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Auf historischer Spurensuche

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Heuchelheim/Staufenberg (dhe). Rauch zieht durch die Straßen Heuchelheims. Hunderte Menschen retten sich vor den Flammen, die an 27 Wohnhäusern und 188 Scheunen fressen. 81 Familien werden an diesem spätsommerlichen Abend des 2. September 1866 obdachlos. Der Großbrand in Heuchelheim Mitte des 19. Jahrhunderts ging in die Geschichte des Ortes ein. Der schwere Schicksalsschlag, der die Menschen durch das Feuer traf, bewegt und interessiert auch heute noch.

Fiktive Elemente eingebaut

Die Staufenbergerin Paula Sophie John, Schülerin des Landgraf-Ludwig-Gymnasiums Gießen, hat den Vorfall zum Thema ihrer Arbeit gemacht, die sie für den diesjährigen Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten angefertigt hatte. Das Rahmenthema lautete "So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch". Die Siebtklässlerin verfasste ihre 16-seitige Abhandlung über das Unglück unter dem Titel "Oh, schrecklicher Ausruf: Feuer! - Der Großbrand in Heuchelheim am 2. September 1866". Ihr Ziel war es dabei, mehr über die Hintergründe des Brandes und über die nachfolgende Krise herauszufinden. Die Mühe und Arbeit, die sie in das Projekt investierte, sollten sich auszahlen: Paula ging als Landessiegerin aus dem Wettbewerb hervor und wurde mit einer Urkunde und 250 Euro Preisgeld geehrt.

Auch wenn die Zwölfjährige zugeben muss, dass das Projekt schwerer war, als sie zuerst angenommen hatte. Noch beim Erklären ihres Zeitplans hört man deutlich heraus, dass es sie einige Nerven gekostet hat, alles rechtzeitig fertigzubekommen. Denn es stand kurz vor dem Abgabetermin noch eine Skifreizeit an, die zusätzlich viel Zeit in Anspruch nahm. Trotzdem hatte sie Freude an dem Projekt. Sie konnte eines ihrer Hobbies, das Schreiben von Kurzgeschichten, mit einem ihrer Lieblingsfächer - nämlich Geschichte - verbinden. Paula entschied sich dafür, ihre Quellen auf eine kreative Art und Weise darzustellen, indem sie mit fiktiven und erzählerischen Elementen arbeitete.

Fakten über das Unglück, aber auch Emotionen präsentiert die Schülerin durch fiktive Interviews und Zeitungsartikel, die sie selbst verfasst hat. In einem Kapitel lässt sie eine Reporterin mit dem achtjährigen Louis Frech sprechen, der Zeuge des Brands war. Obwohl sie selbst noch recht jung ist, gelingt es der Schülerin, den Rednern altersgerechte Sprache zu verleihen. So schafft sie einen authentisch und lebhaft wirkenden Dialog, der dem Leser einen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt eines achtjährigen Jungen des 19. Jahrhunderts ermöglicht. Louis berichtet so beispielsweise von seiner Furcht, dass es nun auch in Gießen brennen und er seine Holzspielzeugsammlung verlieren könnte.

Die Möglichkeit, sich kreativ mit Geschichte auseinanderzusetzen, ist eine Lehrmethode, die ihr Tutor und Geschichtslehrer Christoph Geibel auch im Unterricht nutzt, erzählte die Zwölfjährige. Das Schreiben von Geschichten gehört auch dazu. Sie findet, dass die Themen dadurch allgemein interessanter werden und man mehr Spaß daran habe, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Beim Transkribieren der Archivalien half ihr der Geschichtslehrer. Die Arbeit mit Quellen gefiel ihr besonders gut: "Mit den Kopien von historischen Dokumenten zu arbeiten, das finde ich spannend. Das ist noch mal etwas ganz anderes als das, was man im Geschichtsunterricht macht."

Ihr Interesse an dem Fach Geschichte ist durch den Geschichtswettbewerb um einiges gewachsen. Dass sie gewinnen würde, hätte sie trotzdem nicht erwartet, vor allem da sie einen großen Teil des Projekts unter Zeitdruck und es im Alleingang, anstatt - wie anfänglich geplant - gemeinsam mit zwei Freundinnen anfertigen musste. Trotzdem war der Sieg selbstverständlich eine erfreuliche Überraschung, die sie mit drei ihrer Mitschüler, die ebenfalls den Landessieg erzielten, feiern konnte.

Und wer weiß, vielleicht gibt es bald noch mehr zu feiern: Durch ihren Landessieg ist Paula nun automatisch Teilnehmerin beim Bundeswettbewerb. Hier treten alle Landessieger mit ihren Arbeiten noch einmal gegeneinander an, um den Bundessieger zu ermitteln, der in Berlin geehrt werden wird.

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