Vom "Unrecht des Vergessens"

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Heuchelheim(pm). Der Holocaust-Gednektag, 27. Januar, ist auch für unser Dorf ein Grund, uns an unsere ehemaligen jüdischen Mitbürger zu erinnern", sagt Werner Rinn in Heuchelheim. Der Vorsitzende des Kulturrings hatte dieses Datum, an dem sich in diesem Jahr die Befreiung von Auschwitz zum 75. Mal jährt, zum Anlass genommen, das Schicksal das ehemaligen jüdischen Mitbürger ins Gedächtnis zu rufen.

In 1938 lebten noch drei jüdische Familien in Heuchelheim: In der Bachstraße 23 die Metzgersfamilie Ludwig und Rosa Schönberg mit ihrem Sohn Herbert. Am Haag in der Kinzenbacher Straße 3 wohnten die Viehhändler Sally und Jenny Süßkind und in der Gießener Str. 73 zur Miete der Viehhändler Meier Süßkind mit seiner Frau Irene und den Töchtern Hedwig und Paula.

Die Schönbergs starben 1942 im Vernichtungslager Treblinka. Meier Süßkind und Tochter Paula mit Ehemann Arthur Rosenbaum teilten das Schicksal der Familie Schönberg. Die Tochter Hedwig Beutler geb. Süßkind arbeitete Anfang der 1930er Jahre als Krankenschwester in einem jüdischen Krankenhaus in Frankfurt. Sie floh in die Niederlande, wurde jedoch auch von dort im August 1942 nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde. Irene Süßkind war 1939 in einem Sammellager in Gießen gestorben.

Behinderte ermordet

Sally Süßkind und Ehefrau Jenny zogen im Juli 1940 nach Bebra zu den Schwiegereltern ihres Sohnes Karl und wurden von dort über Theresienstadt in das Vernichtungslager Sobibor in Polen gebracht. Dem Sohn Karl Süßkind gelang mit seiner Frau Traudel die Auswanderung nach Palästina.

Erinnert wurde zudem an die Euthanasieopfer aus Heuchelheim, Irmgard Gernandt (geb. 1921) und Franz Hofmann (geb. 1908), die wegen ihrer Erkrankung bzw. Behinderung in der Heil- und Pflegeanstalt Hadamar im Sommer 1941 umgebracht worden waren.

Vorsitzender Rinn mahnte: "Wir dürfen zu all dem Unrecht, das im Namen unseres Volkes verübt wurde, nicht noch das Unrecht des Vergessens hinzufügen." Die Geschichte mahne dazu, einzuschreiten, wenn Kippa-Träger beschimpft oder Synagogen - wie in Halle - angegriffen werden.

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