+
Gidon Süßkind (2. v. l.), der jüngere Sohn von Dr. Karl Süßkind, und seine Familie knüpfen in Heuchelheim neue Freundschaften.

Stolpersteine sind keine Schlusssteine

  • schließen

Heuchelheim (so). Nicht rückwärtsgewandt, sondern mit Blick nach vorn wolle man einander begegnen. Das versprachen sich Mitglieder der Familie Süßkind und Heuchelheimer Bürger bei ihren ersten Begegnungen vor drei Jahren. Ganz so, wie es Dr. Karl Süßkind und sein Freund, der frühere Heuchelheimer Bürgermeister Otto Bepler, für die Nachfahren gewünscht hatten. Die Zusage trägt: Im Juli weilten Gidon und Nava Süßkind aus Herzlia/Israel einmal mehr am unteren Bieberbach. Mit ihnen waren rund 20 weitere Angehörige der Familie nach Deutschland gekommen. Kinder und Enkel sind dabei, die Urenkel von Karl Süßkind, der mit seiner Frau Traudel vor bald 80 Jahren auf der Flucht vor den Nazis seine Heuchelheimer Heimat gen Israel verließ.

Gerade die Begegnungen dieser Nachgeborenen mit Gleichaltrigen macht Mut, lässt optimistisch nach vorn blicken.

Weiterer Anlass der neuerlichen Deutschland-Visite: Das Verlegen von Stolpersteinen durch denn Künstler Gunter Demnig in Bebra, der Heimatstadt von Karl Süßkinds Frau. Da wurde noch einmal thematisiert, was man einander bereits in Heuchelheim versprach, als im Juni 2016 Stolpersteine für Süßkinds verlegt wurden: "Stolpersteine sind keine Schlusssteine."

Ganz im Gegenteil sollen sie Denk-Prozesse anstoßen. Zudem wird ein weiterer Ansatz verfolgt, um Diskussionen anzuregen: Im Heuchelheimer Heimatmuseum im einstigen Kinzenbacher Bahnhof sollen Spuren einstigen jüdischen Lebens in Heuchelheim dokumentiert werden. Das haben Gidon Süßkind und Gerhard Kreiling, der Vorsitzende des Arbeitskreises Heimatmuseum im Kulturring, verabredet. Gesucht werden nicht nur Dokumente und Fotos, sondern darüber hinaus weitere Gegenstände, die an die Heuchelheimer jüdischen Glaubens erinnern. Jüdisches Leben gehört für mehr als 200 Jahre zur Heuchelheimer Geschichte, sagt Gerhard Kreiling.

Wie hilfreich diese Arbeit sein kann, um Diskussionen anzustoßen und eine Kultur der Auseinandersetzung zu bereichern, die sich aus der Vergangenheit speist, aber bis heute ungebrochen aktuell ist, das hat sich anderorts durchaus gezeigt: So ist Kreiling im Austausch mit Dr. Heinrich Nuhn aus Rotenburg/Fulda. Nuhn hat dort eine solche Arbeit bereits geleistet.

Wer zur geplanten Sammlung in Heuchelheim etwas beisteuern kann, ist gebeten, sich an Gerhard Kreiling zu wenden: heimatmuseum@gakreiling.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare