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Großer Bahnhof für den Gast aus Wiesbaden: Staatsminister Tarek Al-Wazir (Mitte) mit Bürgermeister Thomas Benz (l.) und der Ideengeberin für das nun ausgezeichnete Projekt, Renate Becker (r.).

Hoch dotiertes Lob aus Wiesbaden

  • Jonas Wissner
    VonJonas Wissner
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Landeswirtschaftsminster Tarek Al-Wazir hat am Freitag in Allendorf die Initiative »Hand in Hand - neue Altstadt« mit dem Hessischen Innovationspreis geehrt. Auch die mögliche Lumdatalbahn-Reaktivierung spielte am Rande eine Rolle.

Großer Andrang herrschte am Freitagnachmittag in den Straßen der Allendorfer Altstadt, die sonst nur selten belebt wirken. Mit etwas staubedingter Verspätung traf dann gegen 14.30 Uhr auch jener Gast ein, dem die Aufmerksamkeit galt: Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, auch zuständig für Wohnungsbau, hat am Freitag in Allendorf/Lumda einen von drei ersten Preisen im Rahmen des Hessischen Preises für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau an das Vorhaben »Hand in Hand - neue Altstadt Allendorf« verliehen. Übergeben wurde die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung an Bürgermeister Thomas Benz und das Kernteam des Projekts um Renate Becker aus Allendorf.

Ziel der Initiative ist, die Altstadt zu beleben. Mit Unterstützung von Experten wurde ein Konzept erarbeitet, um eine Perspektive für altersgerechtes, generationenübergreifendes Wohnen in den teils großen, aber mitunter nur von wenigen Menschen bewohnten Häusern und den umliegenden Scheunen zwischen Rheingasse, Marktstraße, Kirchstraße und Treiser Straße zu entwickeln. Auch über Energieversorgung, Nachbarschaftshilfe, Mobilität und Unterstützungsangebote wie Tagespflege hat das Team nachgedacht und dabei ein ganzes Quartier in den Blick genommen. Noch sind es Ideen, die der Umsetzung harren, nun ist unter anderem die Gründung einer Genossenschaft als wichtiger Schritt geplant.

Die Lage auf dem Wohnungsmarkt in Hessen sei sehr unterschiedlich, sagte der Minister bei der Preisverleihung: Einerseits gebe es im Rhein-Main-Gebiet »einen unfassbaren Druck noch auf die letzte Hundehütte«, andererseits im ländlichen Raum Ortskern-Lagen, die »untergenutzt« seien. Das Allendorfer Konzept habe die Jury auch wegens des Ziels überzeugt, den Folgen des demografischen Wandels durch ein »Miteinander« zu begegnen. Die Ideen seien geeignet, das Quartier zu beleben. »Jede Stärkung des ländlichen Raums ist super und entlastet auch die Ballungsräume«, so Al-Wazir.

Initiatorin Becker hob hervor, dass fast alle derzeitigen Grundstückseigentümer im Quartier bereit seien, mitzuziehen. Für die schrittweise Umsetzung wird es allerdings unter anderen kräftige Investitionen brauchen. »Ich apelliere an Sie, in unser Vorhaben zu investieren«, wandte sich Becker an den Minister. »Damit gewinnt die fast abgehängte Region im Lumdatal an Bedeutung. Es ist Ihre grüne Vorlage - vielleicht auch mit einer wasserstoffbetriebenen Lumdatalbahn.« Als Geschenk erhielt der Gast noch eine Allendorfer »Bärtzekapp« im Kleinformat. »Renate Becker hat etwas angestoßen, das hoffentlich keiner mehr aufhält«, lobte Benz. Er sicherte für den weiteren Weg seine Unterstützung zu, »mit allen Kräften, die ich habe«. Eine Zusage, die das Initiatorenteam sicher in Erinnerung behalten wird.

Direkt nach seiner Ankunft hatte Al-Wazir zu Fuß eine Runde durch die Altstadt gedreht. Mit einigen Anwohnern kam er kurz ins Gespräch, ließ sich die Pläne erläutern. Viele suchten die Nähe des Grünen-Politikers, der danach noch als Fotomotiv gefragt war. Wer weiß, wann mal wieder ein Minister nach Allendorf kommt.

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