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Siegfried Jaedike in seinem Reich: Der Leiter des Kamera-Museums in Heuchelheim und seine Kollegin Sabine Reddemann betreuen insgesamt 3000 Exponate.

Faszination Fotografie

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Heuchelheim (se). Klein aber fein: Mit dem Kamera-Museum verfügt die Gemeinde Heuchelheim über eine Attraktion, der eine vergleichsweise geringe Beachtung geschenkt wird, die in puncto Qualität der Ausstellungsstücke durchaus mit den "Großen" (etwa dem Deutschen Kamera-Museum in Plech/Bayreuth) mithalten kann. Das Museum ist aber nicht nur etwas für Kenner, auch jeder, der sich nur ansatzweise für Fotografie interessiert, kommt hier auf seine Kosten. Das Museum ist in einem ehemaligen Backhaus in der Wilhelmstraße 36 (unweit der Turnhallengaststätte) untergebracht und besteht seit nunmehr 20 Jahren. Diesem kleinen Jubiläum tragen die Verantwortlichen um Museumsleiter Siegfried Jaedike Rechnung: Die Öffnungszeit am Sonntag wird ausgedehnt; die Exponate können von 10 Uhr bis 16 Uhr besichtigt werden.

Am Sonntag länger geöffnet

Nachdem das Backhaus in der Wilhelmstraße den eigentlichen Zweck nicht mehr zu erfüllen brauchte, wurde es 1957 mit Unterstützung der Gemeinde zu einem Film- und Fotostudio umgebaut, wo die vier Jahre zuvor gegründeten Schmalfilmfreunde "Rivoresch" Heuchelheim unterkamen. Der Name ergibt sich aus der Aneinanderreihung der ersten Buchstaben der Gründungsmitglieder. Fast 30 Jahren begleitete "Rivoresch" das Heuchelheimer Ortsgeschehen auf Fotos sowie bewegten und auch vertonten Bildern. Ausgestellt im Kameramuseum ist unter anderem die Bolex H16, die Kamera also, mit der Filme gedreht wurden, sowie die entsprechenden Projektoren von Leitz und Siemens. Erhalten geblieben ist auch das Studio, von dem aus die dem Publikum präsentierten Filme mit Kommentaren versehen werden konnten. Schneidegeräte befinden sich ebenfalls unter den Ausstellungstücken. Das alte Filmmaterial bzw. die Ortschroniken auf Zelluloid hat Jaedike digitalisiert (eine zeitaufwendige Angelegenheit) und auf CD gebrannt. Sie können im Heimatmuseum (Kinzenbacher Bahnhof) erworben werden.

Jaedike und seine Kollegin Sabine Reddemann haben das Kamera-Museum so eingerichtet, dass jedes Exponat genau begutachtet werden kann. "Das sind alles Schenkungen", sagt der Museumsleiter nicht ohne Stolz. Angefangen hat es 1999 mit 40 Ausstellungsstücken, jetzt sind es rund 3000, in dem kleinen Anbau auf drei Stockwerke verteilt. Von besonderer Bedeutung sind die in Heuchelheim hergestellten Kameras. Minox hat hier rund 50 Jahre lang produziert und in dieser Zeit einen Beitrag zur wirtschaftlichen Blüte der Gemeinde geleistet.

Kameras nahezu aller Hersteller sind ausgestellt, sogar ein in der Marburger Oberstadt entdeckter Standautomat, aus dem man Filme ziehen konnte. Eine weitere Kostbarkeit: Glasnegative aus der frühen Zeit der Fotografie. Diese wurden aufgearbeitet, sodass daraus Bilder (Positive) hergestellt werden konnten. Das Gros der Exponate aber bilden Kameras, Fotoapparate aus nahezu allen Epochen. Ein faszinierender Anblick.

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