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Geschäftsführer Christian Rinn nimmt von Ministerpräsident Volker Bouffier die Urkunde mit dem »Blauen Engel« entgegen. Der Kopf des Betonengels im Vordergrund ist aus 100 Prozent Recyclingmaterial erstellt - das nächste Projekt der Heuchelheimer.

Rinn erhält »Blauen Engel«

  • VonPatrick Dehnhardt
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Mit dem »Blauen Engel« zeichnet das Bundesumweltministerium besonders umweltschonende Produkte und Dienstleistungen aus. Nun wurde die Auszeichnung erstmals für Betonsteine verliehen - an das Unternehmen Rinn aus Heuchelheim.

Der Slogan der Rinn Beton- und Naturstein GmbH »Den Anfang macht ein guter Stein« passt sehr gut auf das Projekt, welches am Freitag mit dem Umweltzeichen der Bundesregierung, dem »Blauen Engel«, ausgezeichnet wurde: Die Heuchelheimer sind Vorreiter in Sachen Umweltschutz und haben der Branche gezeigt, wie sich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit verbinden lassen. Als Erste haben sie Betonsteine auf den Markt gebracht, die bis zu 40 Prozent aus Recyclingmaterial bestehen.

»Als Familienunternehmen liegt uns die Zukunft der nächsten Generationen am Herzen«, begründete Geschäftsführer Christian Rinn die dahinterstehende Motivation. Das 1900 gegründete Unternehmen hat bereits vor zehn Jahren eine Nachhaltigkeitsstrategie entworfen und umgesetzt. »Wir wollten damit nicht warten, bis die Politik uns Regularien vorgibt.«

Ein erstes Ergebnis war, dass Rinn seit sieben Jahren an allen Standorten CO2-neutral produziert. »Wir haben die Branche 2014 etwas wachgerüttelt«, sagte Rinn. Zudem haben sich die Heuchelheimer das Ziel gesetzt, bis 2030 den gesamten Energieverbrauch aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein Baustein, energieintensive Prozesse zu verändern. Bislang dient etwa Zement als Bindemittel. Dessen Herstellung sorgt für einen hohen CO2-Ausstoß. Die Heuchelheimer forschen darum an einem alternativen Bindemittel, welches bis zu 80 Prozent der Emissionen einsparen soll, sagte der Geschäftsführer.

Die Einsparung von Energie ist ein Aspekt der Nachhaltigkeit, ein weiterer, welche Rohstoffe für ein Produkt verwendet werden. Rinn sagte, dass die deutsche Bauindustrie pro Jahr 520 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe verbraucht. Dem gegenüber stehen per anno 220 Millionen Tonnen Bauschutt, Abbruchmaterial und Erdaushub. »Da besteht viel Potenzial für Stoffkreisläufe. Diesen Weg wollen wir fördern.«

Der Geschäftsführer präsentierte den Prototyp eines Betonsteins, der zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial hergestellt wurde. Er bildet passenderweise den Kopf einer Betonskulptur des »Blauen Engels«. In den kommenden Jahren soll er zur Serienreife entwickelt werden.

Diese haben die Produkte, die nun ausgezeichnet wurden, bereits erreicht. Die Pflastersteine Passee und Lukano Smart bestehen zu 25 Prozent aus Recyclinggranulat, der Pflasterstein Lukano sowie die wasserdurchlässigen Ökopflaster Hydropor Lukano und Siliton sogar zu 40 Prozent. Dabei weisen die Steine die gleiche Qualität wie herkömmlich produziertes Pflaster auf. Dr. Alexander Janz vom Umweltbundesamt sagte, dass dies der Schlüssel zur Akzeptanz beim Kunden sei.

Die wasserdurchlässigen Varianten lassen Regenwasser zu 100 Prozent in den Boden durch - eine Eigenschaft, die durch den Klimawandel an Brisanz gewonnen hat. Denn jeder Tropfen, der versickert und nicht abläuft, mindert Hochwassergefahren und hilft gleichzeitig, den Grundwasserspiegel zu stabilisieren.

Dass Rinn ein Vorreiter ist, zeigt sich daran, dass erstmals in der 40-jährigen Geschichte des »Blauen Engels« ein Betonstein das Umweltzeichen erhält. Ministerpräsident Volker Bouffier freute sich, das Umweltzeichen der Bundesregierung an die Heuchelheimer übergeben zu können: »Ich bin stolz darauf, dass wir Unternehmen in Hessen haben, die innovative Wege gehen und Ideen entwickeln, wie ressourcenschonend produziert werden kann.« Die Auszeichnung sei ein Erfolg für alle 540 Mitarbeiter von Rinn.

Die Heuchelheimer würden eine Vorbildrolle für andere Unternehmen einnehmen. »Sie gestalten die Zukunft und sind wirtschaftlich erfolgreich. Beides gehört zusammen«, sagte Bouffier. »Die Politik kann Vorschriften machen und viel Bürokratie draufpacken. Damit lösen wir aber keine Probleme«, begründete Bouffier, warum die Entwicklung nachhaltiger Produkte in die Hände der Unternehmer gehöre.

Um nachhaltig zu agieren, müsse man sich von der »Aufgeregtheit des Tages« befreien: »Wir brauchen einen langen Blick.« Eine der dringenden Fragen sei etwa, wie man bezahlbaren Wohnraum schafft, während die Baupreise und Baulandpreise steigen: »Wo geht es noch, dass junge Menschen halbwegs bezahlbar ein Haus bauen können?« Die Frage, wo Besiedlungen möglich sind, müsse in den Kommunen beantwortet werden. Bouffier zeigte sich zuversichtlich: »Wir haben große Aufgaben, aber auch ein großes Potenzial.«

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