von der Schutzmaßnahme profitieren. Die Kosten für das Projekt beziffert der Bauingenieur auf 1,23 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer. 90 Prozent könnten laut Bürgermeister über Fördermittel abgedeckt werden.

Was den Zeitplan angeht, hofft der Rathauschef, dass die Planungen zum Jahreswechsel soweit fortgeschritten sind, um nach einem entsprechenden Stadtverordnetenbeschluss ins Planfeststellungsverfahren zu gehen. Dessen Dauer gibt Wengorsch mit rund zehn Monaten an, ebenso wie den des Baus. Folglich könnte Letzterer zum Jahreswechsel 2022/2023 beginnen.

Seitens der Mandatsträger wurden die fortschreitenden Planungen mit Blick auf den Klimawandel und seine wetterbedingten Folgen begrüßt. Es gelte jedoch, keine Zeit mehr zu verlieren, so Holger Frutig (FW). Frank Bernshausen (Grüne) mahnte darüber hinaus zusätzliche Maßnahmen an. Das Regenrückhaltebecken sei sinnvoll, »wird aber für die Zukunft nicht ausreichen«. Und Birgit Kraft (Pro Hungen) regte an, auch Flächen zwischen Villingen und Ruppertsburg zu Überflutungsräumen zu erklären. Diesbezüglich habe man mit Laubach bereits Kontakt aufgenommen, so Wengorsch, und auch kleinere Schutzmaßnahmen im Bereich der Kernstadt seien vorgesehen. TI/FOTO: PM

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