Überschaubarer Effekt

  • vonPatrick Dehnhardt
    schließen

Heuchelheim/Lich/Pohlheim(pad). Seit 1. Juli und noch bis Jahresende ist die Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte auf 16 Prozent abgesenkt. "Mit der vorübergehenden Senkung will die Bundesregierung in erster Linie den Konsum wieder ankurbeln und der durch die Corona-Pandemie in Mitleidenschaft gezogenen deutschen Wirtschaft neuen Schub geben", heißt es auf der Internetseite der BRD. Für die meisten Handwerke hat sich seit 1. Juli allerdings wenig verändert, wie eine kleine Umfrage zeigt.

Seit über 30 Jahren gibt es in Lich das Fahrradgeschäft "Radschmidt". Einen besonderen Anstieg bei den Reparaturaufträgen hat Jörg Godejohann seit der Mehrwertsteuersenkung nicht festgestellt. "Die fallen an, wenn etwas kaputt ist. Die Leute warten dann nicht."

Ein bisschen anders stellte sich die Sache beim Fahrradverkauf dar. "Viele Leute haben sich ein Rad gekauft, weil sie wegen Corona nicht in Urlaub fahren konnten", sagt Godejohann. Der Ansturm begann allerdings schon lange vor dem ersten Juli. "Verkaufsentscheidend war die Mehrwertsteuersenkung nicht. Die Leute haben sich aber gefreut, dass sie ein bisschen Geld sparen konnten."

Beim Küchenstudio Timo Schwarz in Utphe ist die Auftragslage hingegen seit der Mehrwertsteuersenkung noch einmal gestiegen. "Viele kamen deswegen, es kamen mehr Aufträge rein", sagt Timo Schwarz. Jedoch sei auch schon zuvor die Nachfrage gut gewesen. "Die Leute wollten 2020 etwas verändern."

Mehr größere Anschaffungen

Zumindest einen kleinen Effekt hat der Heuchelheimer Raumausstatter Frank Kreiling festgestellt. "Bei größeren Anschaffungen, etwa Markisen, gab es eine Steigerung", sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. "Bei den hochwertigen Produkten hat sich das bemerkbar gemacht."

Jedoch hätten auch dabei weitere Faktoren eine Rolle gespielt: "Die Leute konnten nicht in Urlaub fahren und haben gemerkt, wie die Sonne auf ihre Terrasse knallt - und sich dann eine Markise gegönnt." Während es mehr Aufträge für Arbeiten außen am Haus - etwa Insekten- und Sonnenschutz gab -, gingen die Aufträge im Innenbereich zurück.

"Die Auftragslage ist gleich geblieben", zieht Thomas Winter von Fliesen Winter aus Heuchelheim eine kurze Bilanz. Sein Handwerk boome seit Jahren, die Auftragslage sei schon vor der Mehrwertsteuersenkung gut gewesen. "Wir haben durchweg Arbeit."

Auch in der Restaurierungswerkstatt für antike Möbel von Werner Ehrlich in Holzheim blieben die Auftragszahlen nach der Mehrwertsteuersenkung gleich. "Dem Kunden, der etwas restaurieren lassen möchte, ist es egal, ob etwas drei Prozent mehr oder weniger kostet", sagt er. "Es hat - außer viel Arbeit - nicht viel gebracht." Damit meint er allerdings nicht zusätzliche Aufträge, sondern die Änderungen bei der Rechnungstellung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare