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Messestände wie hier in Düsseldorf sind normalerweise das Kerngeschäft von Messebau-Pro in Wetzlar. FOTO: PM

Coronavirus

Messebauer bangen um Existenz

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Viel früher als andere Sparten waren die Messebauer von der Corona-Krise betroffen. Das hat auch den Heuchelheimer Thomas Heinrich und seine Firma Messe-Pro hart getroffen. Doch er will aus der Not eine Tugend machen, neue Geschäftsfelder eröffnen - und hofft auf die Politik.

Inzwischen gibt es kaum noch eine Branche, die von den drastischen Maßnahmen zur Verlangsamung der Coronavirus-Ausbreitung nicht betroffen ist. Manche wirtschaftlichen Bereiche trifft es härter als andere, manche früher, manche später. Für Thomas Heinrich war allerdings schon vor Wochen klar, dass diese Krise ans Eingemachte geht.

Der Heuchelheimer ist Co-Geschäftsführer von Messe-Pro mit Sitz in Wetzlar, einem Messebau-Unternehmen mit 60 Angestellten. Pro Jahr baut die Firma rund 500 Messestände, fast die Hälfte davon im Ausland. "Wir sind auf Platz 26 der größten Messebauer", sagt Heinrich stolz. Üblicherweise ist das Frühjahr eine Hochzeit für Messen. Branchen präsentieren sich mit ihren Neuheiten in großen Hallen - und Unternehmen wie Messe-Pro arbeiten genau auf diese Momente hin: In der Schreinerei werden die Stände gezimmert, dann an die Standorte gefahren und dort aufgebaut. Eine Branche, in der es oft hektisch werden kann und zeitliche Planung Gold wert ist. Wenn die Messe eröffnet, muss alles stehen.

Messebauer in der Krise: Einbußen in Millionenhöhe

Bereits im Februar, als das Thema Corona erst allmählich Fahrt aufnahm, häuften sich die Hiobsbotschaften für Heinrich und seine Kollegen: "Weltweit sind uns rund 70 Aufträge weggefallen, das geht vom Volumen in die Millionen", sagt er. "Wir waren mit die Ersten, die es mitbekommen haben." Einige Branchentreffen sollen nachgeholt werden - doch ob und wann das klappt, scheint momentan offen. Heinrich schildert kuriose Situationen: Die Tourismusmesse ITB in Berlin sollte im März stattfinden und wurde sehr kurzfristig abgesagt. "Es war schon alles aufgebaut. Unsere Monteure sind dann dageblieben und haben gleich wieder abgebaut", blickt Heinrich zurück. "Bei uns ging es von Hundert auf Null."

Während große Branchenschauen oft Thema in den Medien sind, finden der aufwändige Auf- und Abbau quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ein riesiger logistischer Aufwand, der sich im Hintergrund abspielt. "Das kriegt keiner mit. Über die Sparte Messebau wird nicht viel gesprochen, es ist für viele nicht greifbar", sagt Heinrich. Ganz anders sei das zum Beispiel beim Hotelgewerbe - da gebe es mehr Verständnis für die Situation. Schließlich hätten viele Menschen schon einmal ein Hotelzimmer gebucht.

Wie gehen Heinrich und Jörg Becker, mit dem er das Unternehmen einst gemeinsam gegründet und dann ausgebaut hat, mit der schwierigen Situation um? "Sowas hatten wir auch noch nie, aber wir haben uns schnell gefangen und gesagt: Wir wollen niemanden entlassen." Die Geschäftsführung will die Krise als Chance nutzen und aus der Not eine Tugend machen.

Messebauer in der Krise: Suche nach Alternativen

Etwa dadurch, dass das Unternehmen neue Felder erschließt: Montagearbeiten im Trockenbau-Bereich, Aufträge für den Umbau privater Möbel, Aufbau von Schwerlastregalen - auch mit solchen Arbeiten gelinge es zurzeit im Rahmen der Umstände recht gut, die Mitarbeiter zu beschäftigen. Heinrich will positiv nach vorne schauen. "Ich kann nicht sagen, dass im Moment alle Arbeit haben, aber wir versuchen alles, damit nicht alle von Kurzarbeit getroffen werden."

Wie viele andere Unternehmer hofft auch Heinrich, dass es in Sachen Kurzarbeitergeld nun schnell voran geht, denn darauf sei man dringend angewiesen. Mit diesem Instrument sollen in wirtschaftlichen Krisen Arbeitsplatzverluste verhindert werden. Wenn, wie bei Messe-Pro, der Arbeitgeber die Arbeitszeit kürzen muss, kann die Arbeitslosenversicherung unter bestimmten Voraussetzungen einen Teil des Lohns ausgleichen.

Messebauer in der Krise: Warten auf die Politik

Schon vor Wochen habe das Unternehmen den Antrag an die Arbeitsagentur geschickt, doch bislang sei nur der Eingang bestätigt worden, erläutert Heinrich. Er hofft auf eine baldige Bewilligung, "aber damit habe ich keine Erfahrung". Er geht davon aus, dass alle Anforderungen erfüllt sind. "Wir müssen es sowieso vorfinanzieren", sagt der Heuchelheimer. Momentan sei das noch möglich. "Auch im April können wir noch bezahlen, aber dann wird es schwierig" - zumal laufende Kosten, etwa für Hallen- und Gerätemiete, weiter anfallen.

Den Freiberuflern, für die das Unternehmen schon jetzt keine Arbeit mehr hat, würde freilich auch das Kurzarbeitergeld nicht helfen.

Heinrich baut auch darauf, dass die von der Bundesregierung angekündigten KfW-Kredite zu möglichst unbürokratischen Konditionen nun schnell Gestalt annehmen. Er fürchtet, dass gerade kleinere Betriebe in der Branche bald von der Pleite bedroht sein könnten.

Heinrich will Optimist bleiben. Immerhin ist es nun weniger stressig an der Arbeit, und das mitten in der eigentlichen Hochsaison. Üblicherweise können die Messebauer im Sommer kurz durchschnaufen. Ob das auch für diesen Sommer gilt, bleibt abzuwarten.

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