Kunst an der frischen Luft: Auf dieser Wiese am Ortsrand von Freienseen wird Josef Krahforst am Freitag und Samstag zahlreiche Bilder präsentieren. FOTO: LKL
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Kunst an der frischen Luft: Auf dieser Wiese am Ortsrand von Freienseen wird Josef Krahforst am Freitag und Samstag zahlreiche Bilder präsentieren. FOTO: LKL

Auf der Heuwiese vor dem Dorfe

  • vonLena Karber
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Frische Luft statt schickes Atelier: Am Freitag und Samstag präsentiert der Laubacher Maler Josef Krahforst seine Bilder wegen Corona unter ganz speziellen Bedingungen. Seine Ausstellung "Vor dem Dorfe" findet am Ortsrand von Freienseen statt - auf einer Heuwiese.

Wie er auf die Idee gekommen ist, weiß Josef Krahforst gar nicht so mehr genau. "Ich habe schon immer auch mal an ungewöhnlichen Plätzen ausgestellt", sagt der Maler. In Rohbauten etwa oder aber in Abbruchhäusern. Nun hat Krahforst auch angesichts der Corona-Pandemie eine weitere Möglichkeit gefunden, seine Bilder zu präsentieren. Er blickt sich um. "Normalerweise mache ich hier jedes Jahr mit einem Freund Heu", sagt er und zeigt auf die Wiese. Hier, am Ortsrand von Freienseen, wird am Freitag und am Samstag seine Ausstellung mit dem passenden Titel "Vor dem Dorfe" zu sehen sein.

Für Krahforst ist es die erste Ausstellung seit dem Ausbruch der Pandemie. Verschiedene Veranstaltungen und auch zwei Messen, bei denen er seine Werke zeigen wollte, wurden in der Zwischenzeit abgesagt. Zudem entfiel sein Lehrauftrag an der Gallusschule in Grünberg. "Dort arbeite ich mit Kindern, die alle in irgendeiner Form Besonderheiten haben", erzählt der Laubacher.

Das kreative Potenzial aus den Kindern herauszukitzeln, macht Krahforst Spaß. Zudem ist die Tätigkeit für den freischaffenden Künstler ein wichtiges Zubrot, das durch Corona nun plötzlich wegfiel. Eine schwierige Situation - und ein Thema, das nach Ansicht des Malers gesellschaftlich zu wenig Beachtung findet. Über die Probleme von Künstlern aus anderen Bereichen sei viel gesprochen worden, sagt er. "Aber über die Maler sagt kein Mensch ein Wort." Krahforsts Erklärung dafür: "Maler sind Individualisten, und Maler sind auch still."

Krahfrost hat sich daher um eine größere Aufmerksamkeit für die Berufsgruppe bemüht, indem er den Hessischen Rundfunk kontaktierte und auch prompt in einem HR2-Radio-Beitrag zu Wort kam. Er habe für das Thema sensibilsiert, sagt er. "Und dafür, dass wir als Gesellschaft immer da zuerst getroffen werden, wo es um Kultur geht."

Dabei ist Kunst für Krahforst, der sich auch für Literatur und Musik interessiert, etwas Elementares. Er spricht von Kreativität, Selbstentdeckung und Zufriedenheit.

"Ich weiß, dass das Malen etwas mit Menschen macht", sagt er. Im modernen Alltag seien die meisten stets auf eine bestimmte Tätigkeit fokussiert, hätten wenig Zeit. Durch das Malen würden sie lernen, links und rechts zu sehen und Dinge auch wirklich zu erkennen. "Sie sehen mehr."

Damit meint Krahforst alltägliche, aber für unser Leben so grundlegende Dinge wie Insekten, Gräser oder Bäume. Wie sind sie aufgebaut, welche Sorten wachsen hier? "Als Maler kann ich es mir erlauben, das alles zu wissen und muss es sogar", sagt er. "Mein ganzes Malen ist Natur." Sie ist die Grundlage, egal wie abstrakt die Bilder am Ende aussehen mögen.

Die Zeit, die Krahforst durch die Corona-Pandemie plötzlich mehr hatte, hat er als Geschenk empfunden. So konnte er acht Stunden am Tag im Atelier verbringen und malen. "Wenn man viel arbeitet, kommt man in einen Fluss", sagt Krahforst. Einige der Bilder, die in dieser Zeit entstanden sind, wird er im Rahmen der Ausstellung "Vor dem Dorfe" präsentieren.

In zwei Autoladungen will Krahforst aktuelle und auch ältere Werke am Freitag auf die Wiese transportieren. Abends wird dann alles abgebaut und am Samstag folgt das gleiche Spiel noch einmal. Doch was, wenn es regnet? Krahforst zuckt mit den Achseln. Sollte das Wetter richtig schlecht sein, kann die Ausstellung nicht stattfinden. "Aber davon gehe ich einfach mal nicht aus", sagt er, räumt aber auch ein, dass ein Restrisiko bleibe.

Auch die Kalkulation der Anzahl der Besucher sei bei einer Ausstellung auf der Heuwiese schwieriger. Bei Ateliers wisse man in der Regel, wie viele Gäste kommen. Diesmal sei das hingegen eine große Überraschung.

Immerhin gilt das erhöhte Risiko nur in organisatorischer und nicht in finanzieller Hinsicht. Denn die Heuwiese wie auch die Bauzäune, an denen die Bilder befestigt werden, und weitere Materialien bekommt der Künstler von der Firma Hofmann und Papst kostenfrei zur Verfügung gestellt. Für Krahforst, der in der Vergangenheit bereits Ausstellungen in der Schule seines Heimatortes hatte, ist das eine prima Sache. "Da, wo man wohnt", sagt er, "kann man sich auch zeigen."

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