Richtig dämmen und sanieren

Heuchelheim(jeh). Das Energieeffizienz-Forum Heuchelheim (HENEF) widmete sich dieser Tage einem Querschnittsthema, das den Klimaschutz mit Wohngesundheit und Nachhaltigkeit verbindet und von Martin Köhler, einem Baubiologen und Sachverständigen vorgetragen wurde.

"Angesichts unklarer Ursachen von Allergien, hohem Blutdruck, Kopfschmerzen sowie anderen diffusen Krankheitsbildern ist es an der Zeit, über Belastungen in unseren Wohnräumen zu sprechen" so der Referent im voll besetzten Vortragsraum. Zum Teilaspekt "Entsorgung von Baustoffen" bzw. der Nachhaltigkeit wird geraten, dass man sich vor einer Sanierung Gedanken machen müsse, wie ein Baustoff nach Jahren entsorgt werden könne denn die Deponiekosten für Sondermüll seien rasant gestiegen. "Wenn man heute ein großflächiges Verbundmaterial zum Beispiel als Fassadendämmung anbringt, sollte man gleich einen Bausparvertrag für die Entsorgung abschließen". Die Frage sei, welche stofflichen und finanziellen Belastungen man noch guten Gewissens seinen Kindern übergeben könne. Ökologische und sortenreine Materialien seien deutlich leichter und zu geringeren Kosten zu entsorgen weiß Köhler.

Vor Sanierung mit Fachleuten planen

Problematisch sei, dass die Industrie einen Interessen-Spagat unternehme. Einerseits würden Produkte mit neuen chemischen Mischungen für bessere Eigenschaften weiterentwickelt, andererseits definiere die Industrie Grenzwerte für oft gesundheitsgefährdende Inhaltstoffe in Gremien mit. "Selbst ein Fachmann hat Mühe, sich mit den Mixturen auszukennen". Es gebe fast kein Material, das nicht mit einem Kunststoff vergütet ist, deren Auswirkungen auf den Organismus weitgehend unbekannt seien. Auch lägen Unbedenklichkeits-Grenzwerte zwischen den verschiedenen Überwachungs-Organisationen meilenweit auseinander. "Welche Angaben sind dann wahr?", fragte Köhler.

Ein Beispiel aus den Siebzigerjahren seien die massenhaft verbauten Gips-Polystyrol-Verbundplatten. Daraus würde zeitlebens Styrol, ein potenziell gesundheitsschädlicher Stoff emittiert. Sind solche Platten vorhanden, solle man sicherstellen, dass keine Ausgasungen in Wohnräumen stattfinden. Andernfalls sollten die Baustoffe entfernt und durch unbelastete, am besten naturnahe Werkstoffe ersetzt werden.

Einen Ausweg aus diesen gesundheitlichen Belastungen sieht Köhler darin, dass vor Sanierungen sorgfältig mit geeigneten Fachleuten geplant wird. "Zunächst sollte die mittel- und längerfristige Nutzung der Immobilie überlegt werden". Dann müsse man sich möglichst intensiv mit der Gesundheitsproblematik und der Entsorgungsfrage von Baustoffen beschäftigen. Die Unbedenklichkeit von Inhaltsstoffen könne man in Datenbanken nachsehen, etwa in der "oekobaudat" des Bundesministeriums für Inneres und Bau. Es lohne sich, für die Gesundheit und Entsorgung einige Prozentpunkte mehr für unbelastete Bauprodukte auszugeben. Dazu zählten ökologische Dämmungen auf Holz- oder Hanfbasis, mineralische Produkte, Lehmprodukte, Silikatfarben. "Auf Verbundwerkstoffe würde ich eher verzichten", empfahl Köhler.

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