80 Semester Englisch: Der 89-jährige Werner Kröck (vorne links) besucht seit rund 40 Jahren einen Sprachkurs der Volkshochschule in Heuchelheim. Gisela Schütz (Zweite von links) und Annette von Bischoffshausen (vorne rechts) sind ebenfalls schon viele Jahre dabei. Zum Jahresabschluss trifft sich der Kurs einmal nicht im Seminarraum, sondern in der Stadtinsel in der Gießener Schützenstraße. FOTO: FRIEDRICH
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80 Semester Englisch: Der 89-jährige Werner Kröck (vorne links) besucht seit rund 40 Jahren einen Sprachkurs der Volkshochschule in Heuchelheim. Gisela Schütz (Zweite von links) und Annette von Bischoffshausen (vorne rechts) sind ebenfalls schon viele Jahre dabei. Zum Jahresabschluss trifft sich der Kurs einmal nicht im Seminarraum, sondern in der Stadtinsel in der Gießener Schützenstraße. FOTO: FRIEDRICH

Rüstiger Senior

Werner Kröck (89) lernt seit 80 Semestern Englisch an der Volkshochschule

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Gesund und fit bis ins hohe Alter - Werner Kröck aus Heuchelheim gelingt dies. Womöglich ist der Englischkurs der KVHS ein Teil des Geheimnisses. Denn den besucht der 89-Jährige seit 80 Semestern.

Yes, he can! Mit 89 Jahren lernt Werner Kröck noch immer Englisch. Für den Heuchelheimer eine Selbstverständlichkeit. Und zwar seit rund 40 Jahren. Oder anderes gerechnet: etwa 80 Semester Volkshochschule. Jeden Dienstag von 20 bis 21.30 Uhr trifft sich der Sprachkurs der KVHS im Alten Rathaus an der Heuchelheimer Brauhausstraße; er kann dort den Raum des Schachclubs nutzen, um englische Konversation zu üben.

Wie es dazu kam, ist eigentlich schnell erzählt: Als es Kröcks Sohn Ende der 1970er Jahre beruflich nach Tansania verschlug, da haben sich die Eltern ebenfalls immer wieder auf Reisen Richtung Afrika begeben. Und sie haben dabei festgestellt, dass das Schulenglisch nicht mehr das allerbeste war. Also wurde flugs der Sprachkurs der Kreisvolkshochschule "gebucht", um die in der Jugend erworbenen Kenntnisse aufzufrischen. Und weil es so schön war, zudem den Kopf fit und beweglich hält, blieben die Kröcks dabei. Margret Kröck belegte einen Vormittagskurs; Werner Kröck einen am Abend. Später führten Reisen des Paares in die USA, nach Australien und Neuseeland. Da waren die Sprachkenntnisse ohnehin von großem Vorteil, sagt der rüstige Senior, dem man seine 89 Jahre aber so gar nicht ansieht.

Nicht das einzige ältere Semester im Kurs

Am Morgen sei er in Gießen beim Arzt gewesen, erzählt er im Laufe des Gesprächs über seinen Englischkurs. Selbstverständlich mit dem Fahrrad von der Heuchelheimer Schillerstraße aus. Er ist schon ein umtriebiger Mensch, war früher wie auch die Frau Gemahlin begeisterter Reiter, kümmert sich gern um seinen Garten, setzt Nusslikör an, bereichert Sonderausstellungen im örtlichen Heimatmuseum unter anderem mit seiner Sammlung an Notgeld aus der Weimarer Republik. Ein fitter Senior eben!

Werner Kröck ist übrigens nicht das einzige ältere Semester in diesem Kurs mit seinen aktuell zehn Teilnehmern: Auch Gisela Schütz und Annette von Bischoffshausen sind bereits Mitte 80 und fast ebenso lang wie Kröck dabei. Gemeinsam liest man Bestseller wie Vikas Swarups "Slumdog Millionaire" und arbeitet mit Lehrbüchern wie "The English-speaking world".

"Das ist für mich wie eine Familie"

Alle paar Jahren geht es im übrigen auf Reisen, um die erworbenen Sprachkenntnisse zu erproben: Zweimal, in den Jahren 2000 und 2009, war London das gemeinsame Ziel des Englischkurses; zuletzt im August 2015 dann Dublin. Besuche des englischen Keller-Theatre in der Gießener Bleichstraße gehören ebenfalls zum "Pflichtprogramm".

Kursleiterin Daniela Hohlhepp-Ziegler macht es offensichtlich ebenfalls so viel Freude wie den "Schülern": Schon als Studentin hat sie im Februar 1998 begonnen, in Heuchelheim zu unterrichten. Die Kursteilnehmer haben ihr später zur Heirat in Großen-Linden und zur Geburt der Kinder gratuliert. Über den Spracherwerb hinaus werden Freud und Leid miteinander geteilt. Man wächst zusammen.

Ein fester Stamm ist schon von Anfang an dabei, sagt Kröck. Und Erna Schulz, die ebenfalls viele Jahre den Englischkurs besuchte, brachte es auf den Punkt: "Das ist für mich wie meine Familie".

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