+

Ist das schon der Klimawandel?

  • schließen

Heuchelheim (sel). Sind die jüngsten Hitzewellen schon "der Klimawandel"? Das war eine der Fragen, die Wetterexpertin Claudia Kleinert jüngst in Heuchelheim beantwortete. Die Volksbank Heuchelheim hatte zur Vertreterversammlung in die "Turnhalle" geladen, und neben Bilanzzahlen (siehe Seite 33) auch die aus dem Fernsehen bekannte Wetterfachfrau Kleinert präsentiert. Sie referierte über das Thema "Klimawandel? - Leben im Treibhaus".

Es ist ein überaus aktuelles Thema, immerhin verzeichnen wir den wärmsten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen vor 120 Jahren. Aber ist das nun Klimawandel? "Das kann so nicht gesagt werden", antwortete Kleinert.

Sie bezeichnet sich ausdrücklich nicht als Klimaforscherin, sondern sprach von ihren Erfahrungen als Wetterexpertin. "Wetter ist ein chaotisches Geschehen", sagte sie. Und es ist das, was heute und in den nächsten Tagen passiert. Wetter ist also eine Momentaufnahme. Um "Klima" zu beurteilen, bedürfe es dagegen eines Überblicks über 30 Jahre. Die Genauigkeit der Wettervorhersage liegt laut Kleinert für die nächsten zwei Tage bei 95 Prozent, bei drei bis fünf Tagen bei 60 und im Blick auf die nächsten sechs bis 15 Tage nur noch bei 30 Prozent. Langzeitmodelle in Sachen Wettervorhersage bezeichnete Kleinert daher als unglaubwürdig.

Für den Klimazeitraum 1981 bis 2010 ist es dagegen eine Tatsache, dass der Temperatur-Mittelwert dieser drei Jahrzehnte deutlich unter der aktuellen Entwicklung liege. Bezogen auf Deutschland seien von den letzten 100 Monaten 84 zu warm gewesen. In vergangenen Jahren lag die Temperatur an 94 Tagen über 25 Grad - so häufig gab es das noch nie. 2016 sei seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1880 das wärmste Jahr gewesen. Und die Jahre 2015 bis 2018 die global wärmsten in Folge.

"Das Klima ist im Wandel, das ist unstrittig", sagte Kleinert. Die Vorhersage des globalen Temperaturanstiegs um zwei Prozent sei ein Mittelwert, in Deutschland könne dieser Wert je nach Region zwischen einem und fünf Grad liegen. Dann machte Kleinert deutlich, dass wir den Treibhauseffekt, den es im Übrigen schon immer gegeben habe, auch unbedingt benötigen. Ohne diesen Effekt läge die Temperatur auf der Erde bei minus 18 Grad.

Klar sei aber auch, dass der Treibhauseffekt von den Menschen "befeuert" werde: durch Brandrodung, Viehhaltung, Düngung, Industrie und Kraftwerke. Folgen wärmerer Luft seien unter anderem zunehmende Extremwetterlagen, mit deren Auftreten und Folgen umzugehen immer schwieriger werde. Die jahrzehntelange Förderung fossiler Rohstoffe setze das bis dahin gespeicherte CO2 frei. Würde der CO2-Ausstoß sofort, komplett und global beendet, hätte dies keinen Rückgang des CO2-Gehaltes zur Folge, "die globale Erwärmung ist und bleibt da". Umso überraschender dann der Ausblick und die Aussage Kleinerts, dass wir "auf eine neue Eiszeit zustreben", die allerdings erst in 200 bis 300 Jahren Realität werde.

Angesichts all dieser Erkenntnisse sollte sich laut Kleinert jeder fragen, was er selbst tun könne, um der Entwicklung entgegenzuwirken. Sie empfahl: weniger Kohle, Öl und Gas nutzen, sauberer Strom müsse erzeugt, gute Ideen unterstützt, klimaschädliche Unternehmen gemieden werden. Zudem solle man auf Rad, Bus und Bahn umsteigen und nicht fliegen. Deutschland als Nation bescheinigte sie, Vorbild zu sein, weil man sich hierzulande mehr Gedanken als in anderen Ländern mache, "um es nicht noch schlimmer kommen zu lassen".

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare