Sonst herrscht vor Bühnen dichtes Gedränge. Mit den Corona-Auflagen hat sich das Bild geändert. Das spüren Künstler wie Veranstalter. Der Landkreis Gießen sagt da jetzt Unterstützung zu. ARCHIVFOTO: SE
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Sonst herrscht vor Bühnen dichtes Gedränge. Mit den Corona-Auflagen hat sich das Bild geändert. Das spüren Künstler wie Veranstalter. Der Landkreis Gießen sagt da jetzt Unterstützung zu. ARCHIVFOTO: SE

Hilfen für Künstler in Not

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Künstler, die durch coronabedingte Einbußen in Not geraten, erhalten künftig vom Landkreis Gießen Unterstützung. Der Kreistag stellt dafür über 100 000 Euro zur Verfügung.

Insgesamt 117 000 Euro stellt der Landkreis Gießen bereit, um Künstler respektive Veranstalter zu unterstützen, die durch Corona in Not geraten sind. Nach eingehenden Beratungen in den vergangenen Tagen ist dies am Montag im Kreistag auf gemeinsamen Antrag von SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und der Gießener Linken sowie dem Kreistagsabgeordneten Thomas Jochimsthal beschlossen worden. Ausdrücklich begrüßt wird dies auch von der Fraktion der Freien Wähler, die zwar nicht mit zu den Initiatoren gehört, aber einhellig zustimmte. "Gut dass der Austausch so war, dass etwas Gutes dabei herauskommt", sagte FW-Fraktionsvorsitzender Günter Semmler.

"Wenn wir jetzt nicht handeln, dann wird es ein trauriger Herbst", sagt die Co-Vorsitzende der SPD-Fraktion, Sabine Scheele-Brenne. Denn die Menschen gierten derzeit nach Kultur. Kulturförderung sei letztlich Wirtschaftsförderung, warb sie um Zustimmung. CDU-Fraktionsvorsitzender Claus Spandau zeigte sich erfreut, dass die Kreispolitik es hinbekommen habe, schnell handeln zu können. Dennis Pucher (FDP) lenkte das Augenmerk zudem auf die Gastronomie. Man dürfe nicht vergessen, dass auch diese Branche leide.

Die 117 000 Euro, die zur Förderung von öffentlichen Kulturveranstaltungen im Landkreis Gießen verwendet werden sollen, stammen aus dem Fonds der aufgelösten Gesellschaft "Regio Mit".

Die Idee ist, die Fördermittel unbürokratisch nach Antragstellung durch den Veranstalter auszuzahlen. Die Höhe ist gedeckelt: Die Förderung beträgt das 1,5-fache des Künstlerhonorars, aber höchstens 500 Euro.

Die Förderung kann dann gewährt werden, wenn an der Veranstaltung mindestens ein Künstler beteiligt ist, der damit ganz oder teilweise seinen Lebensunterhalt bestreitet. Weitere Voraussetzung: Die Veranstaltung erfährt coronabedingte Einschränkungen und die Durchführung entspricht den geltenden coronabedingten Hygieneregelungen.

Einzelheiten werden in einer Förderrichtlinie festgelegt, die vom Kreis noch erarbeitet wird - etwa, dass die Anzahl von Förderanträgen pro Veranstalter begrenzt werden kann.

Die Fraktionen wollen zudem dargelegt bekommen, wer Zuwendungen erhalten hat.

Einzig die AfD-Fraktion lehnte diese Art der Kulturförderung ab. An der Aussprache im Kreistag beteiligte sich die AfD nicht. Im Nachgang legte Fraktionsvorsitzender Karl Heinz Reitz am gestrigen Dienstag die Gründe für die Ablehnung dar: Es werde ohne Not "mit der Gießkanne" Geld über eine nicht genau definierbare Personengruppe ausgeschüttet, so die Befürchtung. Zudem sieht die AfD dafür "eine unnötige Bürokratie im Landratsamt eingerichtet". Das nun einsetzende "Windhundverfahren", so Reitz, werde zu zahlreichen Verwerfungen, Ungerechtigkeiten und ggf. sogar zu Klagen führen. "Am Ende wird Geld, das mit hoher Wahrscheinlichkeit im kommenden Haushalt dringend gebraucht wird, ziemlich sinnlos ausgegeben worden sein", schreibt der Fraktionsvorsitzende.

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