Alexander Heidgen im Innern der Vogelbeobachtungsstation.
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Alexander Heidgen im Innern der Vogelbeobachtungsstation.

"Spiel mir das Lied vom Frieden"

  • Harold Sekatsch
    vonHarold Sekatsch
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Heuchelheim/Lahnau(se). "Ich war angenehm überrascht", berichtete der Heuchelheimer Alexander Heidgen über einen Ausflug zur Vogelbeobachtungsstation in der Lahnaue zwischen Atzbach und Dutenhofen. Dabei sprach er weniger das Gebäude selbst an, sondern mehr die Ausgestaltung des Innenraumes.

"Ich habe festgestellt, dass aus dieser Station ein Mahnmal gegen Antisemitismus und Faschismus gemacht wurde", berichtet der Diplom-Psychologe. "Mit viel Liebe zum Detail wurden Liedtexte an die Wand gemalt, mit erläuternden Texten und zum Holocaust. Wie ich finde, eine gelungene Aktion." Kein Vergleich zu sinnlosen Schmierereien, oft mit rechtsextremem Inhalt, durch die anderenorts Gebäude und Wände verunstaltet werden. "Anlass für diese ›Umgestaltung‹ waren anscheinend viele Schmierereien mit verbotenen Symbolen aus dem Nationalsozialismus", freut sich der Heuchelheimer, der von einer "positiven Erinnerungskultur" spricht.

Der oder die Maler haben dabei nicht nur Wert auf einen gehaltvollen Inhalt gelegt, sondern auch auf die Optik. Mit herkömmlichen Schmierereien sind die an die Wand geschrieben Texte nicht zu vergleichen.

So zum Beispiel ziert der Text des jiddischen Gedichtes "Schpil-sche mir a Lidele" vom jüdisch-sowjetischen Dichter Joseph Solomonovich Kotlyar mit deutschen Übersetzung den Raum: "Spiel mir das Lied vom Frieden. Vom wirklichen Frieden und nicht nur von einem Traum. Dass alle Völker, groß und klein, sich miteinander verstehen sollen und ohne Krieg und Streit miteinander umgehen", heißt es hier.

"Hier ist kein Platz für Rassismus", heißt es auf einer am Eingang der Station angebrachten Tafel. Auf dieser Tafel erläutern die Autoren und Graffiti-Künstler ihre Beweggründe zur Neugestaltung der Vogelbeobachtungsstation, in der, so heißt es, auch verfassungsfeindliche Symbole die Wände verunziert hatten.

Zur Erläuterung teilen die Urheber dort mit: "Die Texte sind Liedtexte von Menschen, die während der NS-Zeit oder anderen faschistischen Regimes gelebt haben, widerständig gegen unterdrückende Systeme waren." Ausgewählt wurden Texte, die "immer noch sehr gut in den heutigen gesellschaftlichen Kontext passen".

Inzwischen ist es etwas ruhiger um die Vogelbeobachtungsstation geworden, sieht man davon ab, dass nach wie vor Vandalen dieser Einrichtung gern einen Besuch abstatten und zuweilen mit unangenehmen Hinterlassenschaften an ihre Visite erinnern. FOTO: SE

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