Wärmesektor dominiert

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Heuchelheim (pm). Einen Vortrag über "Energiesektoren im Wandel" hielt soeben auf Einladung des Energieeffizienz-Forums Heuchelheim (HENEF) vor über 100 Zuhörern Matthias Funk. Der Vorstand der Stadtwerke Gießen (SWG) betrachtete die Energiesektoren Verkehr, Wärme und Strom ganzheitlich. "Wenn von Energiewende die Rede ist, wird meist an den Strommarkt mit seiner sauberen regenerativen oder ›schmutzigen‹ fossilen Erzeugung gedacht", sagte Funk. Auf dem Verkehrssektor beherrsche die E-Mobilität die Schlagzeilen seit Monaten. Realität sei jedoch, dass der Wärmesektor im Raum Gießen mit einem Anteil von 64 Prozent dominiere vor dem Stromverbrauch mit 24 Prozent und dem Verkehrssektor mit zwölf Prozent. Sinnvollerweise müsse gerade im Wärmesektor eine Wende eingeläutet werden. "Der größte Energieschlucker ist der Wärmesektor", zitiert Funk den VDE-Dialog. Hier seien umfassende Transformationen für die Energiewende noch wichtiger als in den Bereichen Strom und Verkehr.

Erdgas vor E-Antrieb

Funk verwies auf die Strategie der SWG, die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) als hocheffiziente Energienutzung aus fossilen Energieträgern mit Wirkungsgraden von 87 bis 95 Prozent verstärkt einzusetzen. Die KWK verbinde die Sektoren Wärme mit Strom und führe zu einer Reduzierung des Primärenergiebedarfs um 40 Prozent. Erfolg bringend sei der Aufbau von Wärmenetzen sowie der Einsatz von Holz und (Gewerbe-) Abfall in der Wärmebereitung.

Bedingt durch den Anteil von Eigenstrom und selbsterzeugter Wärme könnten 245 000 Tonnen CO2 reduziert werden. Interessant sei, dass der Brennstoffeinsatz bis 2035 aus etwa ähnlichen Anteilen von Erdgas, Holz, Biomethan bestehen werde, bei einem Anteil von 40 Prozent aus regenerativen Quellen. "Jetzt und zukünftig werden die Versorger ein Repertoire aus Wärmenetzen, Kraft-Wärme-Kopplung, Abfallverwertung, Abwärme-Nutzung anbieten um die fossilen Energieträger in der Wärmebereitstellung zu reduzieren", zeigte sich Funk überzeugt. Zusätzlich würden eine dezentrale Stromversorgung, neue Speichertechniken und "Power-to-Gas" eine wichtige Rolle spielen. "Die CO2-Reduzierung im Gebäudesektor läuft größtenteils über eine clevere Technik."

Beim Thema E-Mobilität müsse man im Blick haben, dass mehr als ein halbes Kilogramm CO2 durch jede Strom-Kilowattstunde basierend auf dem heutigem Mix verursacht werde. Ein E-Auto mit einer Batterie-Kapazität von 77 kWh - vergleichbar mit dem Tesla 3 - belaste die Umwelt daher mit 160 bis 180 Gramm CO2 pro Fahrkilometer. Ein Diesel emittiere 140 Gramm, während ein Fahrzeug mit Erdgasantrieb die Umwelt nur mit 100 Gramm pro Kilometer belaste. Daher seien die Stadtwerke mit ihrer Bus- und kompletten Fahrzeugflotte nicht auf elektrische Antriebe, sondern auf erdgasbetriebene Fahrzeuge umgestiegen.

Biogas, das aus Klärschlämmen erzeugt wird, könne künftig eine interessante Option anstelle von Erdgas sein. "Ein Elektrobus macht dagegen keinen Sinn, weder wirtschaftlich noch klimatechnisch." In der Welt der E-Automobile werde die räumliche Ladeinfrastruktur eher zu häufig diskutiert, denn "80 Prozent der Ladungen finden zu Hause statt". Mittel- und Langstreckenfahrten müssen selbstverständlich unterstützt werden. "Die Gleichzeitigkeit der Aufladungen kann zum ernsten Problem werden", ist sich der Fachmann sicher. "Wenn zwei Porsche mit jeweils 350 Kilowatt geladen werden, kommt das nahe an die elektrische Versorgung eines ganzen Ortes ran."

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