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Hightech und Handwerk

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Ein großes, helles Büro mit mehreren Computerarbeitsplätzen und hellen, freundlichen Möbeln überraschte uns Schüler der Agnes-Neuhaus-Schule, als wir vor Kurzem im Rahmen unseres Zeitungsprojektes die Schreinerei Kaminski in Gießen besuchten.

SCHÜLER DER 7./8. KLASSE

Unter einer Schreinerei stellten wir uns eine kleine Holzwerkstatt vor, in der ein Tisch oder Stuhl gefertigt wird. Ganz anders schien es zunächst bei Steven Kaminski zu sein, der sich trotz seines vollen Terminkalenders viel Zeit für unsere Fragen nahm und uns durch seine Werkstatt führte. Da waren zunächst die großen Fenster, die hier angefertigt werden. Diese waren nicht aus Holz, sondern aus Kunststoff. Die Kunden verlangen mehr Kunststofffenster, da diese meist kostengünstiger und pflegeleichter sind als hochwertige Holzfenster. Dann ging es weiter durch die Werkstatt und plötzlich war er da, der Geruch von Holz. Sägespäne lagen auf dem Boden und Mitarbeiter bearbeiteten ein Stück Holz. Doch auch hier sahen wir modernste Maschinen, die dem Schreiner eine passgenaue Möbelanfertigung ermöglichen. Es wurde laut, als Herr Kaminski das Können seiner CNC-Maschine präsentierte. Eine Holzplatte wurde befestigt und in kürzester Zeit fräste und bohrte die Maschine alles so genau passend, dass später daraus ein Möbelstück zusammengesetzt werden kann. Anschließend ging es zurück in das Büro von Herrn Kaminski. Hier stellte sich der junge Unternehmer unseren Fragen.

Die Schreinerei Kaminski gibt es seit über 100 Jahren. Sie sind doch nicht 100 Jahre alt. Wie kann das sein?

Steven Kaminski: (lacht) Nein, ich bin nicht über 100 Jahre alt. Ich habe vor 5 Jahren die Schreinerei Schneider übernommen. Dies war eine Schreinerei, die über drei Generationen geführt wurde.

Wussten Sie sofort, dass Sie Schreiner werden wollten?

Kaminski: Ja! Ich wusste sofort, dass ich Schreiner werden möchte. Ich habe in der Schreinerei Schneider ein Praktikum gemacht. Es stand für mich fest, dass ich in diesem Beruf arbeiten möchte. Das zweite Praktikum bei der Polizei habe ich nur gemacht, weil meine Klassenkameraden auch dort waren. Mit 16 Jahren habe ich meine Ausbildung als Schreiner in der Schreinerei Schneider begonnen. Nach meiner Ausbildung habe ich meinen Meister gemacht und 2014 habe ich die Schreinerei Schneider gekauft.

Wie hat sich die Schreinerei von früher zu heute verändert?

Kaminski: Früher wurden in der Schreinerei hauptsächlich Stühle, Tische und Fenster gefertigt und dies alles mit der Hand. Heute werden moderne Maschinen eingesetzt und vieles ist digitalisiert. Gute Computerkenntnisse sind wichtig. Damals gab es noch in jedem Dorf eine Schreinerei und die Aufträge blieben auch im Ort. Heute kommen die Aufträge auch aus anderen Städten und Regionen.

Welche Maschinen werden in der Schreinerei genutzt?

Kaminski: Eine der wichtigsten Maschinen, die wir nutzen, ist die CNC-Maschine. Sie ist computergesteuert und arbeitet sehr genau. Aber auch die Kreissäge und die Tischfräse kommen häufig zum Einsatz.

Wie läuft die Ausbildung als Schreiner ab?

Kaminski: Der Hauptschulabschluss ist die Mindestanforderung und ich schaue auch genau auf das Zeugnis. Die Ausbildung ist nicht einfach, denn man muss sich mit Exceltabellen, CAD-Programmen und auch mit Mathematik auskennen. Ein gutes technisches Verständnis und vor allem Interesse am Beruf sind sehr wichtig. Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Die Ausbildung kann auch auf 2,5 Jahre verkürzt werden, wenn die Auszubildenden z. B. schon ein Fachabitur haben. An 4 Tagen arbeiten die Azubis in der Schreinerei und an einem Tag in der Woche sind sie in der Schule.

Ist es schwierig, Auszubildende zu finden?

Kaminski: Ja! An Bewerbungen mangelt es nicht, aber viele Bewerber sind ungeeignet. Ich merke oft, dass Eltern oder Lehrer die Bewerbungen schreiben und die Jugendlichen im Bewerbungsgespräch sehr viele Grundlagen nicht kennen. Viele haben auch kein wirkliches Interesse.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?

Kaminski: Als Schreiner gefällt mir die Arbeit mit Holz. Der Holzgeruch in der Nase ist herrlich. Schon im Werkunterricht in der Schule habe ich gerne mit Holz gearbeitet. Leider verbringe ich jetzt hauptsächlich meine Zeit im Büro und vermisse die Werkstatt.

Was war das Außergewöhnlichste, das in Ihrer Schreinerei gefertigt wurde?

Kaminski: Wir haben mal von einem Kunden eine Badewanne bekommen und diese zu einer Couch umgebaut. Diese stand bei den Gießen 46ers sogar in der VIP-Lounge.

Und was war Ihr Meisterstück?

Kaminski: Das ist ein Schreibtisch, für den ich 2010 sogar einen Designpreis bekommen habe. Dieser ist aus Makassar-Holz und daher auch sehr teuer. Das Holz ist sehr hart und beim Bearbeiten des Holzes bekam ich Nasenbluten, weil das Holz die Schleimhäute reizt. Der Tisch wiegt 350 kg und hat einen Wert von über 20 000 Euro, weil er aus diesem besonderen Holz ist und viel Arbeit darin stecken.

Arbeiten Sie auch am Wochenende?

Kaminski: Gedanklich bin ich 7 Tage die Woche am Arbeiten, aber anwesend nur Montag bis Samstag. Da kommen 60-70 Stunden die Woche zusammen. Die Mitarbeiter haben eine 40-Stunden-Woche. Hier und da mal ein paar Überstunden.

Wenn Geld keine Rolle spielen würde, was würden Sie sich schreinern?

Kaminski: Oh, das ist eine schwierige Frage. Ich habe ja eigentlich schon alles. Ich würde mir wahrscheinlich wieder ein Möbelstück aus Ebenholz oder aus Mooreiche fertigen.

Stellen Sie auch Holzspielzeug her?

Kaminski: Nein eigentlich nicht. Für mein Kind habe ich ein Holzspielzeug gebaut. Wenn Kunden aber den Wunsch hätten, könnten wir es sicherlich.

Hat Sie beim Bearbeiten des Holzes schon einmal ein Holzwurm angeschaut?

Kaminski: (lacht) Nein, die Hölzer sind wurmfrei und getrocknet.

Am Ende führt uns Herr Kaminski noch in eine alte, kleine Scheune. Versteckt hinter Kisten zeigt er uns seinen Schatz, der sicherlich einen schöneren Platz als diesen verdient hätte. Es ist sein Meisterstück. Der Schreibtisch aus Makassar-Holz, eine der wertvollsten Holzarten, die es gibt. 350 kg schwer ist er und von Hand gefertigt. Ohne die Hilfe von modernsten Maschinen.

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