Am 9. September finden im Heuchelheimer Impfzentrum die letzten Erstimpfungen statt, denn zum Monatsende ist Schluss: Spätestens am 30. September müssen alle hessischen Impfzentren schließen.
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Am 9. September finden im Heuchelheimer Impfzentrum die letzten Erstimpfungen statt, denn zum Monatsende ist Schluss: Spätestens am 30. September müssen alle hessischen Impfzentren schließen.

Corona-Impfungen

Impfzentrum schließt — Wie geht es mit den Impfungen im Kreis Gießen weiter?

  • Lena Karber
    VonLena Karber
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Das Impfzentrum in Heuchelheim schließt am 30. September. Wie sollen die Auffrischungsimpfungen gestemmt werden? Und wie lässt sich die Impfbereitschaft erhöhen? Das waren Themen im Impfbeirat.

Die ersten Spritzen, die in Heuchelheim ab dem 19. Januar gesetzt wurden, waren ungeheuer begehrt. Enkel verbrachten Stunden in der Warteschleife, um für ihre Großeltern einen Termin zu ergattern, das Online-Portal machte schlapp. Das ist nun, rund 199 260 verabreichte Impfdosen später, anders. Selbst ein Termin ist nicht mehr nötig, stattdessen gab es am Wochenende Kaffee und Kuchen für jeden, der auf eine Impfung vorbeischaute. Denn die Nachfrage ist inzwischen niedrig, auch im Gießener Land: So werden in dem Impfzentrum, das auf 1350 Impfungen täglich ausgelegt ist und einmal sogar 2200 verzeichnete, zur Zeit nur etwa 200 Personen pro Tag immunisiert. Am 30. September ist daher Schluss: Hessenweit schließen die Impfzentren. 

Impfzentrum im Kreis Gießen schließt: Wer soll Auffrischungsimpfungen im Herbst durchführen?

Angesichts der aktuellen Impfsituation mag das naheliegend sein. Allerdings scheint längst klar, dass im Herbst Auffrischungsimpfungen anstehen. Das betrifft Risikogruppen, deren Impfung bereits sechs Monate zurückliegt, aber womöglich auch Menschen, die mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurden. Details stehen noch nicht fest, eine Frage jedoch bereits im Raum: Wie sollen die Impfungen gestemmt werden, wenn die Hausärzte im Herbst und Winter mit Grippe und Erkältungskrankheiten ohnehin alle Hände voll zu tun haben?

»Nach dem ersten Schreiben der Kassenärztlichen Vereinigung hatte ich furchtbare Bauchschmerzen«, sagte Landrätin Anita Schneider beim virtuellen Treffen des Impfbeirats zu eben jenem Thema. Der Grund: zunächst habe es danach ausgesehen, dass die Impfungen komplett in die Regelversorgung übergehen sollen, während der Landkreis außen vor sei. In Gesprächen mit Vertretern der hiesigen Hausärzte hätten sich diese jedoch die Unterstützung durch mobile Impfteams gewünscht, sagte Schneider. Das habe man an die KV und den hessischen Landkreis-Tag weitergeben.

Kreis Gießen: Hausärzte bekommen Unterstützung durch mobile Impfteams

Inzwischen ist laut Schneider klar, dass die Impfkamapgne hierzulande künftig auf zwei Säulen beruhen soll: den Hausärzten und dem Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD). Für den Landkreis bedeute das, dass sowohl der Einsatz von mobilen Impfteams zur Unterstützung der Hausärzte in den Pflegeheimen als auch Sonderimpfaktionen fortgeführt werden können, wobei Bund und Land die Kosten zu je 50 Prozent tragen würden. »Ich halte es für wichtig, dass das frühzeitig geklärt wurde, denn wir können nicht von jetzt auf gleich mobile Impfteams zur Unterstützung schicken«, betonte Schneider, die befand: »Nach 15 Monaten Pandemie sind wir es den Menschen schuldig, dass wir weitsichtig planen und dazu gehören meiner Meinung nach auch die mobilen Impfteams.«

Laut Schneider soll nun unter anderem geklärt werden, wie viele der derzeit acht Impfteams weiterhin benötigt werden, da der ÖGB »keine Konkurrenz, sondern eine unterstützende Kraft für die Hausärzte« darstellen soll. »Deshalb ist es wichtig, dass wir eine gute Kommunikation aufbauen.«

Geringe Impfquote: Wie lässt sich die Impfbereitschaft im Kreis Gießen erhöhen?

