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Metzgermeister Jörn Bechthold ist Inhaber von fünf Filialen, eine davon in Heuchelheim. Unweit seines Geschäftes wirbt er mit seinem Konterfei auf einem riesigen Plakat für "Handmade in Hessen". Die kleinere Version hält er hier in der Hand.

Fleisch aus der Region

Metzgermeister im Interview: "Es muss nicht jeden Tag Fleisch sein"

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Seit Dienstag prangt ein riesiges Plakat mit Jörn Bechtholds Konterfei an einer Häuserwand in Heuchelheim. Der Metzgermeister wirbt für die Aktion "Handmade in Hessen". Er sagt: "Fleisch soll etwas Besonderes sein."

Herr Bechthold, wie ist es, sich selbst auf einem solch großen Plakat zu sehen?

Jörn Bechthold: Grundsätzlich soll die Aktion ja der Firma und der guten Sache dienen. Es geht nicht um meine persönlichen Eitelkeiten. Ich fühle mich deshalb auch nicht hofiert. Ich bin nun mal der Inhaber. Aber wenn Sie mich so fragen, ganz im Vertrauen: Ich hätte mir etwas weniger graue Haare gewünscht (lacht).

Aber so ist es immerhin ein authentisches Bild von Ihnen.

Bechthold:Das stimmt natürlich. Und der Schinken, den ich auf dem Plakat in der Hand halte, ist auch bei uns gemacht. Das ist alles echt, also ist es okay, so wie es ist.

Hat es denn irgendetwas mit diesem Schinken auf sich?

Bechthold:Es ist ein typisches Produkt von uns, er reift bis zu drei Monate. Es ist ein langer, aufwendiger Prozess, bis er so aussieht, wie auf dem Bild. Er heißt auch "Atzbacher Schinken", also ist es ein Produkt, das es so nur bei uns gibt und deshalb etwas Besonderes.

Was erhoffen Sie sich ganz allgemein von dieser Aktion?

Bechthold:Es ist eine Herzensangelegenheit für uns, regionale Lebensmittel zu vertreiben und da kommt so eine Aktion natürlich gelegen. Natürlich erhoffen wir uns erst einmal einen Kundenzuwachs, dass Leute einfach neugierig werden und unsere Produkte probieren möchten, aber auch, dass sich unsere Kunden bestätigt sehen in ihrer Wahl. Dass sie sehen, dass wir für regionale Qualität stehen. Das Fleisch kommt direkt aus Hessen und wird in Dillenburg geschlachtet. Das ist die Idee hinter der Aktion, dass man als Betrieb für Transparenz und kurze Wege steht. Vom Bauern über den Schlachthof bis zu unserem Betrieb und schließlich an die Theke.

Sie schlachten das Fleisch nicht selbst?

Bechthold:Nein, das macht ein Partner, der so wie wir aber auch Teil der Marketinggesellschaft (MGH) Gutes aus Hessen ist. Das ist dadurch quasi eine durchgehende Kette, in der jeder Betrieb Teil der MGH sein muss.

Die Tiere kommen dementsprechend auch hier aus der Nähe?

Bechthold:Ja. Viele kommen aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Teilweise kommen sie aus Nordhessen, Richtung Kassel. Wenn ein Tier zwei bis drei Stunden unterwegs ist, ist es schon sehr viel. Bei der Auswahl der Tiere verlassen wir uns auf unsere Partner, das läuft auf Vertrauensbasis. Wenn etwas geliefert wird, überprüfen wir natürlich alles noch einmal genau. Falls etwas zu beanstanden ist, würden wir es zurückgehen lassen. Das kam bisher aber so gut wie nie vor.

Metzgermeister wirbt für maßvollen Fleischkonsum: Suche nach Lehrlingen

Aus den Handwerkskammern hört man schon seit Jahren, dass Lehrlinge fehlen. Können Sie das bestätigen?

