Vortrag über das »Mittwochsrätsel«

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Heuchelheim (pm). Zu Beginn der Jahreshauptversammlung der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft Heuchelheim gab der Vorsitzende Klaus Spruck einen Rückblick auf das vergangene Jahr. Durch die Beschränkungen der Gemeinde Heuchelheim konnten im ersten Halbjahr keine Freitagstreffen im alten Rathaus in Heuchelheim stattfinden.

Erst im Juni konnte eine partielle Sonnenfinsternis beobachtet werden. Einige Mitglieder hatten das Sonnenteleskop des Vereins vor dem Rathaus aufgestellt. Einige Passanten nutzten die Gelegenheit, die teilbedeckte Sonne anzuschauen. Außerdem konnten im März und im August zwei Novae beobachtet werden. Auch der Sternschnuppenstrom der Perseiden war Mitte August gut zu sehen.

Der Bericht des Kassenwartes Tobias Ahrens ergab, abgesehen von den Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen, kaum Veränderungen. Der Antrag der beiden Kassenprüfer auf Entlastung des Vorstandes wurde einstimmig angenommen. Bei den anschließenden Vorstandswahlen ergaben sich keine Änderungen. Gewählt wurden Klaus Spruck zum Ersten Vorsitzenden, Jörg Kroll zum zweiten Vorsitzenden, Tobias Ahrens zum Kassenwart und Hans-Norbert Gries zum Schriftführer. Damit besteht der Vorstand in dieser Zusammensetzung unverändert seit 2016. Da zurzeit keine planbaren Aktivitäten vorliegen, wurde sich darauf verständigt, unvorhergesehene Aktionen kurzfristig per Mail bekannt zu geben.

Sonnenfinsternis

Im Anschluss an die JHV hat das Vereinsmitglied Dr. Reiner Euler einen Vortrag gehalten über ein bislang ungelöstes Problem aus der Astronomie, das von dem belgischen Astronomen Jean Meeus »The Wednesday Enigma« (Das Mittwochsrätsel) benannt wurde. Es beschreibt das Phänomen, dass ungewöhnlich viele totale Sonnenfinsternisse in Europa über Jahrtausende hinweg mittwochs stattfinden, etwa die letzte totale Sonnenfinsternis in Deutschland vom 11. August 1999. Aber auch die nächste totale Sonnenfinsternis in Europa, nämlich am 12. August 2026 in Spanien, wird an einem Mittwoch stattfinden, ebenso die nächste totale in Deutschland vom 3. September 2081.

Alle Versuche, dieses Phänomen auf bekannte Zyklen, wie etwa den Saros-Zyklus, zurückzuführen, sind bisher gescheitert. Die von Euler präsentierte Lösung des Problems beruht auf dem Ansatz, verschiedene Geschwindigkeiten des Sonne-Erde-Mond-Systems in eine lineare mathematische Beziehung zu setzen, für die er kleine ganzzahlige Koeffizienten sucht. Seine zunächst manuell gefundene Lösung konnte er mit dem sogenannten HJLS-Verfahren nicht nur bestätigen, sondern auch zeigen, dass es kein besseres Ergebnis mit kleineren Koeffizienten gibt.

Das HJLS-Verfahren von 1988 ist nach seinen Autoren Hastad, Just, Lagarias und Schnorr benannt. Prof. Bettina Just lehrt inzwischen an der THM in Gießen Mathematik und theoretische Informatik. Alle Phänomene des Mittwochsrätsels sind nun mit der vorgestellten Methode erklärbar, wie Euler am Ende seines Vortrags anhand vieler Grafiken und Statistiken zeigen konnte.

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