Außergewöhnliche Kundenberatung im Weltladen mit Bürgermeister Frank Ide, Marianne Renz und Dekan Norbert Heide (von rechts). FOTO: TB
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Außergewöhnliche Kundenberatung im Weltladen mit Bürgermeister Frank Ide, Marianne Renz und Dekan Norbert Heide (von rechts). FOTO: TB

"Hilferuf" aus der Rabegasse

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Grünberg(tb). Ein Dutzend ehrenamtliche Helfer stehen Tag für Tag hinterm Tresen des "Weltladens" in der Grünberger Rabegasse. "Acht von ihnen sind schon seit Anfang an dabei", weiß Marianne Renz. Was sie zu erwähnen vergisst: Auch sie selbst gehört zu diesen Frauen und Männern der ersten Stunde.

Eröffnet wurde der Weltladen 2013; auf dass nun 2020 nicht zum "verflixten siebten Jahr" werde, braucht der Trägerverein dringend neue Helfer. Zuletzt nämlich hatte man einige Abgänge altgedienter Kollegen zu verkraften.

Lokale Prominenz hinterm Tresen

Der Gründe für den "Personalmangel" aber sind viele: Renz verweist etwa auf die Kollegin, deren neue Arbeitszeiten nicht mehr mit dem Ladendienst vereinbar sind. Und grundsätzlich auf die große Zahl an "Mitbewerbern" in Grünberg, wenn es um ehrenamtliches Engagement geht. Vereine, die Tafel und kirchliche Einrichtungen seien hier nur genannt.

"Vielleicht haben manche auch Respekt vor der Herausforderung einer kaufmännischen Arbeit oder vor der Zahl von gut 1000 Artikeln", so Renz. Doch dafür bestehe kein Grund, denn: "Das lernt sich. Zumal die meisten Produkte ein ›Gesicht‹ haben." Heißt: Auf den Verpackungen finden sich fast immer Infos über die Herkunft und die fairen Produktionsbedingungen.

Marianne Renz übrigens ist die "Keimzelle" des gerechten Handels in Grünberg. Schon lange vor der Zertifizierung als "Fair Trade Town" 2011 - erst jüngst wieder bestätigt - organisierte sie im evangelischen Gemeindehaus Lumda den Verkauf von Waren aus der sogenannten Dritten Welt. Immer von Lieferanten, die den Kleinbauern oder Handwerkern einen auskömmlichen, gerechten Preis zahlen.

Um für ein Engagement im "Weltladen" zu werben, stellte sich soeben lokale Prominenz in den Dienst der guten Sache. Bürgermeister Frank Ide und Norbert Heide, Dekan des evangelischen Dekanats Grünberg, standen für zwei Stunden hinter die Kasse und für Fragen der Einkäufer zur Verfügung. Beide dürften danach die Worte ihrer "Chefin" bestätigen: Die Kundschaft, die sich hier mit Kaffee aus Nicaragua, Hausschuhen aus Nepal (mit roten Bommeln dran!) oder Solarleuchten aus Südafrika versorgt, ist sehr entspannt.

Und entsprechend auch der Ladendienst. Keineswegs bedarf es dafür also einer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau oder gar zum Buchhalter. Zumal die Kolleginnen und Kollegen für eine Einarbeitung sorgen. Einstellungsvoraussetzung ist einzig die Bereitschaft zum Ehrenamt, muss der Verein doch einen "kostendeckenden Rohgewinn" erzielen, wie Renz anmerkte. Was sich die Vorsitzende des gemeinnützigen Trägervereins neben dem Mehr an "Manpower" (egal welchen Geschlechts) sonst noch wünscht? Eine Ausweitung des Angebots, über die bereits 21 Produktgruppen hinaus, wäre nicht schlecht. Fair produzierte und gehandelte Kleidung vor allem. Freilich gestalte sich hier der Einkauf schwierig, auch mangele es im Laden in der Rabegasse 14 etwas an Platz.

Wer Interesse an einer Mitarbeit im Weltladen hat, schaut vorbei oder meldet sich unter Tel. 0 64 01/22 87 133.

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