Bechthold:Sicher ist das ein allgemeiner Trend, dass Lehrlinge fehlen, aber ich würde nicht in dasselbe Horn blasen, dass wir niemanden mehr finden. Wir treten in diesem Jahr den Beweis an, dass es nicht so ist.

Warum, wie sieht denn die Lehrlingssituation bei Ihnen aus?

Bechthold:Wir haben in diesem Jahr einen guten Zulauf. Wir haben mit einem Metzgerlehrling und zwei Verkäuferinnen allein drei Zugänge. Insgesamt haben wir fünf Auszubildende. Und da sind wir stolz drauf.

Etliche andere Metzgereien aber kämpfen ums Überleben. Die Konkurrenz der Supermärkte ist groß. Wie sehen Ihre Zahlen aus?

Bechthold:Ich schaue mir jeden Tag die Umsätze vom Vortag an. Ich vergleiche sie auch immer mit dem Vorjahr. Natürlich gibt es da Schwankungen, aber allgemein bemerke ich einen positiven Trend.

Und die Angebote der Supermärkte, schauen Sie sich die auch an?

Bechthold:Natürlich muss ich die im Blick haben, aber ich lasse mich da nicht blenden oder ablenken. Ich möchte mein Ding machen, und ich möchte es gut machen. Bisher spricht der Erfolg für uns. Es ist nicht leicht, aber es geht aufwärts. In wenigen Jahren werden wir 125-jähriges Jubiläum feiern, und so lange möchten wir mindestens bestehen. Ich möchte auch nichts anderes tun, als die Firma führen.

Welche Qualitätsunterschiede gibt es denn zwischen Ihren Waren und denen in der Kühltheke im Supermarkt.

Bechthold:Generell muss man sagen, Fleisch ist heute häufig ein Ramsch-Artikel, und das ist nicht gut. Das ist etwas, das wir nicht befürworten können. Ich würde jedem raten, lieber halb so viel Fleisch zu konsumieren, aber dafür doppelt so gute Qualität. Es muss auch nicht jeden Tag Fleisch sein. Fleisch soll etwas Besonderes sein.

Die Qualität ist das eine, gibt es noch mehr Gründe, weshalb Kunden bei Ihnen einkaufen sollten?

Bechthold:Das beginnt bereits vorne an der Theke. Wir haben 80 Wurstsorten aus eigener Herstellung. Die werden in Atzbach produziert. Da ist also die Nähe das Argument. Dazu haben wir ausgebildete Fachkräfte. Angefangen bei den Metzgern haben wir drei Meister in der Produktion, fünf Gesellen und einen Lehrling, die das von der Pike auf gelernt haben. Ein weiteres großes Thema ist für uns die Kundennähe.

Inwiefern?

Bechthold:Unsere Verkäuferinnen kennen in der Regel die Kunden persönlich. Auf dem Dorf ist das so üblich. Man kennt sich, und das gibt den Produkten eine andere Bedeutung, weil man für die Produkte steht. Außerdem können wir schnell auf Kundenwünsche reagieren. Wenn in einer Filiale mal etwas ausverkauft ist, können wir es spätestens innerhalb eines Tages an den gewünschten Standort liefern. Und zuletzt bieten wir den Partyservice an. Wir haben also eine breite Palette von Diensten und Angeboten, die wir den Kunden bieten können.

Das ist "Handmade in Hessen"

Bei der Aktion "Handmade in Hessen" werben insgesamt 20 Handwerksbetriebe des Landes bis Ende Oktober für Lebensmittel aus der Region. Metzgermeister Jörn Bechthold ist einer von ihnen. Bechthold betreibt neben der Filiale in Heuchelheim auch eine in Lollar, in Atzbach, in Naunheim und in Wetzlar.

"Wir möchten den Verbraucher daran erinnern, wie wichtig die Unterstützung des regionalen Lebensmittelhandwerks ist", sagt Julia Kraushaar, Geschäftsführerin der Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen. GmbH, die die Aktion initiiert hat.

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