Hilfe ist da, aber kommt sie an?

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
    schließen

Die Hilfsbereitschaft während der Corona-Krise war groß. Aber kommt die Hilfe bei denen, die sie wirklich brauchen, auch an? Über diese Frage wurde in Lich kontrovers diskutiert.

Über 50 Freiwillige wollten alten Menschen und anderen Angehörigen von Risikogruppen in Lich in der Corona-Krise bei Besorgungen zur Seite stehen. Jedoch: "Die Hilfe wurde gar nicht so oft nachgefragt", berichtete Dr. Christiane Solms, die Vorsitzende des DRK Lich, am Mittwoch dem Haupt- und Finanzausschuss, der erneut als "Notparlament" tagte. Solms, die die Helferliste "sehr unbürokratisch" gemeinsam mit den Kirchen und anderen Vereinen zusammen gestellt hatte, sieht das positiv. In Lich scheine die Unterstützung durch Familie und Nachbarn zu funktionieren. "Wir haben hier keine anonymen Verhältnisse."

Die Grünen allerdings gehen von zusätzlichem Handlungsbedarf aus. "Das Angebot ist an manchen Menschen vorbei gelaufen", sagte Armin Neumann. Es brauche weitere Bemühungen, um Bedarf und Helfer zusammen zu bringen. Deshalb beantragten die Grünen die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die die Bedürfnisse der in Lich lebenden Senioren ermittelt, um im Bedarfsfall schnelle und adäquate Hilfe und Unterstützung sicherzustellen. "Die zweite Welle wird kommen", zeigte sich Neumann, von Beruf Allgemeinmediziner, überzeugt. Um es vorwegzunehmen: Der Antrag wurde mit breiter Mehrheit bei Enthaltung der Freien Wähler abgelehnt. Der Abstimmung ging eine mit einiger Schärfe geführte Diskussion voraus.

Bürgermeister Julien Neubert bedankte sich beim DRK und allen anderen Helfern für die Zusammenarbeit, die sofort funktioniert habe. "Isolation im Alter ist ein Riesenproblem, das ist mir bewusst." Dank der Kontakte zum Beispiel des Seniorenbeirats, des VdK und der AWO bekomme man aber wichtige Hinweise. "Diese spontanen Impulse waren hilfreich", sagte er. "Alle werden wir aber nicht kriegen." "70 Prozent Versorgung sind mir zuwenig", hielt ihm Grünen-Sprecher Neumann entgegen. Für eine zweite Welle sollte man vorbereitet sein. In der Verwaltung fehle die Kapazität, um auf die Hilfs- bedürftigen aktiv zuzugehen. Eine Telefonnummer zu veröffentlichen und dann abzuwarten, bis sich jemand melde, reiche nicht.

Ronald Köhler (SPD) hielt den Antrag dagegen für überflüssig: "Es gibt einen Verwaltungsstab und Koordination, wir sehen keinen Handlungsbedarf." Und auch der Bürgermeister konnte dem Grünen-Vorschlag wenig abgewinnen. "Ich will 120 Prozent und aufsuchende Sozialarbeit. Aber wie soll das laufen, wenn wir eine Arbeitsgruppe bilden?" Diese Frage stellten sich auch Josef Benner (FW) und Markus Pompalla (CDU): Wie kommt die AG an die Leute, die sie abtelefonieren soll?

Helmut Jachimsky (FDP) schlug vor, künftig Ärzte und Apotheker mit ins Boot zu holen. Die DRK-Vorsitzende griff diesen Vorschlag auf und berichtete zudem von einem weiteren Projekt des Roten Kreuzes in Lich. Wenn es die Verhältnisse wieder zulassen, soll es ein neues Kontaktangebot für Senioren geben: einen regelmäßigen Mittagstisch, wie es ihn schon in manchen Ortsteilen gibt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare