Hier ländlich - da urban

  • Rüdiger Soßdorf
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Gießen(so). Gießen, Marburg und Wetzlar sind Oberzentren. Ganz klar aufgrund ihrer Größe und ihrer Funktion fürs Umland.

Aber warum ist Heuchelheim Unterzentrum? Und warum sind Grünberg. Laubach, Hungen und Lich Mittelzentren? Vor allem aber: Was bedeutet diese Einstufung ganz praktisch für die jeweilige Kommune? Die Kriterien dafür sollen im neuen Regionalplan für Mittelhessen festgeschrieben werden, der seit Monaten in Arbeit ist und wohl im kommenden Jahr in Gänze vorgelegt wird. In Abstimmung mit der Landesentwicklungsplanung soll der Regionalplan einen Geltungshorizont von zehn Jahren haben.

Der Haupt- und Finanzausschuss der Regionalversammlung Mittelhessen hat dazu in dieser Woche die Fragen der Raumstruktur und das Prinzip der zentralen Orte auf der Tagesordnung gehabt.

Grundlage ist die Karte oben, die deutlich zeigt, dass es rund um die Städte hochverdichtete Räume gibt, aber eben im Vogelsbergkreis oder in Richtung Hinterland ganz klar dünn besiedelte ländliche Gegenden.

Blickt man auf den Landkreis Gießen, so zeigt sich da deutlich der "Speckgürtel" rund um die Stadt Gießen, in dem deutlich mehr Menschen leben. Je weiter nach Norden respektive Osten es geht, desto ländlicher wird es.

Verkehrsachsen und Entwicklungsachsen

Ganz grob orientieren sich an der Verdichtung auch die regional bedeutsamen Verkehrs- und Entwicklungsachsen: Legt man die Verkehrsverbindungen zugrunde, blickt man da etwa auf die A 5 und die A 45, die B 3 Gießen-Marburg und die B 49 Gießen-Wetzlar-Limburg.

Die Kategorisierungen der Kommunen sollen künftig differenzierter sein als bislang: Auf unterster Ebene gibt es dann sogenannte Grundzentren, die sich in Unter- und Kleinzentren unterscheiden. Unterzentren sollen überörtlich bedeutsame Einrichtungen haben: Weiterführende Schulen bis zur Klasse 10 etwa, ein Hallenbad, vielleicht Fachärzte oder einen Bahnhaltepunkt. Zudem sollen sie wenigstens 3000 Einwohner zählen und grundsätzlich auf jeden Fall bieten: Supermarkt, Grundschule und Kindergarten, Hausärzte.

Grundsätzliche Idee: Dass die Kommunen jeweils einen zentralen Ortsteil ausweisen, nur in Ausnahmefällen auch zwei. Dort soll die Gemeindeverwaltung sitzen, dort sollen die zentralen Einrichtungen wie eben Schulen, Einkaufsmärkte etc. sein. Dazu wurden in den Jahren 2018 und 2019 die Städte und Gemeinden vom Regierungspräsidium befragt.

Von Bedeutung werden das Zentrale-Orte-Prinzip und die Einstufung dann, wenn es um die Ausweisung von Wohn- oder Gewerbeflächen geht. Denn die jeweils zentralen Orte sollen gestärkt werden. Und nicht jedes Gewerbe, nicht jede Industrie soll nach Gusto einer Kommune angesiedelt werden. Bestimmte Größen werden bestimmten Zentren zugeordnet.

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