Doch nicht nur in Bezug auf die Auffrischungsimpfungen gibt es weiter Handlungsbedarf. Wie hoch der Anteil an Erst- und Zweitgeimpften im Landkreis ist, lässt sich laut Mario Binsch, Leiter des Impfzentrums, nicht genau sagen. Unter Vorbehalt (siehe Kasten) nannte er im Rahmen der Sitzung jedoch eine Quote von 57,3 Prozent bei den Erstimpfungen und 52,5 Prozent bei den Zweitimpfungen, was etwas niedriger ist als der hessische Durchschnitt. »Wir haben noch nicht das erreicht, was wir gerne erreichen würden«, betonte Schneider.

Impfaktionen mit Preisverlosungen und ähnliche Aktionen, die die Menschen zur Impfung bewegen sollen, plant der Landkreis aktuell allerdings nicht. »Wir werden erst einmal weiterhin auf niedrigschwellige Angebote und die direkte Ansprache der Menschen über die Gemeinwesen- und Sozialarbeit setzen«, sagte Schneider. Das hat sich aus ihrer Sicht in Lollar und Gießen bereits bewährt. Dem stimmte auch die Ärztliche Leiterin des Impfzentrums, Renate Braun, zu. Das Feedback der Sozialarbeiter dazu sehr, sehr positiv, sagte sie. Und man hoffe hierdurch auch auf einen »Multiplikatoreffekt«.

Als weniger effektiv haben sich laut Braun hingegen Impfaktionen beim Einkaufen erwiesen. Da sei ein Flohmarkt, bei dem die Leute nicht in Eile seien, besser geeignet. So habe man auf diesem Weg einige Studenten impfen können und erwarte mit dem Beginn der Vorlesungszeit weitere Impfungen. Zudem, so Braun, stehen in de kommenden Woche Impfungen bei der Tafel in Pohlheim, Lollar und Gießen auf dem Programm.

Nach den Ferien: Landkreis Gießen plant impfungen in den Schulen

Nach den Ferien geht es für die Impfteams dann in die Schulen, denn bisher wurden in Heuchelheim erst etwa 80 bis 85 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren geimpft, »Uns wurde noch keine einzige gravierende Nebenwirkung gemeldet«, sagte Braun. Aber da es noch keine Impfempfehlung gebe, die eine haftungsrechtliche Absicherung bedeute, sei auch bei den Kinder- und Hausärzten die Zurückhaltung groß. Braun verwies hier auf den Solidaritätsaspekt. Es gehe auch darum, andere zu schützen.

»Wir haben mittlerweile Durchbruchsinfektionen«, sagt Braun, also symptomatische Erkrankungen vollständig Geimpfter. Zwar würden diese in der Regel unproblematisch ablaufen - aber eben nicht immer. »Ich weiß von einem Fall auf der Intensivstation.«

Impfungen im Kreis Gießen

Im Heuchelheimer Impfzentrum wurden bis zum 10. August 199 260 Impfdosen verimpft, darunter in der Anfangszeit einige an Menschen aus den benachbarten Kreisen. Insgesamt 168 926 Impfdosen gingen laut Leiter Mario Binsch ausschließlich an Bewohner des Landkreises Gießen. Zusammen mit 20 082 Impfungen durch mobile Impfteams und 14 248 Impfungen im Krankenhaus kommt Binsch auf 203 256 Impfdosen, die an Bewohner des Kreises verimpft wurden. Inklusive der Impfungen bei den Hausärzten sind laut Binsch etwa 57,3 Prozent der Einwohner erst- und 52,5 Prozent zweitgeimpft. Das Land Hessen kommt laut RKI auf eine etwas höhere Quote von 62,5 bzw. 54,7 Prozent, liegt aber unter dem bundesweiten Wert von 62,8 bzw. 56,1 Prozent. Eine exakte Quote ist laut Binsch jedoch »schwierig, um nicht zu sagen unmöglich« zu berechnen. So würden etwa Impfungen mit Johnson & Johnson oder Impfungen nach Genesung unterschiedlich erfasst. 

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