C. Lindenstruth
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C. Lindenstruth

"Das private Gespräch am Rande ist mehr geworden"

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Heuchelheim(so). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt.

Das öffentliche Leben steht still, soziale Kontakte haben viele nur noch telefonisch oder online. An dieser Stelle gewähren Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen Einblicke in ihren neuen Alltag. Heute: Christina Lindenstruth, Sekretärin der Evangelischen Martinsgemeinde in Heuchelheim.

Wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Vormittags bin ich im Büro im Pfarrhaus, nachmittags unterwegs mit Freunden oder der Familie. Dazu engagiere ich mich ehrenamtlich bei den Turn- und Sportfreunden in Heuchelheim und mache selbst regelmäßig Sport: Fitnessgymnastik, Zumba, Rückensport, Fahrradfahren. Nur das Volleyballspielen habe ich aufgrund meines Alters aufgegeben. Da sagen die Knochen, was noch geht und was nicht.

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Die Arbeit ist im Büro nicht weniger geworden, aber sie hat sich verändert. Ich telefoniere mir hier gelegentlich ’nen Wolf: Lege ich das Telefon links weg, nehme ich das andere rechts ans Ohr. Dazu muss viel mehr schriftlich erledigt werden. Gerade die ältere Klientel nutzt eben nicht WhatsApp. Das gilt übrigens für die Mitglieder der Kirchengemeinde ebenso wie für viele ehrenamtliche Helfer. Aber trotz geschlossener Türe ist das Pfarrbüro offen. Das ist wichtig. Und manchmal mache ich einfach das Fenster auf und rede dann mit den Menschen, die eigentlich persönlich vorbeikommen wollten. Auch das klappt. Meine Arbeit im Verein hat stark abgenommen, bis auf gelegentliche WhatsApps, Mails oder Telefonate mit den anderen Vorstandsmitgliedern. Es ist nur noch wenig Organisatorisches zu erledigen, da der komplette Sportbetrieb ausgesetzt ist.

Was vermissen Sie am meisten?

Den persönlichen, unmittelbaren Kontakt mit vielen Menschen. Manchmal kommen mir unterwegs Leute entgegen und machen dann regelrecht einen Sprung auf die Straße, nur um einem nicht zu nahe zu kommen. Das befremdet im ersten Moment schon. Aber ich kann es verstehen. Auch ich bin da in meinem Alltag überaus konsequent. Mit zwei alten Eltern und mittlerweile auch Enkelkindern halte auch ich immer den nötigen Sicherheitsabstand ein.

Und was ist positiv?

Das private Gespräch am Rande ist mehr geworden. Etwa am Telefon. Das ist sehr schön. Die Menschen reden wieder mehr über das, was sie im Alltag bewegt. Und ich habe begonnen, mit meinen Töchtern Mundschutze zu nähen. Die stellen wir den Mitarbeitern im AWO-Pflegeheim in Heuchelheim zur Verfügung. Auch wenn jeder für sich zu Hause näht, ist es ein Gemeinschaftsprojekt und eine tolle Idee meiner Tochter. Außerdem nimmt man sich ohne schlechtes Gewissen mehr Zeit für sich selbst. Neulich habe ich mich dabei ertappt, dass ich drei Stunden in der Hollywoodschaukel gestrickt und gelesen habe. Normalerweise bin ich oftmals unterwegs wie in einem Hamsterrad. Ich möchte meine vielen Aktivitäten auch nicht missen. Aber das läuft jetzt etwas langsamer. Und es ist okay. FOTO. ARCHIV

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