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Vierbeinige Feinschmecker in Aktion: Die Schafherde des Oberen Hardthofs. FOTO: PM//PETER STRÖDE

Schafe als Landschaftspfleger

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Heuchelheim(pm). Pflegearbeiten am Wasserhaus in der Nähe des Kinzenbacher Waldes waren vor geraumer Zeit das i-Tüpfelchen zum Abschluss der Landschaftspflegesaison für die Aktiven des Naturschutzbundes Heuchelheim-Kinzenbach. Abermals war man an einigen Baustellen in der Gemeinde tätig, um Ökosysteme zu erhalten und damit gefährdete Arten zu unterstützen.

Exkursion geplant

Die heutige Landschaftspflege dient häufig der Erhaltung artenreicher Kulturlandschaften, die aus früheren Landnutzungen stammen, die aktuell nicht mehr rentabel sind. Trockenrasen sind das Ergebnis einer Schafbeweidung, die heute immer weniger ausgeübt wird. Im Falle der Hardt im Gießener Westen übernimmt die Schafbeweidung die Herde des Oberen Hardthofs, der Forschungseinrichtung der Justus-Liebig-Universität. Für die Beweidung der Hardt ist die gemischte Herde des Hardthofs von elementarer Bedeutung. Mit Sorge betrachtet der Naturschutz den Rückgang der Schafhaltung im Hardthof, der schon jetzt zu einer Einschränkung der Beweidung im Raum Wieseck geführt hat. Auf die Schafbeweidung folgt ab November die Nachpflege durch den NABU: Brombeere, Schwarzdorn und Ginster werden mit Freischneidern zurückgedrängt, sodass eine vielfältige Vegetation aus wärmeliebenden Arten wie Heidenelke, Steinbrech, Thymian, Sandglöckchen und vielerlei Fingerkräutern erhalten werden kann. Das Gebiet hat dann einen nahezu mediterranen Charakter.

Damit dieses Gebiet auch anderen Naturfreunden bekannt wird, ist es im Sommer das Ziel einer öffentlichen Naturschutzwanderung der Unteren Naturschutzbehörde, bei der der 2. Vorsitzende des NABU Heuchelheim-Kinzenbach, Dr. Peter Ströde, die Fläche und ihre Vegetation vorstellt. Der NABU arbeitet auf der Hardt und am Silberberg nicht aus eigener Entscheidung, sondern im Auftrag der Landschaftspflegevereinigung Gießen. Die zweite "Baustelle" des Naturschutzvereins ist das Volkenbachtal, ein flaches Tal, welches nahe Kinzenbach abzweigend von der Krofdorfer Straße beginnt und sich nach Nordwesten bis zum Kinzenbacher Wald erstreckt. In der Nachkriegszeit als Flüchtlingsgärten genutzt, ist es heute eine locker von Bäume bestandene Fläche mit Feuchtbiotopen, im oberen Teil auch Trockenstandorten. Im Falle des Volkenbachtals stehen bei der Landschaftspflege sowohl botanische Ziele als auch der Schutz von Brutvögeln im Vordergrund. 2017 wurden dort an zwei Standorten zwei vom Aussterben bedrohte Pflanzen unter Federführung des Botanischen Gartens Frankfurt ausgebracht, "drüsige Ehrenpreis" und "aufrechte Weißmiere" fanden im Volkenbach eine neue Heimat. Der NABU unterstützt mit Mahdmassnahmen an einem trockenen Hang eine seltene Heckenrosenvariante. In einem Steinbruch am Talende brütet der Neuntöter, eine seltene Vogelart. Durch das Aufhalten der flächendeckenden Verbuschung wird der Lebensraum dieser Art erhalten. Biotopmaßnahmen für Eidechsen werden auch durch Artenschutzmaßnahmen unterstützt. Steinbiotope an der Heuchelheimer Kläranlage und künftig auch am Hardthang sollen gefährdeten Reptilienarten gezielt helfen. Auch an der Verbindungsstraße zwischen Kinzenbach und Atzbach ist der NABU auf verschiedenen Biotopen in der Landschaftspflege tätig.

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