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In Fellingshausen haben die Anwohner der Straße »Hohlgarten« bereits vor zwei Jahren Bedenken dargelegt, um nicht weiter mit Verkehr belastet zu werden. ARCHIVFOTO: M

Hier wird Biebertal wachsen

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Frühestens Ende 2022, vielleicht etwas später, kann mit der Bebauung des neuen Wohnviertels »Dreispitz III« in Fellingshausen begonnen werden. Die Weichen sind gestellt. An Details ist zu feilen.

Kurz vor Weihnachten wurde von der Gemeinde Biebertal der Erschließungsvertrag für die nächste große Siedlungserweiterung in Biebertal mit dem Lahnauer Unternehmen Weimer Bau unterzeichnet. Der vorangegangene Beschluss der Gemeindevertretung war einstimmig. Der im November vorgelegte Zeitplan sieht vor, dass dieses Jahr für Schallgutachten, Verkehrsplanung, Bodengutachten, Vermessungen etc. genutzt wird, um dann 2022 mit der Erschließung und 2023 mit der Vermarktung zu beginnen.

Weimer als Partner der Gemeinde besorgt das Bebauungsplanverfahren, den Ankauf der Grundstücke, die Umlegung und den Landtausch sowie im folgenden Erschließung und Vermarktung.

Allein die Zahlen sind imposant. Knapp vier Hektar sollen erschlossen und baureif vermarktet werden, 2,8 Hektar nördlich der Straße nach Bieber, im Anschluss an das bisherige Dreispitz-Viertel, sowie weitere 1,2 Hektar südlich der Straße. Geplant sind rund 50 Bauplätze unterschiedlicher Größe, auch für sozialen Wohnraum. Als im Herbst der Vertrag mit dem Erschließungsträger auf dem Tisch lag, wurden da als Eckpunkte sogar bis zu 172 Wohneinheiten genannt. Bis zu 70 Einfamilienhäuser, 12 Doppelhaushälften und bis zum 80 Wohnungen in Reihen- und Mehrfamilienhäusern. Im Rathaus spricht man von einer »funktionalen und flexiblen Gebietsentwicklung«. Wie sich dies ausgestaltet, müssen weitere Klärungen in den kommenden Monaten bringen. Denn es ist für das Großprojekt noch ein Bebauungsplan erstellen zu lassen. Darin wird geregelt, was sein soll, was sein darf, - und was eben nicht.

Nachfragen aus dem Dorf

Derweil kommen aus dem Dorf Nachfragen ob der Dimension des Vorhabens, ob der schieren Größe des Gebietes und der möglichen Mehrfamilienhäuser. Und Fragen nach den Folgen für die dörfliche Infrastruktur. Denn der Kindergarten, so wie er jetzt vorhanden ist, verkraftet keinen weiteren Zuwachs. Ein neuer Kindergarten war in den ersten Entwürfen noch nicht zu sehen. Auch die Grundschule ist da in den Blick zu nehmen. Und was ist mit der Trinkwasserversorgung? In den letzten Jahren wurde während der trockenen Sommer die Gewinnung in den Brunnen in den Blick genommen - können da binnen weniger Jahre einige hundert Einwohner mehr verkraftet werden? Wie ist die zusätzliche Versiegelung von Fläche zu bewerten? Landwirtschaftliche Fläche geht immerhin unwiederbringlich verloren. Und was ist mit der Sozialstruktur des Dorfes, das zwar zweitgrößter Biebertaler Ortsteil ist, aber bislang nurmehr weniger als 1800 Einwohner zählt? Wird der dörfliche Charakter gewahrt? Nicht zuletzt ist die Frage der Verkehrserschließung genau zu betrachten. Da hat es bereits 2018 aus dem Fellingshäuser Hohlgarten Nachfragen gegeben. Die Anwohner dort wollen nicht mit weiterem Verkehr belastet werden. Erschlossen werden könnte das Gebiet, so die ersten Überlegungen, Stand November, über zwei Stichstraßen vom bisherigen Wohnviertel Dreispitz aus und/oder von der Kreisstraße her.

Einige der aufgeworfenen Fragen sind vor der Entscheidung vor wenigen Monaten bereits im Grundsatz beantwortet worden. Andere bedürfen in dem kommenden Planungsprozess der vertiefenden Betrachtung und der Erörterung in den kommunalen Gremien. Die werden im März neu gewählt und haben dies als eine der ersten Aufgaben vor sich. Denn die jetzige Gemeindevertretung hat dies nicht präzisiert Wenn die Pandemie es zulässt, kann dies auch der öffentlichen Darlegung und Diskussion in einer Bürgerversammlung bedürfen.

Die SPD hatte im Herbst bereits die sozial-ökologische Ausrichtung der Dreispitz-Planung begrüßt, ebenso die anderen Fraktionen.

Wobei klar ist: In der Gemeinde ist die Nachfrage nach Wohnbauland und Wohnraum gegeben. Die Liste der Bauinteressenten, die im Rathaus vorliegt, umfasst rund 200 Anfragen. In einem nächsten Schritt soll durch den Investor geklärt werden, wie die Flächen verfügbar sind. Zudem soll der Bebauungsplan vorangetrieben werden, heißt es aus dem Rathaus. Bei der Vergabe der Baugrundstücke soll die Firma Weimer zunächst auf die Warteliste der Gemeinde Biebertal zurückgreifen.

Bauland und Wohnungen gefragt

Für den in der Aktualisierung befindlichen Regionalplan Mittelhessen hat Biebertal Bedarf an Wohnraum und Siedlungsflächen angemeldet - im Blick sind potenzielle Bauflächen am Schafsweg in Rodheim, am Mückenstrauch in Königsberg und im Starenweg in Krumbach, eine Siedlungserweiterung am Ostrand von Frankenbach sowie weitere kleine Arrondierungen. Um junge Familien zu halten und weitere zu gewinnen. Seit 2011 sind in den Biebertal-Dörfern mehr als 250 neue Häuser und Wohnungen entstanden, wie eine Übersicht 2018 gezeigt hat. Was von den Ideen über die Dreispitz hinaus vorangetrieben werden kann, wird die Zukunft weisen.

Das geplante Baugebiet »Dreispitz III« in Fellingshausen.

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