Kein außergewöhnliches Bild: Radler und Autofahrer warten geduldig vor den geschlossenen Schranken.   
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Kein außergewöhnliches Bild: Radler und Autofahrer warten geduldig vor den geschlossenen Schranken.   

Schranken zu

Ewiges Warten am Bahnübergang bei den Heuchelheimer Seen - könnte sich bald etwas ändern? 

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Seit Jahren sind Autofahrer genervt von der Warterei am Bahnübergang vorm Allendorfer Wäldchen bei den Heuchelheimer Seen. Die Bahn verweist auf das Land, das die Initiative ergreifen müsse.

Wenn die Schranken vor den Gleisen der Bahn zwischen Gießen und Wetzlar geschlossen sind, kann das, wenns nicht gut läuft, auch schon mal bis zu 15 Minuten Warterei bedeuten. Begründet liegt dies in der automatischen Steuerung der Schranken: Sie werden geschlossen, wenn ein Zug aus dem Gießener Bahnhof in Richtung Wetzlar starten will. In umgekehrter Richtung senken sich die Schranken, wenn ein Zug in Dutenhofen losfährt.

Bahnübergang Heuchelheim: Kleine oder große Lösung?

Vielfach wurden in der Vergangenheit Vorstöße unternommen, um die Situation zu verbessern: Durch kleines Nachjustieren oder aber mit der Suche nach großen baulichen Lösungen. Doch passiert ist bislang wenig.

Gerade in Heuchelheim weiß man um die Problematik, denn in den dortigen Unternehmen arbeiten viele Menschen aus Linden, Hüttenberg, Dutenhofen oder den südlichen Gießener Stadtteilen - und die morgens und abends Zeit vor geschlossenen Schranken verbringen.

Bahnübergang Heuchelheim: Petition der Kommunen

Der Heuchelheimer Bürgermeister Lars Burkhard Steinz hat deshalb vor bald vier Jahren, 2016, gemeinsam mit Gießen und Wetzlar eine Petition ans Hessische Wirtschaftsministerium übermittelt. Dies mit der Bitte, dass Wiesbaden die drei Kommunen bei Verhandlungen mit der Bahn unterstützt. Die Idee: Die Wartezeiten zu verkürzen, indem neue elektronische Stellwerkstechnik für den Bahnübergang installiert wird.

Bahnübergang Heuchelheim: Neue Stellwerkstechnik ab 2026?

Darauf wird seitdem gewartet. Die Bahn hat gegenüber Heuchelheim signalisiert, dass die Umbauten in den Jahren 2024 bis 2026 vorgesehen seien, sagt Bürgermeister Lars Burkhard Steinz. Immerhin acht bis zehn Jahre nach der Initiative.

Einer, der seit vielen Jahren Zeit und Energie in andere, große Lösungsvorschläge gesteckt hat, ist der renommierte Verkehrsplaner Norbert Fischer-Schlemm (Allendorf), ehedem Professor an der heutigen THM. Er hat Diplomarbeiten zu dem Thema erstellen lassen, hat selbst Vorschläge entwickelt für das an dieser Stelle komplexe Verkehrsgefüge vor dem Allendorfer Wäldchen.

Bahnübergang Heuchelheim: Komplexe Situation

Denn dort stoßen ganz in der Nähe die Gemarkungen von Gießen, Wetzlar und Heuchelheim zusammen. Dort liegen zwei Bahntrassen, eine Landstraße und die Bundesstraße B49 dicht beieinander. Das macht eine bauliche Veränderung, um Abhilfe zu schaffen, nicht gerade leichter. Nicht nur wegen der topografischen Gegebenheiten, sondern eben auch der Zahl der Partner, die zu beteiligen sind. Die Ideen und Überlegungen von Planern und Politik reichten in den vergangenen 25 Jahren von der Beseitigung des Bahnübergangs bis hin zu einer neuen B49-Anschlussstelle für Dutenhofen.

Bahnübergang Heuchelheim: Neue Schienenführung?

Im vergangenen Sommer hatte sich Fischer-Schlemm einmal mehr an die Bahn gewandt. Seine Idee: Den Bahnübergang durch einen Umbau der Verkehrsführungen komplett verschwinden zu lassen, indem die Gleise nach oben auf die vorhandene (zu verbreiternde) Eisenbahnbrücke verlegt würden. Dazu müsste einige Hundert Meter vor dem Knotenpunkt eine neue Verzweigung geschaffen werden. Die Kosten schätzt der Fachmann auf eine Größenordnung von rund 12 Millionen Euro plus Umbauten an den Straßen.

Eine Idee, die die Bahn in der Vergangenheit jedoch abgelehnt hat. Nicht nur aus Kosten-, sondern auch aus technischen Gründen sei die Beseitigung des Bahnübergangs nicht machbar. Argumentiert wird mit den Höhenunterschieden.

Das könne er widerlegen, ist sich Fischer-Schlemm sicher. Er hatte im vergangenen Jahr auch Kanzleramtsminister Helge Braun eingeschaltet in der Hoffnung, der Angelegenheit Nachdruck zu verleihen, und trat mit der Bahn (DB Netz AG) direkt in den Dialog. Dort hält man das Beseitigen des Bahnüberganges mittlerweile für "durchaus möglich", Das geht jedenfalls aus der Antwort der Bahn hervor, die Ende März bei Fischer-Schlemm einging. Die Bahn hat geprüft, sieht aber derzeit keine Veranlassung, diesen Bahnübergang durch eine niveaufreie Lösung zu ersetzen".

Bahnübergang Heuchelheim: Bahn verweist aufs Land

Vielmehr verweist man auf den "Straßenbaulastträger", in diesem Fall also das Land. Denn die Rückstaus bilden sich auf den Landesstraßen: Wenn das Land den Bahnübergang beseitigt haben wolle, müsse es auf die Bahn zugehen. Dann "werden wir unsere Mitwirkung prüfen", schreibt die DB Netz. Zusammenfassend hält man dort die Beseitigung des Bahnübergangs zwar für "durchaus möglich", werde aber zurzeit "keine weiteren Aktivitäten einleiten".

Fischer-Schlemm setzt jetzt darauf, dass das Land Hessen die Initiative ergreift und darüber hinaus Gießen, Heuchelheim und Wetzlar "Druck macht." Dann, so hofft er, "dürfte das Genehmigungsverfahren relativ schnell gehen".

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