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Hermann Otto Solms (links) und Dennis Pucher (rechts) lassen sich von Steffen Rinn das Fertigen von Zigarren erläutern.

Track-&-Trace-Regeln

Don Stefano in Heuchelheim: Kampf für die Zigarre

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Die Zigarre, eine hochwertige allzumal, gilt als Genussmittel. Kaum einer weiß das besser als Steffen Rinn. Der Heuchelheimer muss sich jetzt mit Track-and-Trace-Regeln der EU auseinandersetzen.

Heuchelheim – »Ich bin geborener Nichtraucher«, bekennt Hermann Otto Solms. Dennis Pucher sagt derweil nicht Nein zu einer Zigarre. Steffen Rinn betreibt am traditionsreichen Standort in Heuchelheim die einzige in Hessen noch existierende Zigarren-Manufaktur mit dem Namen Don Stefano. Der Spross des einst bundesweit bekannten Zigarren-Unternehmens Rinn & Cloos plaudert mit dem Nestor der deutschen Liberalen und dem FDP-Kreisvorsitzenden bei Kaffee und einer »Corona« über Höhen und Tiefen in der Geschichte der Zigarre als Genussmittel.

Neue Regeln für Zigarrenhersteller machen Probleme in Heuchelheim

Und redet nicht lange um ein Problem herum, das die Branche aktuell bedrückt: Vom Jahr 2024 an soll eine systematische Rückverfolgbarkeit greifen. Sogenannte Track-and-Trace-Regelungen sollen die bekannten Schmuggelprobleme bei Zigaretten und Tabak eindämmen.

Und treffen damit zugleich auch die Zigarrenhersteller weltweit. Das Regelwerk zum Nachverfolgen von Tabakprodukten vom Anbau der Pflanze über die Verarbeitung der Rohstoffe und den Handel bis hin zum Endverbraucher hat zum Ziel, Schmuggel zu verhindern, der für Milliarden-Verluste bei Steuereinnahmen verantwortlich ist. »20 Milliarden Zigaretten kommen jährlich unversteuert nach Deutschland«, nennt der Geschäftsführer des Bundesverbands der Zigarrenindustrie, Bodo Mehrlein, eine gigantische Zahl. »Dem standen im Jahre 2018 sage und schreibe nur 98 Zigarren gegenüber, die unverzollt nach Deutschland gekommen sind«, legt hingegen Steffen Rinn dar. »Schmuggel ist bei Zigarren und Zigarillos kein Thema«, sagt er. Doch auch und gerade kleine Manufakturen wie die seine mit nicht mal mehr einem Dutzend Mitarbeitern treffen die geplanten Regeln hart.

Hohe Kosten durch neue Regeln für Heuchelheimer Zigarrenhersteller „kaum zu stemmen“

Denn wie die Großen der Tabakindustrie sollen sie in Hardware und in Software investieren, damit die Waren und Produkte auf ihrem Weg dauerhaft gescannt und überwacht werden können. Beispielsweise sind spezielle QR-Codes oder Datamatrix-Codes als individuelles Erkennungsmerkmal für jedes Land, in das Zigarren exportiert werden sollen, zu beantragen und auf den Handelsverpackungen aufzudrucken. »Völlig unnötig, denn es verursacht nur immense Kosten«, befindet Rinn, der in dritter Generation im Geschäft ist. Für sein Unternehmen beziffert er die drohenden Investitionen auf rund 150 000 Euro. Hinzu kommen jährliche Kosten in einer Größenordnung von rund 40 000 Euro. Rinn: »Das ist kaum zu stemmen.«

Er hofft jetzt ebenso wie Mehrlein wenigstens auf ein erhebliches Verlängern der Fristen zum Einführen der Neuerungen. Doch lieber wäre ihm: »Track and Trace sollte für kleine Zigarrenhersteller nicht wirksam werden.« (so)

Hintergrund: Don Stefano

Don Stefano ist die einzige Zigarrenmanufaktur in Hessen. Sie steht in der Tradition von Rinn & Cloos in Heuchelheim. R&C, gegründet 1895, bot zeitweise bis zu 6000 Menschen in der Region sowie am Rennsteig in Thüringen und im Raum Minden (Westfalen) Brot und Lohn. 1991 schloss R&C. Mit der Renaissance der Zigarre gründete Steffen Rinn, Enkel des R&C-Gründers, 1993 Don Stefano und fertigt und vertreibt hochwertige Zigarren und Zigarillos. so

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