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Steffen Rinn erklärt den Produktionsvorgang in der Maschinenhalle.

Zigarren, Kameras und mehr

  • VonConstantin Hoppe
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Heuchelheim (con). Einblicke in ein Stück heimische Industriekultur: Die Tabakwarenhersteller Rinn & Cloos prägten im vergangenen Jahrhundert nicht nur Heuchelheim, sondern auch die gesamte Region und darüber hinaus. Gegründet 1895 von Ludwig Rinn in Heuchelheim, entwickelte sich die Firma von den 1920er Jahren bis in die 1950er Jahre zum größten Zigarren-, Zigarillo- und Tabakwarenhersteller Deutschlands und zählte zeitweilig über 5000 Mitarbeiter.

1991 wurde die Firma schließlich geschlossen.

Doch schon drei Jahre später gründete Steffen Rinn - der Enkel des Unternehmensgründers Ludwig Rinn - die Firma Don Stefano und setzte damit die Geschichte der Tabakherstellung im Gießener Land fort. Eben jener Steffen Rinn begrüßte am gestrigen Sonntag die Besucher zum Tag der offenen Tür im Rahmen der Tage der Industriekultur des Regionalmanagements Mittelhessen im »Rinn & Cloos-Carré« in Heuchelheim.

Interessierte konnten an diesem Tag Einblicke in die Historie des Unternehmens und des Gebäudes erhalten sowie sich über die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen informieren.

Die Zigarrenherstellung hat dort immer noch ihren Platz. Die unterschiedlichsten Tabaksorten sowie die Produktionsabläufe und -maschinen in der letzten Zigarrenmanufaktur Hessens stellte Steffen Rinn den Besuchern vor und beschrieb dabei den Weg von der Anpflanzung - sei es in Kuba oder eine der letzten Tabaksorten, die noch in der Pfalz angebaut werden - über die Transportwege bis in die Manufaktur.

Die zahlreichen Maschinen im Obergeschoss der Fabrik zeigen, wie viele verschiedene Sorten von Zigarren und Zigarillos dort hergestellt werden: Denn jede Länge oder Dicke braucht eine eigene Maschine. »Jüngere sind oft der Meinung, dass handgemachte Zigarren einfach besser sind. Das muss aber nicht so sein. Es kommt viel mehr auf den richtigen Tabak und die richtige Technik an, ob die Qualität einer Zigarre gut ist oder nicht«, sagte Rinn in der Produktionshalle.

Aber schon seit langem gibt es dort nicht nur Zigarren, weitere Mieter haben in dem Rinn & Cloos-Gebäude eine Unterkunft gefunden. Unter anderem befindet sich auch die ehemalige Produktionsstätte des Kameraherstellers Minox in Heuchelheim, bekannt für die Herstellung von Spionagekameras - ein Exemplar nutzte James Bond im Film »Im Geheimdienst Ihrer Majestät« aus dem Jahre 1969. Die Kameras wurden über viele Jahre hinweg auf dem Gelände produziert.

Weitere Mieter öffneten ihre Pforten, boten Aktionen an, und es gab Ausstellungen. Darunter die Bilderschau »Nomaden des guten Lebens« von Fotografin Katrina Friese, die Einblicke in die von ihr gesammelten Geschichten der vergangenen Jahre ermöglichte. Schon lange trifft sie Menschen die ein »gutes Leben« führen, fotografiert diese und sammelt ihre Geschichten. Bei mehreren Gelegenheiten stellte Friese über den Tag hinweg in ihrer Ausstellung diese Geschichten vor.

Auf dem Hof des Geländes sorgten währenddessen Musiker sowie Unterhaltungsprogramme für Abwechslung bei den Gästen.

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