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Bis 2017 wurden hier von Dormiente Matratzen gefertigt und verkauft - jetzt entsteht dort übergangsweise Raum für die Rappelkiste. (so)

Rappelkiste Heuchelheim

Lösung für Rappelkisten-Kinder nach Brand in Heuchelheim gefunden

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Das Dormiente-Gebäude wird zum Kindergarten. Bis die zu Pfingsten abgebrannte Kita Rappelkiste wieder aufgebaut ist, werden die 120 Kinder in der Gewerbe-Immobilie in Heuchelheim-Süd betreut.

Heuchelheim (so). Die Entscheidung ist getroffen: In den kommenden zwei bis drei Jahren wird der Betrieb der Kindertagesstätte im Heuchelheimer Süden stattfinden. Die Gemeinde mietet das derzeit leer stehende alte Produktions- und Bürogebäude des renommierten Matratzenbauers Dormiente an.

Das Unternehmen ist 2017 in einen Neubau an der Rodheimer Straße umgezogen. Im alten Dormiente-Domizil soll auf rund 1200 Quadratmetern alles für den Betrieb der Rappelkiste hergerichtet werden. Dazu werden dort Sanitärcontainer und Küchencontainer eingebaut und Gruppenräume sowie Differenzierungsräume hergerichtet. Nicht für die Ewigkeit, aber doch so lange, bis an der Kindergartenstraße ein Neubau steht, der die abgebrannte Rappelkiste ersetzt.

Umzug zum Jahreswechsel

Voraussichtlich ab Januar kann dort die gemeinsame Betreuung und pädagogische Arbeit der sechs Gruppen am Standort im Heuchelheimer Süden aufgenommen werden.

Die Gemeindevertretung Heuchelheim hat dies am Dienstagabend in einer Sondersitzung beschlossen - und zwar einmütig. Die Fachaufsicht für Kindergärten beim Landkreis Gießen hat bereits im Vorfeld grünes Licht gegeben.

Seit dem Brand der Kita zu Pfingsten ist die Betreuung auf drei Standorte im Dorf verteilt: Eine Notlösung, die man so nicht länger als nötig aufrechterhalten will.

Container-Alternative verworfen

Eine der ebenfalls geprüften Alternativen war der Bau eines Container-Kindergartens. Doch dafür hätte man eine Fläche finden und herrichten müssen - gedacht war an den Schwimmbad-Parkplatz. Der wird allerdings für die Verkehrserziehung/Fahrradschule genutzt - und eben als Parkplatz benötigt Und: Das Anmieten von Containern für sechs Betreuungsgruppen plus Sanitär plus Küche etc. hätte für zwei Jahre laut ersten Angeboten 814 000 Euro gekostet.

Andere Ideen wurden ebenfalls verworfen, wie etwa das Nutzen der alten Schule in Kinzenbach oder der Flüchtlingsunterkünfte am Pfannstiel - beides wäre für die "Rappelkiste" zu klein gewesen.

Kita auf 1200 Quadratmetern

Miete und Umbau der Dormiente-Gewerbeimmobilie kommen mit voraussichtlich 801 000 Euro nur unwesentlich billiger als eine Container-Lösung. Aber: Die Gemeinde wird für den Kindergarten rund 1200 Quadratmeter benötigen. Die Halle bietet aber 2400 Quadratmeter einschließlich Büros und Verwaltung. Ergo ist da noch Luft für andere, kreative Lösungen. So denkt der Heuchelheimer Bürgermeister Lars Burkhard Steinz darüber nach, einen Teil der Gemeindeverwaltung dorthin auszulagern - nämlich in der Zeit, in der das neue Rathaus am Linnpfad saniert und erweitert wird. Das erspart die Container auf dem Parkplatz der Verwaltung.

Neubau kostet über vier Millionen

Im Rathaus klärt man derweil die finanzielle Abwicklung des Schadens und die Finanzierung des Neubaues an der Kindergartenstraße. So hofft Bürgermeister Lars Burkhard Steinz auf rund 1,7 Millionen Euro Förderung vom Land Hessen für einen Neubau nach heutigen Standards. Was er von der Versicherung zu erwarten hat, ist noch nicht präzis beziffert - es wird wohl der Zeitwert der zerstörten Kita sein.

Ein neuer sechsgruppiger Kindergarten wird voraussichtlich aber mehr als 4 Millionen Euro kosten. Hinzu kommen die rund 800 000 Euro für das Anmieten und Herrichten der Gewerbe-Immobilie im Gewerbegebiet Süd. Macht in Summe die rund fünf Millionen Euro, von denen Bürgermeister Lars Burkhard Steinz dieser Tage gesprochen hat, als es um die Kosten infolge des verheerenden Feuers ging. Die Vorsitzende der Gemeindevertretung, Claudia Coburger-Becker, fasste gestern die vielen Zahlen trocken zusammen: "Es wird nicht billig".

Keine Denkverbote

Wie der Wiederaufbau aussehen soll, das ist noch nicht klar. Der Bürgermeister und der Erste Beigeordnete Dr. Manfred Ehlers sprachen von einem "weißen Blatt Papier" und kündigen an: "Es gibt keine Denkverbote". Überlegt wird, wie vor wenigen Jahren beim Neubau der Tagesstätte in Kinzenbach einen Architektenwettbewerb auszuloben. Damit hat man gute Erfahrungen gemacht.

Derweil ist der Abriss der Brandruine so gut wie abgeschlossen. Stehen bleibt nur der 2014 geschaffene Erweiterungsbau. Der blieb vom Feuer verschont. Ein Raub der Flammen wurden der Bau von 1970 sowie die ersten Erweiterungen aus dem Jahr 1990.

Das Feuer nahm seinen Anfang in einem Abfalleimer am Gebäude, griff von dort auf den Fallschutz aus Holzhackschnitzeln und dann auf die hölzerne Wandverkleidung über. Der oder die Verursacher sind nicht ermittelt.

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