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Covid-19

Landkreis Gießen: Impfzentrum in Heuchelheim startklar

  • vonPatrick Dehnhardt
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In Rekordzeit hat der Landkreis Gießen ein Impfzentrum aus dem Boden gestampft. Jedoch fehlt noch der Impfstoff. Auch Personal und Ärzte werden gesucht.

Landkreis Gießen – Was hat man noch vor Monaten darüber gestaunt, wie schnell in China ein Krankenhaus gebaut werden konnte. Seit gestern ist der Beweis erbracht: Der Landkreis Gießen kann das auch - mit Unterstützung des THW, des Katastrophenschutzes, der Feuerwehr sowie des DRK und der Johanniter. Das Impfzentrum in Heuchelheim steht. Eigentlich könnte der Betrieb losgehen - wenn es denn Impfstoff gebe.

Doch vor Weihnachten wird in Heuchelheim wohl keine Spritze gesetzt werden. Zwar hatte das Land gefordert, dass die Impfzentren am 15. Dezember betriebsbereit sein müssen. Jedoch empfiehlt es gleichzeitig, das Personal ab 28. Dezember zur Verfügung zu stellen, falls dann schon der Impfstoff da ist. Bislang ist auch noch unklar, wer zuerst geimpft wird und auf welchem Weg die Terminabsprache laufen soll - alles Fragen, die das Land noch klären muss.

Nachgestellte Szene: Arztgespräche und die Datenerfassung erfolgen in Kabinen, Personal und Besucher sind durch eine Plexiglasscheibe getrennt.

Impfzentrum im Landkreis Gießen: Land muss mehr Geld zur Verfügung stellen

Auch die Kostenfrage ist noch nicht abschließend beantwortet. Mit den vom hessischen Innenminister Peter Beuth zunächst versprochenen 170 Millionen Euro für ganz Hessen werde man nicht weit kommen. Heruntergebrochen wären dies rund sechs Millionen Euro pro Impfzentrum, sagte Landrätin Anita Schneider. »Das reicht nicht einmal, um die Personalkosten zu decken. Da würden wir als Landkreis deutlich drauflegen.«

Die Personalthematik war auch ein Thema des Pressetermins. Da das Impfzentrum von 7 bis 22 Uhr geöffnet sein soll, braucht es genügend Ärzte und Personal für den Schichtbetrieb. Derzeit liegen 27 Bewerbungen von Ärzten vor, sagte Johanniter-Regionalvorstand Marco Schulte-Lünzum. Da diese aber nicht alle Vollzeit arbeiten werden, sondern einige neben ihrem eigentlichen Beruf sich im Impfzentrum engagieren wollen, werde man deutlich mehr Mediziner brauchen. Jedoch sei man davon überrascht, wie viele Ärzte sich bereits gemeldet haben, sagte die Landrätin.

Impfzentrum im Landkreis Gießen: Große Bereitschaft bei Ärzten und Personal

Das Gleiche gilt auch für das Personal: Auch hier hätten bereits viele ihre Bereitschaft signalisiert, teilweise angeboten, nach ihrem eigentlichen Beruf im Impfzentrum zu helfen. Dennoch werde weiteres Personal mit medizinischen Fachkenntnissen gebraucht, sagte Christian Betz vom DRK-Kreisverband Gießen-Marburg. Auch Menschen, die schon etwas aus dem Beruf raus sind, könnten sich melden - man würde sie nachschulen.

Einen Fortschritt konnte Kreisbrandinspektor Mario Binsch bei der Haltbarkeit des Impfstoffs vermelden: Zunächst ging man davon aus, dass dieser nach der Zubereitung vor Ort nur eine Stunde verwendet werden könne. Da nun ein hochwertiger Reinraum eingerichtet wird, sei der Impfstoff nach dem Anmischen vier bis fünf Stunden verwertbar.

Die Liegen im Impfzentrum warten auf zu Impfende.

Impfaktion in Hessen: Keine Zwangsimpfungen

Ein Problem ist jedoch, dass der Impfstoff nach dem Anmischen erschütterungsempfindlich ist, daher nicht transportiert werden kann. Die mobilen Impfteams werden ihn daher in Seniorenzentren und anderen Pflegeeinrichtungen vor Ort herstellen müssen. Damit die Impfungen dort zügig ablaufen können, bittet Schulte-Lünzum die Angehörigen von Seniorenheimbewohnern, welche nicht mehr selbst Entscheidungen fällen dürfen (etwa wegen Demenz), rechtzeitig zu dokumentieren, ob diese geimpft werden dürfen oder nicht. »Ohne eine Einwilligung dürfen wir nicht impfen.«

Landrätin Schneider betonte, dass dies generell gelte: »Es wird keine Zwangsimpfungen geben.« Jedoch werde ohne eine Impfquote von 60 bis 70 Prozent die sogenannte Herdenimmunität nicht erreicht werden können.

Impfzentrum im Landkreis Gießen bietet persönliche Arztgespräche

Für die zu Impfenden startet der Weg durchs Impfzentrum an der Rolltreppe ins Obergeschoss. Dort wird die Temperatur vor dem Einlass gemessen. Durch eine mit ihren Personenschranken an ein Flughafenterminal erinnernde Eingangshalle geht es zur Anmeldung. Das Personal nimmt hinter einer Plexiglasscheibe die Daten auf.

Danach geht es in den Wartebereich, wo allgemeine Informationen zum Impfstoff gegeben werden. In separaten Kabinen findet das Arztgespräch statt. Erst danach geht es in eine der sieben Impfstraßen. Auf Liegen, die in separaten Kabinen stehen, erfolgt die Impfung. Anschließend muss jeder noch 30 Minuten in einem Ruhebereich verbringen. So will das Gesundheitsamt sichergehen, dass mögliche akute Nebenwirkungen nicht erst auf dem Heimweg auftreten. Danach können die Geimpften nach Hause - und ein paar Wochen später wiederkommen. Denn mit einem Pieks allein ist es nicht getan. (Patrick Dehnhardt)

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